Er sieht schwarz für die CDU:

28-jähriger Politikwissenschaftler kritisiert eigene Partei

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Übt Kritik an der eigenen Partei: Julius Born ist CDU-Stadtverordneter in Melsungen und fordert einen radikalen Erneuerungsprozess.   

Julius Born mischt sich ein: Der 28-jährige Stadtverordnete der CDU in Melsungen kritisiert die eigene Partei. Das tat er bereits 2018 und wurde seinerseits aus den eigenen Reihen scharf kritisiert.

Es fehle der CDU an Debattenkultur lautet daher sein neuerlicher Vorwurf. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Unzulänglichkeiten sei im Erneuerungsprozess aber substanziell. „Spätestens die Ereignisse der zurückliegenden Tage nach Erfurt haben gezeigt, dass die CDU am Abgrund steht“, sagt der Politikwissenschaftler.

Die CDU sei seiner Meinung nach auf dem Weg, sich als Volkspartei abzuschaffen. Jedenfalls sieht er den Status gefährdet und die Berechtigung nicht

gegeben. Außerdem würde sie ohne klares politisches Profil verzichtbar und unglaubwürdig.

Seine Kritik zielt vor allem auf diese Aspekte:

Postengeschacher: 

Die Vetternwirtschaft in der CDU und den anderen Parteien sei eine große Gefahr für das Land und die Demokratie. Als Beispiel nennt er Annegret Kramp-Karrenbauers Ernennung zur Verteidigungsministerin. Dass jemand ohne Erfahrung in der Truppe oder verteidigungspolitische Expertise, Oberbefehlshaber der Bundeswehr werden kann, sei für die Wähler nicht nachvollziehbar. Das gelte auch für die Entscheidung, Ursula von der Leyen zur Kommissionspräsidentin der EU gemacht zu haben. Das sei doch Hinterzimmerpolitik. „Inkompetente Günstlinge dürfen nicht mit Posten belohnt werden.“

Überalterung:

Die CDU habe bei der Landtagswahl in Hessen 2018 nicht einmal 20 Prozent der Stimmen der unter 30-Jährigen bekommen. Das zeigten Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen. Die Partei werde zu großer Mehrheit nur noch von Menschen über 60 Jahren gewählt. „Eine Volkspartei ist etwas anderes.“ Die Partei wirke wie aus der Zeit gefallen und sei strukturell verhärtet. Außerdem werde sie zu sehr von Ewiggestrigen beherrscht. Jüngstes Beispiel sei Bernd Sieberts (70) Nachrücken in den Bundestag.

Profillosigkeit: 

In den vergangenen 15 Merkel-Jahren habe es die CDU nicht geschafft, den Menschen eine Vorstellung der Zukunft zu vermitteln – als Beispiele nennt er Mobilität und Digitalisierung.

Stattdessen kümmere sich die Partei nur noch um sich selbst. Während die Partei früher einen Markenkern und Ideale besaß, sei davon aktuell nichts mehr zu sehen. Die Partei sei, das habe Thüringen gezeigt, inhaltlich zerrissen.

Es gebe viele Baustellen. Vor allem müsse die Partei aber an Glaubwürdigkeit gewinnen. Die CDU dürfe nicht beliebiger Mehrheitsbeschaffer sein und sie brauche eine größere Durchlässigkeit für alle Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen in Führungspositionen.

Eine seiner Forderungen lautet, die Wähler mehr mitzunehmen „Wir brauchen mehr direkte Demokratie.“

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