Erstes Heft erschien vor 70 Jahren

Knallbunter Schatz in Plastikfolie: Melsunger hat große Sammlung von Micky-Maus-Heften als Erstausgabe

Gut behüteter Schatz: Der Melsunger Till Krapp mit seiner Sammlung von Micky-Maus-Heftchen als Erstausgabe beginnend mit der Nummer 1 aus dem September 1950.
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Gut behüteter Schatz: Der Melsunger Till Krapp mit seiner Sammlung von Micky-Maus-Heftchen als Erstausgabe beginnend mit der Nummer 1 aus dem September 1950.

Till Krapp und Micky Maus verbindet eine 70-jährige Geschichte. Zum runden Geburtstag seines Lieblingscomics holte der Melsunger die schweren Kisten mit den knallbunten Comics aus dem Keller.

Melsungen - Die wohl berühmteste Maus der Welt, erschaffen von Walt Disney, erschien vor 70 Jahren zum ersten Mal in Deutschland. Till Krapp war damals zehn Jahre alt. Aber seine Comics sind nicht einfach nur Comics: Till Krapp besitzt mehrere Jahrgänge als Erstausgabe. Die Raritäten sind bei Sammlern ein Vielfaches ihres Gewichts in Gold wert. Für die Erstausgabe in erster Auflage wechseln Tausende Euros die Besitzer.

Aber darüber möchte Till Krapp eigentlich nicht sprechen. Er hat nie eines der Sammelhefte verkauft, nicht mal mit dem Gedanken gespielt. Dafür verbindet ihn zu viel mit den Heftchen – deren eigentlicher Held natürlich der stets vom Pech verfolgte Donald Duck ist. „Auf seine Geschichten habe ich mich gefreut“, sagt auch Krapp.

Los ging es vor 70 Jahren im September mit der 2. Ausgabe der Micky Maus. Als zehnjähriger Steppke stand er vor der Auslage seines Stammkiosks und da schien ihm leuchtend gelb und größer als die anderen – meist nur schwarz-weiß gemalten Comics – Walt Disney’s Micky Maus entgegen. Alle Seiten in Farbe, keine Hau-drauf-Geschichten, sondern feiner Humor: Till Krapp war begeistert. Und er wollte die Nummer 1. Also schrieb er den Verlag Ehapa an, bestellte die erste Ausgabe. 75 Pfennig kostete damals ein Heft. „Das war immens viel Geld für einen Buben wie mich“, erinnert sich Krapp.

Das Heft gab es noch, so schickte Krapp Briefmarken im Wert von 75 Pfennigen nach Stuttgart und bekam seine Nummer 1. Heute bekäme er in Bestzustand wohl einen Kleinwagen für das Comic. Die erste Ausgabe von Till Krapp ist aber leicht zerfleddert. „Ich mag das Heft bis heute sehr, ich muss es wohl an die hundertmal gelesen haben.“

Ob im Baumhaus oder dem Kinderzimmer, der junge Till traf sich mit Kameraden und schmökerte in den Comics. Wieder und wieder. Damals steckte er die Heftchen – jeden Monat kam ein neues heraus – in einem Schuber. Einen ganzen Jahrgangsschuber verlieh er seinerzeit an einen Freund – zurückbekommen hat er ihn nie. Ob der wohl wisse, welchen Schatz er besitze?

Das Schwierigste war in den 1950er-Jahren jedoch, regelmäßig die 75 Pfennige zusammenzubekommen. Die Zeiten waren hart, Taschengeld bekam er mal, mal nicht. Und außerdem hatten die Amerikaner Eis mit nach Deutschland gebracht. Das gab es mit einem Spatel großzügig auf einer Waffel portioniert und oben eine Waffel drauf für zehn Pfennige: „Davon mussten wir uns öfter mal eins kaufen“, sagt Krapp und lacht.

Ein Brötchen kostete sechs Pfennige und zu verdienen gab es nicht viel. „Ich habe alles gemacht, um an mein Geld zu kommen“, sagt Krapp. Er war damals als Botenjunge für die Apotheke seines Viertels unterwegs, mähte Rasen, trug die Zeitung aus und hackte Holz. „Wenn ich dann mal 30 Pfennig zusammenhatte, war ich froh. Da rückte das neue Heftchen wieder näher.“ Comic nennt er sie bis heute nicht.

Als Till Krapp 15 Jahre alt wurde, kamen die Heftchen plötzlich zweimal im Monat. „Das war mir zu oft. Mittlerweile waren auch andere Dinge wichtiger geworden.“ Dass er einen großen Schatz sein eigen nannte, wusste er natürlich nicht. Pfleglich behandelt habe er seine Sammlung aber immer.

Die Heftchen hatten einen besonderen Platz auf dem Schreibtisch in einer selbst gebauten Box. 1955 kamen sie dann in einen Karton und wurden verstaut, fein säuberlich sortiert mit allen Sonderheften. Denn zu jedem Disney-Film kam ein eigenes Heftchen heraus: Cinderella oder Alice im Wunderland. Was mit seinen Schätzchen passieren soll, überlegt Till Krapp noch und blättert in seiner Nummer 1. (Damai D. Dewert)

Sonderhefte: Regelmäßig erschienen Sonderausgaben – zum Beispiel zu neuen Filmen.

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