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Kommunen im Kreisteil Melsungen setzen auf Fotovoltaik

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Die Gaskrise beschäftigt auch die Kommunen im Kreisteil Melsungen. Erneuerbare Energien werden als Lösungen angesehen. Unser Bild zeigt das Bürgerwindrad im Markwald Beuerholz.
Die Gaskrise beschäftigt auch die Kommunen im Kreisteil Melsungen. Erneuerbare Energien werden als Lösungen angesehen. Unser Bild zeigt das Bürgerwindrad im Markwald Beuerholz. © Manfred Schaake

Die steigenden Energiekosten beschäftigen auch die Kommunen im Kreisteil Melsungen. Wir haben nachgefragt, was die Städte und Gemeinden konkret unternehmen.

Kreisteil Melsungen – Die Kommunen im Kreisteil Melsungen handeln wegen der Energiekrise. Durch den Krieg in der Ukraine steigen die Kosten für Gas, Strom und Warmwasser. Daher versuchen die Städte und Gemeinden im Kreisteil Energie und Ressourcen zu sparen.

Melsungen: „In Melsungen könnte das zum Beispiel das Abschalten der Wärme beim Wasser oder eine geringere Raumtemperatur sein“, sagt Hauptamtsleiter Thomas Garde. „Im Moment ist das Thema aber noch nicht so groß, weil es warm ist“, sagt Garde. „Im Winter wird es noch akuter.“ Aber schon jetzt werde etwas getan, zum Beispiel im Schwimmbad. „Die Becken werden nur noch von der Sonne geheizt, warmes Wasser wird nicht mehr zugeführt.“ In fast allen neuen Gebäuden der Stadt würde mit Pellets geheizt.

Eigentümer großer Gebäude sollen mit ins Boot geholt werden, um die Möglichkeit zu erörtern, auf den Gebäudedächern Fotovoltaikanlagen aufzustellen. „Wir wollen zwischen den Eigentümern und Fotovoltaik-Anbietern vermitteln“, sagt der Hauptamtsleiter.

Spangenberg: Die Stadt Spangenberg senkt die Temperaturen in Gebäuden: „Die Stadt hat bereits im April beschlossen, dass die Raumtemperatur im Rathaus und die Wassertemperatur im Hallenbad um zwei Grad gesenkt wird“, teilt Büroleiter Jörg Schanze mit. Schon seit Jahren stelle die Stadt die Beleuchtung nach und nach auf effizientere LED-Leuchten um. Auch das Hallenbad wurde bereits 2020 auf LED umgestellt.

Für die Zukunft plant die Stadt laut Schanze, eigene Fotovoltaik-Anlagen zu installieren. Dafür fehlte aber bislang das Geld. Noch bestehen aber Fördermöglichkeiten. Außerdem suche man aktuell nach Alternativen zur Betreibung des Blockheizkraftwerks im Hallenbad. Dafür nutzt die Stadt noch Gas, wünscht sich aber eine hybride Lösung mit der Nutzung einer zusätzlichen Energiequelle.

Guxhagen: „Die Gemeinde Guxhagen hat in verschiedenen Bereichen Energiesparmaßnahmen umgesetzt und ist seit einiger Zeit bestrebt den Energieverbrauch weiter zu senken und Ressourcen entsprechen einzusparen“, teilt Mira Schneider von der Gemeindeverwaltung mit. Die Situation mit dem Ukraine-Kriege beschleunige diese Absicht. In diesem Jahr wird laut Schneider wetterunabhängig von einer Verlängerung der Badesaison abgesehen. Die Dachflächen der Gemeindegebäude werden darauf geprüft, ob sie für Fotovoltaik-Anlagen geeignet sind. Auch die Grundtemperatur in Gebäuden wie Gemeinschaftshäuser werde kritisch betrachtet. Derzeit werde außerdem geprüft, inwieweit auf Effektbeleuchtungen im öffentlichen Bereich verzichtet werden könnte.

