„Aus der Notlösung wurde eine geduldete Langzeitlösung.“

Schüler essen seit zehn Jahren im Turnraum: Kita und Grundschule Röhrenfurth fordern Anbau

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Sie kamen mit Plakaten in die Sitzung der Stadtverordneten: vorne von links Sandra Vogt, Yvonne Dilcher, Andrea Brede, Angelika Nadler, Marianne Sohl und Daniela Jungermann vom Kinderverein Röhrenfurth. 

Melsungen. Der Kinderverein Röhrenfurth fordert seit Langem einen Begegnungsraum für Grundschule und Kindergarten. 

Ein Anbau, der die Gebäude verbindet, soll Abhilfe für die Nöte beider Einrichtungen schaffen. Unklar ist, wie der Anbau finanziert werden soll. Seit zehn Jahren nehmen die Betreuungskinder der Wolfgang-Fleischert-Grundschule ihr Mittagessen im Turnraum des Kindergartens ein, sagt Daniela Jungermann, Beisitzerin des Kindervereins. „Aus der Notlösung wurde eine geduldete Langzeitlösung.“

Angesichts hoher Geburtenraten und langer Wartelisten benötige auch der benachbarte Kindergarten einen weiteren Gruppenraum, um der steigenden Nachfrage an Betreuungsplätzen gerecht zu werden. Ein Anbau könne der Grundschule als Mensa und Betreuungsraum, dem Kindergarten als Turnraum dienen. Der Dorfgemeinde könnte er am Nachmittag zur Verfügung gestellt werden.

„Der Ortsbeirat steht voll hinter der Idee“, sagt Daniela Jungermann. Auf der letzten Ortsbeiratssitzung am 12. Juni sei einstimmig beschlossen worden, die Kosten von 25.000 Euro für die Planung zu übernehmen. Ob diese umgesetzt werden wird, ist noch unklar.

Eine Möglichkeit wäre, Container zu errichten. Diese würden 40 000 Euro kosten, sagt Bürgermeister Markus Boucsein. „Das wäre die schlechtere Alternative. Wenn dann doch der Anbau gebaut wird, wäre das rausgeschmissenes Geld.“ Träger der Schule ist der Landkreis. In einer Stellungnahme heißt es, dass für Röhrenfurth ein Rückgang der Schülerzahlen prognostiziert sei.

Deshalb sei aktuell keine Erweiterung des Standorts vorgesehen. Die prognostizierten Schüler- und Kinderzahlen sollen von Landkreis und Stadt erneut abgeglichen werden, um notwendige Rückschlüsse zu ziehen. Landrat und Bürgermeister stünden in direktem Austausch und strebten eine „einvernehmliche und gute Lösung“ an. 

Sitzung der Stadt Melsungen

In der Sitzung der Melsunger Stadtverordneten am Donnerstagabend nahmen die Mitglieder des Kindervereins Röhrenfurth teil, um den Wunsch nach einem Verbindungsraum zwischen Grundschule und Kindergarten in die Öffentlichkeit zu tragen und Unterschriften für die Petition zu sammeln. 

Einem Verein nach einer Stadtverordnetensitzung ein Rederecht einzuräumen, das sei nicht üblich, sagte Stadtverordnetenvorsteher Timo Riedemann. „Aber es ist ganz wichtig, dass wir uns für unsere Jugend und unsere Kinder einsetzen. Deshalb finde ich es gut, dass wir uns dazu durchgerungen haben, dem Kinderverein dies im Nachgang der Sitzung zu ermöglichen.“ 

Bereits seit über zehn Jahren setze sich der Kinderverein dafür ein, dass sowohl die Schule als auch der Kindergarten erhalten bleibt, sagte Daniela Jungermann vom Verein. Röhrenfurth sei der einzige Stadtteil, in dem es noch beides gebe. 

