Katholischer Pfarrer Erich Kiel geht nach 38 Jahren in Ruhestand

Vorbereitungen für ein Leben ohne Pfarrgemeinde: Pfarrer Erich Kiel, 74, bereitet sich auf den Abschied aus Spangenberg vor. In den Kartons sind Bücher, Bücher, Bücher. Immer an seiner Seite ist Pastoralassistent Wiglaf, sein Berner Sennenhund. Foto: Feser

Spangenberg/Morschen. 38 Jahre lang war Erich Kiel katholischer Pfarrer der Gemeinde Spangenberg-Morschen-Heinebach. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Eine Haushälterin hat er nie gehabt, eine Sekretärin auch nicht, dafür einen Pastoralassistenten. Der heißt Wiglaf, ist zehn Jahre alt und der Hund von Pfarrer Erich Kiel aus Spangenberg. Nach 38 Jahren muss sich der katholische Geistliche aus seiner Pfarrgemeinde Spangenberg-Morschen-Heinebach verabschieden.

Er muss: Am Montag steht der Möbelwagen vor dem Pfarrhaus, und Kiel wird in wenigen Tagen 75 - auch Bischöfe dürfen nicht länger im Amt sein. „Das ist für mich ein Problem“, sagt Kiel, der sich selbst als ziemlich stark introvertiert und Einzelgänger bezeichnet. Gleichwohl haben ihn die täglichen Gottesdienste in Spangenberg, Morschen, Heinebach und all das, was zur Arbeit eines katholischen Pfarrers gehört, in den Gemeindealltag eingebunden.

Erich Kiel ist eigenwillig, geht gerne seine eigenen Wege. „Das wissen auch die Bischöfe“, sagt Kiel, „aber sie lassen mich.“ Der frühere Fuldaer Bischof Dyba hatte zu ihm gesagt: Wenn Sie Probleme haben, fragen Sie mich nicht, entscheiden Sie selbst.

Er kappt alle Verbindungen

Am Ende seiner Pfarrertätigkeit sagt er nun zu seiner Gemeinde: „Ich gehe, stellt euch auf eure Füße.“ Leiten war nicht seine Sache, gibt er zu. Stattdessen habe er Anregungen und Informationen gegeben, damit die Katholiken seiner Gemeinde eigene Entscheidungen treffen können. Nun will er alle Verbindungen zu ihnen kappen - so wie es Eltern mit ihrem Nachwuchs in der Tierwelt machen.

Kiel zieht in eine Mietswohnung in ein kleines Dorf in der Rhön. Es ist die Gegend seiner Familie väterlicherseits. Den Vater hat er mit drei Jahren das letzte Mal gesehen hat, er ist im Krieg aus Russland nicht mehr heimgekehrt. Der Krieg hat Erich Kiel geprägt, schlimme Erlebnisse als Kind, Fliegeralarme: „Ich habe einen Bunkerkomplex. Deshalb liebe ich das Licht.“ Schon als Kind ging er gerne in den Wald, radelte durch die Eschweger, später dann durch die Fuldaer Gegend. Und mit 23 von Fulda nach Norwegen, in sechs Wochen.

„Skandinavien ist meine geistige Wahlheimat.“ Pfarrer Kiel blüht auf, wenn er von Kierkegaard, dem Philosophen, spricht. Er schwärmt von Tromsø, seiner Lieblingsstadt in Nordnorwegen, mit dem Nordlicht, dem Polarmuseum, der Eismeerkathedrale, der nordischen Toleranz. Jahrelang sparte er für einen Seecontainer, denn nach der Verabschiedung aus Spangenberg wollte er nach Skandinavien ziehen. Aber seine Gesundheit lässt dies nicht zu. Seine Herzenssprache ist Dänisch. Die ersten Sätze hat er einst von einem fünfjährigen Mädchen im Urlaub gelernt. Es waren Kinderlieder. Später kamen mehr Wörter, Sätze dazu. Anfang der 1990er-Jahre predigte er mal im Fritzlarer Dom auf Dänisch - ein dänischer Chor war zu Besuch.

Und dann ist da noch Wiglaf, sein Berner-Sennenhund. Den hat Kiel ehrenhalber zu seinem Pastoralassistenten ernannt, weil er ihm, dem Gemeindepfarrer und Einzelgänger, Zugang zu den Menschen schafft. Wiglaf ist stürmisch, liebenswürdig, kontaktfreudig, immer an des Pfarrers Seite und gehorcht aufs Wort, aufs dänische Wort. Pfarrer Erich Kiel spricht mit Wiglaf nämlich Dänisch.

Von Claudia Feser

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