Körle: Die Gemeinde Körle hat bei dem Stromversorger EAM eine Verkürzung der Schaltzeiten für die Straßenbeleuchtung beauftragt. „Das bedeutet pro Tag 30 Minuten weniger Brenndauer unserer knapp 600 Straßenlaternen.“, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. Bei weiter steigenden Strompreisen halte Gerhold eine Abschaltung der Straßenbeleuchtung von beispielsweise 23 bis 3 Uhr für sinnvoll. Als eine zukunftsorientierte Entscheidung habe sich der Bau von zwei Nahwärmenetzen erwiesen.

Rund 130 Gebäude werden im Ortszentrum und im Baugebiet Hollunder von diesen beiden Heizhäusern zentral versorgt, darunter auch die Gemeindeverwaltung, Berglandhalle, Grundschule, Feuerwehr, der Kindergarten Pfiffikus und 140 Wohnungen. 75 Prozent der Heizenergie wird laut Gerhold auf Basis von Holz als nachwachsendem Rohstoff erzeugt. Erzielt werde damit eine weitgehende Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten.

Gasmangel betrifft auch den Strom

Es kommt immer weniger Gas aus Russland nach Deutschland. Es wird nicht nur zum Heizen verwendet, sondern auch zur Stromerzeugung. Rund 13 Prozent des Stroms in Deutschland wird laut tagesschau.de aus Gas gewonnen. Fast die Hälfte des Stroms stammt aus erneuerbaren Energien, ein Drittel aus Kohle und sechs Prozent aus Atomkraftwerken. Im Winter kann der Anteil des Gases im Strommix aber erheblich steigen, wenn die Produktion durch Solarenergie zurückgeht.

Felsberg: Bei der Stadt Felsberg wurde sich darauf verständigt, keine Ad-hoc-Maßnahmen zu ergreifen. Laut Erstem Stadtrat Klaus Albert befasst sich die Stadt mit mittel- und langfristigen Lösungen zur Reduktion des Energieverbrauches. Dabei wurde bereits ein Klimaschutzkonzept entwickelt und Felsberg ist eine von 361 hessischen Klimakommunen. Ziel der Kommunen ist es, den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und sich an verändernde klimatische Bedingungen anzupassen.

Schon vor der Energiekrise wurden Gebäude energetisch saniert. Außerdem wurde die Wassertemperatur im Ernst-Schaake-Bad um ein Grad reduziert und Straßenbeleuchtung flächendeckend auf LED-Technik umgestellt.

Malsfeld: Wie Malsfelds Bürgermeisters Michael Hanke mitteilt, wurden in Malsfeld schon in den vergangenen Jahren die Nutzung von fossilen Energieträgern reduziert. So wurden bereits in den gemeindlichen Kindertagesstätten in Malsfeld und Sipperhausen als auch im Feuerwehrhaus Sipperhausen auf eine Pellet-Heizungsanlage umgestellt. Auch die Fuldatalhalle wird mit einer Pellet-Anlage energetisch versorgt.

Für die Zukunft ist für die gemeindliche Kläranlage ein Klärschlammlagerplatz geplant. Auf dessen Dach soll laut Bürgermeister eine Fotovoltaik-Anlage errichtet werden. Und: „Die Kläranlage wird aktuell mit einer deutlich energieeffizienteren Belüftungstechnik versehen“, sagt Hanke. Für das neue Feuerwehrhaus in Ostheim sei außerdem eine Energieversorgung über eine Wärmepumpen-Anlage der neuesten Generation geplant.

Morschen: In Morschen wird laut Bürgermeister Ingo Böhm seit Jahren auf steigende Energiepreise und ressourcenschonende Energieverwendung gesetzt: So gibt es eine Solaranlage auf dem Rathaus. Die so gewonnene Energie wird für E-Autos (Dienstwagen) und den Bürgerbus genutzt. Solaranlagen auf gemeindeeigene Gebäude wie dem Bauhof konnten wegen Lieferengpässen noch nicht umgesetzt werden.

In der Umsetzung befinde sich aber eine 20-Megawatt-Freiland-Fotovoltaik-Anlage. „Nach Installation der Anlage wird die Gemeinde mehr Energie erzeugen, als ihr Gesamtverbrauch ist“, sagt Böhm. Zudem habe sich das Parlament für den Bau von zwei Windkraftanlagen auf Gemeindeflächen ausgesprochen. Die Genehmigung stehe noch aus. (William Abu El-Qumssan)

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