Schlafen unter Sternenhimmel

Kalte Nächte und platte Reifen: Fünf Freunde aus dem Schwalm-Eder-Kreis radeln 950 Kilometer bis zum Gardasee

Nach neun Tagen am Gardasee angekommen: Mit Fahrrädern unterwegs waren von links Ben Löwer, Julian Engler, Alex Hilberg, Nils Böhm und Florian Potzkai.
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Nach neun Tagen am Gardasee angekommen: Mit Fahrrädern unterwegs waren von links Ben Löwer, Julian Engler, Alex Hilberg, Nils Böhm und Florian Potzkai.

Sie halten zusammen wie die fünf Freunde aus Enid Blytons Kinderbuchreihe: Alex Hilberg, Julian Engler, Nils Böhm, Florian Potzkai und Ben Löwer sind fünf Klassenkameraden aus dem nördlichen Schwalm-Eder-Kreis.

Melsungen – Das war eine harte Tour, die sich die Jungs da rausgesucht haben: Neun Tage lang. 950 Kilometer weit. Und mehr als 9500 Höhenmeter. „Wir wollten mal was Verrücktes machen“, sagt Alex Hilberg und lacht. Die Idee für die Reise entstand beim gemeinschaftlichen Computerspielen der Elftklässler, die die Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen besuchen.

So richtig geplant hatten die Freunde ihren Urlaub jedoch nicht. „Wir haben ein Haus am Gardasee gebucht und sind einfach drauf losgeradelt“, sagt Ben Löwer. Am 17. Juli war es dann so weit. Unter zunächst skeptischen Blicken ihrer Eltern und Freunde begann in Melsungen die große Reise.

Und zugegeben lief der Start nicht ganz so glatt wie gehofft. „Als es losgehen sollte, waren schon mal nur drei von fünf da“, sagt Ben Löwer und schaut grinsend in die Richtung der beiden Langschläfer. Dann sei sein Trink-Rucksack mit dem drei Liter Wasservorrat direkt kaputt gegangen. „Alles war nass und ich hatte nichts zu trinken dabei. Ich musste mich durchschnorren“, sagt der 18-Jährige aus Guxhagen. „Du hattest so gut wie gar nichts dabei. Du hattest alles vergessen“, kontert die Gruppe amüsiert. Ein bisschen stimme das, gibt Ben Löwer zu.

Die Strecke der Gruppe führte über Würzburg nach Augsburg bis Füssen. Dann ging es weiter durch Österreich zum Reschensee in Südtirol.

In Bozen war dann vor dem Erreichen des Gardasees der letzte Stopp der Radler-Gruppe. Übernachtet haben die fünf Freunde auf einer Plane – ohne Dach. „Wir haben auf Wiesen und an Feldwegen geschlafen“, sagt Florian Potzkai.

Die Nächte seien kälter gewesen als erwartet. Geregnet habe es zum Glück nur am letzten Tag. „Wir haben nur einmal in einem Gasthof geschlafen und haben dort ein Badezimmer benutzt. Ansonsten haben wir uns in Flüssen gewaschen“, sagt Nils Böhm. Deutlich mehr als 100 Kilometer ist die Gruppe jeden Tag geradelt. Nur in den beiden Tagen durch die Alpen haben sie nur etwa 80 Kilometer pro Tag geschafft.

„Körperlich war es schon okay, psychisch war es eher anstrengend für uns“, sagt Ben Löwer. Der Gedanke, einfach in ein Taxi zu steigen, sei jedem mal gekommen. „Aber das wurde nicht laut ausgesprochen. Das stand für uns alle nicht zur Diskussion“, sagt Alex Hilberg.

Auch kleinere Pannen gab es immer wieder. „Wir hatten sechs platte Reifen, einen kaputten Fahrradträger und unsere Taschen haben auch nicht alle durchgehalten“, sagt Ben Löwer. Schließlich hatte jeder bis zu 15 Kilogramm Gepäck dabei. Die Freunde konnten aber alles selbst reparieren.

Sie hatten zehn Tage für die Radtour zum Gardasee eingeplant. Erreicht haben sie ihr Ziel dann aber doch schon nach nur neun Tagen in den Pedalen.

Mit weiteren Freunden, die mit dem Zug anreisten, verbrachten sie dann noch eine Woche am Gardasee. Zurück ging es dann gemeinsam mit dem Zug. Das war aber auch so geplant.

Die Fahrt habe die fünf Freunde enger zusammengeschweißt. „Wir fahren auf jeden Fall wieder zusammen in den Urlaub“, sagt Julian Engler. „Aber nicht unbedingt mit den Fahrrädern“, fügt er hinzu und lacht. (Anna Weyh)

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