Schwalm-Eder

Kein Ende der Plage in Sicht: Verregneter Sommer hat dem Borkenkäfer aber zugesetzt

Hier stand mal ein Fichtenwald: Wie hier im Revier Kirchhof gibt es viele Flächen, die der Borkenkäfer zerstört hat. Die Bäume mussten gefällt werden. Die Flächen werden in den kommenden Jahren wieder aufgeforstet. Im Bild Steffen Wildmann vom Forstamt Melsungen (Bereichsleiter Produktion) mit Hund Tilda.
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Hier stand mal ein Fichtenwald: Wie hier im Revier Kirchhof gibt es viele Flächen, die der Borkenkäfer zerstört hat. Die Bäume mussten gefällt werden. Die Flächen werden in den kommenden Jahren wieder aufgeforstet. Im Bild Steffen Wildmann vom Forstamt Melsungen (Bereichsleiter Produktion) mit Hund Tilda.

Der verregnete Sommer hat weder den Menschen noch dem Borkenkäfer gefallen. Dafür haben aber die Bäume von den vielen Niederschlägen im Schwalm-Eder-Kreis profitiert.

Schwalm-Eder – Insbesondere die Fichten, die nach drei Dürrejahren nun eine bessere Wasserversorgung haben, sagt Steffen Wildmann vom Forstamt Melsungen. So konnten sie wieder Harz produzieren, mit dem sie sich vor Borkenkäfer-Befall schützen.

Ist damit ein Ende der Borkenkäfer-Plage in Sicht? „Wir wollen nicht zu euphorisch sein, aber wir können es diesmal schaffen, vor dem Käfer zu sein“, sagt Wildmann, „bislang sind wir ihm nur hinterhergerannt.“

Durch das verregnete, kühle Frühjahr hat der massive Käferbefall erst im Juni begonnen, also später als die Jahre zuvor. Da ging es schon im April los.

Um auszuschwärmen braucht der Borkenkäfer drei aufeinanderfolgende Tage mit einer Temperatur von mehr als 17 Grad Celsius. Dann kann er sich durch die Rinde bohren, wo er Eier ablegt. Geschwächte Fichten sterben dadurch ab.

Seit 2018 ist im Forstamt Melsungen durch Borkenkäfer und Stürme eine Freifläche von 3300 Hektar entstanden. Das entspricht einer Größe von rund 4622 Fußballfeldern. Kahle Flächen gibt es in allen Revieren. 

Fürs Forstamt Neukirchen gilt, wie für alle nordhessischen Flächen, dass alle Fichtenbestände durch den Borkenkäfer beschädigt wurden, teilt Forstamtsleiter Florian Peter Koch mit.

Harz gegen Borkenkäfer: Diese Fichte hat eine gute Wasserversorgung und konnte sich mit Harzfluss gegen eindringende Borkenkäfer wehren.

Und die Bäume, die den Käferbefall überlebt haben und einzeln an Waldrändern stehen, werden aller Wahrscheinlichkeit kommenden Stürmen zum Opfer fallen, vermutet er.

Dabei seien diese Bäume als Mutterbäume wichtig, damit aus ihren abgeworfenen Samen neue Fichten wachsen können. Mit Fichten werde nicht mehr künstlich aufgeforstet. „Wir werden keine Fichten kaufen und pflanzen“, sagt Koch, „aber wo sie wachsen, nehmen wir sie.“

Das Forstamt Jesberg hat einen hohen Laubholzanteil, berichtet Ulrich Gerhold. „Deshalb waren unsere Fichten um so wertvoller für uns.“ Zwei Drittel der Fichten über 60 Jahren seien verloren.

Jagen, damit Bäume wachsen: Freiflächen sollen aufgeforstet werden

Nur hier und da wurden in den vergangenen Wochen von Borkenkäfern befallene Fichten bemerkt. Das teilt Steffen Wildmann, Bereichsleiter Produktion im Forstamtsbereich Melsungen, mit. Das gelte für ganz Nordhessen.

Jetzt müssten diese Bäume zügig aufgearbeitet werden, bevor der Käfer in der Bodenstreu zum Überwintern verschwindet.

Aktuell sind im Forstamt fünf Harvester-Maschinen im Einsatz, die das Holz aufarbeiten. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr seien es 13 dieser riesigen Erntemaschinen gewesen, berichtet Wildmann.

Auch das zeige, dass es aktuell nicht so viel vom Borkenkäfer befallene Fichten gebe, die der Fachmann Käferholz nennt.

Bei der Wiederbewaldung wird es keine Monokulturen mehr geben. Stattdessen werde auf Baumartenvielfalt gesetzt, im gesamten Land. Auf jeder Fläche soll es mindestens vier Baumarten geben.

Aufgeforstet wird insbesondere mit Lärche, Douglasie, Fichte, Buche und eventuell Ahorn.

Das sieht auch Ulrich Gerhold vom Forstamt Jesberg so. Er sagt: „Man muss das Risiko verteilen: Je mehr Baumarten auf einer Fläche stehen, umso eher kann das Ökosystem auf äußere Einflüsse reagieren.“

Die ersten fünf Jahre im Leben eines Bäumchens seien entscheidend, damit sie gut anwachsen, sagt sein Kollege Wildmann. In dieser Zeit seien die jungen Triebe beliebtes Futter fürs Wild. „Rehe sind Naschkatzen, sie nehmen das, was am wenigsten da ist.“

Deshalb müsse auf diesen Flächen ein „progressives Jagdmanagement“ stattfinden, sagt Steffen Wildmann. Jeder Jäger sei in der Verantwortung, auf den Wiederbewaldungsflächen zu jagen.

Im Forstamt Melsungen werden in den kommenden Wochen und Monaten Ansitze am Rand der kahlen Flächen aufgebaut, um die Tiere gezielt zu jagen, kündigt Wildmann an. „Wir wollen einen klimastabilen, gemischten Hochwald etablieren.“

Das gehe nur gemeinsam, mit waldbaulichen und jagdlichen Anstrengungen. (Claudia Feser)

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