Nach Anschlag in Halle

Polizei hat Präsenz an jüdischen Einrichtungen im Schwalm-Eder-Kreis erhöht

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Wird beschützt: Die jüdische Synagoge in Felsberg. Dort praktiziert die liberale jüdische Gemeinde mit 30 Mitgliedern ihren Glauben. Das Gebäude soll saniert werden – dann mit weiteren Schutzvorkehrungen. 

Zwei Menschen starben nach dem Angriff eines Rechtsradikalen in Halle. Wir haben bei der Polizei und der einzigen jüdischen Gemeinde des Landkreises nach der aktuellen Situation gefragt.

Die Polizei hat ihre Präsenz an jüdischen Einrichtungen im Landkreis erhöht. Nach dem antisemitischen Angriff eines Rechtsradikalen auf eine Synagoge in Halle sei man natürlich sensibilisiert, sagt Volker Schulz, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. 

Es würden fortlaufend Lagebewertungen vorgenommen. Dabei flößen überregionale und lokale Erkenntnisse zusammen. In Kassel sei am Mittwoch ein Stab zusammengekommen. Die Staatsschützer stünden in einem ständigen Austausch. 

Es gebe für den Schwalm-Eder-Kreis aber aktuell keine Hinweise auf eine besondere Bedrohungslage. In diesem Jahr habe es noch keine Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gegeben, sagt Schulz.

Die Beamten der Kriminalpolizei seien gut vernetzt und holten sich aktuell Informationen bei Verantwortlichen jüdischer Einrichtungen, von Verbänden, Gemeinden und Vereinen.

Auch, wenn am Mittwochabend die Behörden Entwarnung für Halle und die umliegenden Ortschaften gaben, seien die Kollegen natürlich weiterhin sensibilisiert, sagt Volker Schulz. Aus taktischen Gründen will die Polizei nicht konkreter werden, wie sie jüdische Einrichtungen schützt.

Jüdische Gemeinde Felsberg: Gottesdienste werden bewacht

Die Ereignisse in Halle machten sehr betroffen, sagt Christopher Willing. Der 56-jährige Felsberger ist Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge Felsberg. Die Gewalt sei hautnah, aber die jüdische Gemeinde Felsberg fühle sich gut geschützt. Die Gottesdienste seien schon zuletzt bewacht worden. 

Positiv zu erwähnen sei, dass der Staatsschutz aktiv auf die Gemeinde zugehe. „Wir stehen auch aktuell in Kontakt“, sagt Willing. Das sei keineswegs üblich. Seines Wissens handhabten das einige Bundesländer anders. Die jüdischen Gemeinden in beispielsweise Niedersachsen und eben Sachsen-Anhalt würden nicht dieselbe Betreuung und denselben Schutz bekommen.

„Wir fühlen uns im Landkreis mit dem Staatsschutz und der Schutzpolizei gut aufgehoben.“ Man sei sich aber im Klaren, dass künftig eine zweite Sicherheitsebene benötigt würde – eine innerhalb der Gemeinde.

Die Synagoge in Felsberg stehe vor der Sanierung. Das Gebäude war in den vergangenen Jahrzehnten Kneipe und Pizzeria. Aktuell beherbergt die Synagoge einen Betraum, einen Versammlungsraum und eine Küche. Vor der Sanierung werde sich die Gemeinde aber zu weiteren Sicherheitsvorkehrungen vom Staatsschutz beraten lassen, sagt Willing.

„Die jüngsten Ereignisse dürfen aber keinen Einfluss auf unseren Alltag und das Praktizieren unseres Glaubens haben“, sagt der 56-Jährige. Er vermute, dass es sich bei den jüngsten Verbrechen um Taten von Einzeltätern handele. Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre würden solche Taten aber wahrscheinlicher machen.

Alle Anstrengungen müssten der Verhinderung eines weiteren Rechtsrucks gelten. Die AfD halte Kontakt ins rechte Lager, aber werde nicht als verfassungsfeindlich angesehen. Die CDU fische am rechten Rand nach Stimmen, statt Konzepte zu entwickeln, die den Entwicklungen entgegengesetzt werden könnten. „Wir brauchen diese Konzepte, um uns mit der rechten Hetze auseinanderzusetzen.“

Nicht mit dem Rechtsradikalismus umzugehen, minimiere das Problem in der öffentlichen Wahrnehmung“, kritisiert er. Wo das enden könne, wisse man. Das Dritte Reich hat sechs Millionen Juden und 100 Millionen Europäern das Leben gekostet.

Es brauche mehr Kommunikation zwischen den Religionen und die Medien dürften den Populisten nicht so große Plattformen bieten.

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