„Und das wollen wir auch nicht aufgeben.“ Melsungen will eine familienfreundliche Stadt sein, sagte Jungermann. „Aber dann sollten wir auch in Röhrenfurth darauf achten, dass wir in die Kinder investieren.“ 

Die Lage der beiden Einrichtungen ermögliche einen einzigartigen Zusammenhalt der Grundschul- und Kita-Kinder. „Das lässt die Kinder richtig aufblühen“, sagte Jungermann zu den Stadtverordneten. 

Der Verein bietet für die Schulkinder eine Betreuung bis 17 Uhr an. Seit zehn Jahren nehmen die Kinder ihr Mittagessen im Turnraum der Kita ein. „Aber jetzt wird der Platz gebraucht und wir können dort nicht mehr mit den Kindern essen. Wir können sie aber auch nicht in ihren Schulräumen essen lassen.“ Der Raum sei unheimlich wichtig für die Schule. „Wir wollen jetzt noch einmal an den Landkreis herantreten und Rabatz machen.“ Die Container-Lösung, die die Stadt angeboten hat, sei keine Alternative, sagte Jungermann.

 „Das ist zwar gut gemeint, aber wir brauchen einen festen Anbau, einen richtigen Begegnungsraum für die Kinder.“ Dieser Raum könnte abends beispielsweise auch Senioren für Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden. 

Der Anbau müsse bis spätestens nächstes Frühjahr zur Verfügung stehen, sagte Jungermann. Perspektivisch seien es einfach zu viele Kinder, die künftig den Kindergarten in Röhrenfurth besuchen werden. „Und für uns ist es keine Alternative, die Kindergartenkinder aus Röhrenfurth nach Melsungen zu schicken.“ 

Das sagt der Bürgermeister

„Das Anliegen geht uns alle an“, sagte Bürgermeister Markus Boucsein. Man müsse in Röhrenfurth mit einer dritten Kindergartengruppe auf die erhöhte Betreuungsnachfrage reagieren. Derzeit besuchen laut Boucsein 34 Kinder die Kita in Röhrenfurth, zwölf davon seien in der U3-Betreuung. Ab August seien es bereits 39 Kinder, davon neun im U3-Bereich. Ab Januar 2019 kämen noch einmal 13 Kinder, davon neun Unter-Drei-Jährige, hinzu. „Die Entwicklung führt nicht nur dazu, dass wir eine dritte Gruppe brauchen, sondern in ein paar Jahren natürlich auch mehr Platz in der Grundschule benötigt wird.“

Die Stadt habe den Landkreis kontaktiert. Aus dem zuständigen Fachbereich habe es nur geheißen, dass sich die Kinderzahlen nicht sonderlich kritisch darstellten und man perspektivisch keinen Bedarf für den Anbau sehe, berichtete Boucsein. Landrat Winfried Becker habe ihm allerdings zugesichert, dass er in dieser Sache gesprächsbereit sei, wenn man das Problem gemeinsam angehe. „Auf jeden Fall müssen wir handeln“, sagte Boucsein.

Betreuungssituation in Röhrenfurth

Röhrenfurth ist der einzige von sieben Melsunger Stadtteilen, der über eine eigenständige Grundschule verfügt. An der Wolfgang-Fleischert-Schule werden nach Angaben des Landkreises zurzeit 60 Schüler unterrichtet. Der Kinderverein Röhrenfurth bietet von 14 bis 17 Uhr eine Nachmittagsbetreuung für die Schüler an. Aktuell nehmen 24 Kinder dieses Angebot wahr.

Das Grundstück der Schule grenzt direkt an das des Kindergartens. Dieser bietet in zwei Gruppen Betreuungsplätze für bis zu 45 Kinder ab einem Alter von einem Jahr an. Die Erzieher wünschen sich einen weiteren Gruppenraum, da die Betreuung immer jüngerer Schützlinge neue Anforderungen an Räumlichkeiten und den Verteilungsschlüssel mit sich bringe. Der Kinderverein bittet mit einer Petition um Unterstützung für den Anbau. 

Karte: Röhrenfurth

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