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Lieferprobleme bei Medikamenten im Kreisteil Melsungen halten weiter an

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Von: Fabian Becker, William-Samir Abu El-Qumssan, Anne Quehl

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Melsungen Rosenapotheke Medikamentenmangel von links Johanna Keidel, Sabine Gießler und Joachim Schröder mit dem Fiebersaft Ibuflam
Melsungen Rosenapotheke Medikamentenmangel von links Johanna Keidel, Sabine Gießler und Joachim Schröder mit dem Fiebersaft Ibuflam © Abu El-Qumssan, William-Samir

Fiebersäfte, Schmerzmittel, Antibiotika, Krebsmedikamente oder auch Mittel gegen Bluthochdruck und Diabetes: Viele Medikamente sind auch im Kreisteil Melsungen weiterhin knapp.

Kreisteil Melsungen – Und kurzfristig werde sich daran auch nichts ändern, sagt der Sprecher der Hausärzte im Landkreis, Dr. Axel Figge.

Er bestätigt, dass Patienten oft mit einem Rezept für ein Medikament in der Apotheke stehen, das nicht vorrätig ist. Oft müsse Rücksprache gehalten und ein neues ausgestellt werden, was Ärzten und Apothekern viel Mühe mache und aufhält. Und wenn auf ein anderes Medikament ausgewichen werde, müssten die Mediziner immer spezifische Wechselwirkungen mit weiteren Mitteln abwägen.

„Die Situation wird immer schlimmer“, sagt Joachim Schröder von der Melsunger Rosenapotheke zum Medikamentenmangel. Fiebersäfte und Antibiotika für Kinder und Erwachsene seien besonders betroffen. „Wir bekommen gesagt, dass nichts lieferbar ist und zusätzlich noch nicht einmal Termine, ab wann voraussichtlich wieder geliefert werden kann“, sagt Schröder. Außerdem werde nur ein festgelegtes Kontingent geliefert, was nicht dem eigentlichen Bedarf der Apotheke entspricht.

Bei der Hayn-Apotheke in der Alten Molkerei in Guxhagen zeigt sich ein ähnliches Bild: „Wir haben große Probleme“, sagt Heribert Friederich von der Apotheke. „Mehr als 160 Wirkstoffe sind nicht verfügbar.“ Das Problem sieht er darin, dass Medikamente in den vorigen Jahren günstiger werden sollten. „Dadurch werden viele mittlerweile außerhalb von Europa produziert.“

Eine weitere Folge: „Viele Hersteller verkaufen lieber in Länder, in denen sie mehr für ihre Medikamente bekommen.“ Zu besonders problematischen Medikamenten, die derzeit knapp sind, gehöre Insulin zur Behandlung von Diabetes-Patienten, sagt Friederich. „Die Patienten könnten auf Alternativen umgestellt werden“, erklärt er. Da seien aber Ärzte gefragt und nicht Apotheker. „Außerdem geht das nicht so schnell.“

Die beiden Apotheker sind sich einig: Mit einer Verlagerung der Medikamentenproduktion nach Europa könnte dem Mangel entgegengewirkt werden. Das habe auch schon Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorgeschlagen. Die Rückholung von Industrien nach Europa werde aber Zeit in Anspruch nehmen, sagt Figge. Insgesamt bedeuteten die aktuellen Lieferengpässe aber nicht gleich einen Versorgungsnotstand. (William Abu El-Qumssan, Fabian Becker, Anne Quehl)

Es gibt immer mehr Kranke

Krankenkassen verzeichnen seit Wochen überdurchschnittlich viele Krankschreibungen. Viele Atemwegsinfektionen bei Kindern bringen Krankenhäuser und Kinderärzte ans Limit – und jetzt fehlen auch noch Medikamente. Der Krankenstand sei durch die in der Pandemie getroffenen Einschränkungen zu erklären. Die Grippewelle sei in den vergangenen zwei Jahren nahezu ausgefallen. Menschen seien jetzt anfälliger, sagt Hausärztesprecher im Landkreis, Dr. Axel Figge.

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