Judenhetze im Internet: Islamgemeinde Melsungen weist Vorwürfe zurück

Wollen offen sein – auch gegenüber anderen Religionen: von links Emrullah Kara, Güngör Dikici, Mustafa Erbay und Hayrettin Aydin von der Melsunger Islamgemeinde Ditib. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen. Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Melsunger Islamgemeinde Ditib haben wir mit Vertretern des Melsunger Vereins gesprochen. Sie weisen die Vorwürfe zurück.

Die Vorgeschichte

Ende November 2015 wurde bekannt, dass auf der Internetseite der Ditib Melsungen judenfeindliche Zitate in türkischer Sprache zu lesen waren. Internet-Aktivist Ferdi Azadi hatte die Textsammlung entdeckt, das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel machte sie öffentlich.

Der Ditib-Landesverband Hessen distanzierte sich von den antisemitischen Aussagen und sprach von der „Tat eines Einzelnen“. Die Internetseite wurde offline gestellt, der verantwortliche Webmaster - zugleich stellvertretender Vorsitzender der Ditib Melsungen - musste seinen Rücktritt erklären. Der Ditib-Landesverband hatte ihn für den Vorfall verantwortlich gemacht. Dieser Darstellung widerspricht nun die Ditib Melsungen.

Das sagt die Ditib Melsungen

... zu den Vorwürfen:

Generell habe der bisherige Webmaster nur wenige Inhalte für die Homepage selbst verfasst - außer Hinweise auf lokale Veranstaltungen. Ansonsten habe er vor allem auf andere, für die Gemeindemitglieder interessante Internetseiten verlinkt. Die Inhalte, wegen denen die Ditib Melsungen im November angegriffen worden war, hätten bereits seit zwei Jahren auf der Internetseite des Vereins gestanden, sagt Emrullah Kara, ein Sprecher der Gemeinde. „Es handelte sich um Original-Zitate aus dem Koran, ohne jede Wertung.“ Diese Zitate habe man nur dann in dieser Auflistung finden können, wenn man auf der Internetseite gezielt die Suchanfrage stellte, was im Koran zum Thema Juden steht. Die Suchmaschine listete dann automatisch thematisch passende Textpassagen auf.

Die Texte seien aber von dem Internet-Aktivisten, der sie entdeckt hatte, aus dem Zusammenhang gerissen und falsch ins Deutsche übersetzt worden.

Kara nennt als Beispiel die 2. Sure Maide Vers 41. Darin stehe der Satz „Und unter den Juden sind solche, die auf jede Lüge horchen“. Dieser Satz sei dann verkürzt mit „Juden lügen“ übersetzt worden. Es seien aber auch Zitate auf der Homepage zu finden gewesen, in denen Juden positiv erwähnt werden - etwa die Sure Maide Vers 44, in der es heißt, dass Gott den Juden die wichtige Aufgabe übertrug, „das Buch Allahs zu bewahren“.

... zum Antisemitismus: „Wir haben nie Berührungsängste mit anderen Religionen gehabt“, sagt Kara. „Wir haben keine Probleme mit unseren jüdischen Mitmenschen“, bestätigt auch Hayrettin Aydin, Vorstandsmitglied des Vereins. Natürlich könne die Gemeinde nicht steuern, was Einzelne denken. „Aber aus meinem Umfeld kenne ich es nicht, dass negativ über Juden gesprochen wird.“ Nach den Antisemitismusvorwürfen hätten Vertreter der Ditib Melsungen Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Kassel aufgenommen. „Wir haben uns entschuldigt“, sagt Kara. Künftig wollten sich die Gemeindemitglieder gegenseitig besuchen.

... zur Prävention

Im kommenden Jahr wolle die Ditib Melsungen in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Gewalt geht nicht“ Info-Veranstaltungen für Jugendliche anbieten, kündigt Kara an. Dabei soll es um Themen wie Salafismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus gehen.

• Termin: Die Ditib Melsungen lädt für Samstag, 23. Januar ab 14 Uhr zu einer Info-Veranstaltung zu den Antisemitismus-Vorwürfen ein. Die Veranstaltung ist öffentlich.

• Kontakt: Die Internetseite der Ditib Melsungen ist noch nicht wieder zugänglich. Wer Kontakt zum Verein aufnehmen möchte, kann dies per E-Mail tun:

info@ditib-melsungen.de

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