Kundenansturm bleibt aus: Erstes Fazit der Melsunger Händler nach Geschäftsöffnung

Die Melsunger Innenstadt gestern Vormittag: Obwohl die Geschäfte geöffnet sind, ist nicht viel los. Auf Bummeln haben viele noch keine Lust, bestätigen die Ladenbesitzer.   Foto: INA Czermak

Melsungen – Seit Montag dürfen neben den Lebensmittelgeschäften auch andere Läden wieder öffnen. Ein Besucheransturm blieb aus, so die Bilanz einiger Ladenbesitzer im Kreisteil Melsungen. Insbesondere im Bereich Bekleidung seien die Kunden zurückhaltend.

Modeboutique Fysel

Das spürt zum Beispiel Heike Hofer von der Modeboutique Fysel in Melsungen sehr deutlich. Zwei bis drei Kunden kämen derzeit pro Tag. „Ich hätte den Laden gar nicht öffnen müssen“, sagt die Geschäftsinhaberin. „Wie wir das mittelfristig überstehen sollen, weiß ich nicht.“ Bei 100 Prozent Personalkosten, aber 90 Prozent Umsatzeinbußen könne man ein wirtschaftliches Unternehmen nicht am Laufen halten.

Die Kauflust auf Mode sei den Kunden völlig vergangen. „Bei uns gibt es moderne Mode, die sich die Frauen kaufen, wenn sie beispielsweise zu einer Veranstaltung gehen“, sagt Hofer. Aber da ja derzeit nicht mal ein Café-Besuch mit Freunden möglich sei, brauche momentan auch niemand hübsche Kleidung. „Und ich vermute, dass es noch schlimmer wird, wenn die Maskenpflicht ab Montag greift.“

Hofer erwägt, die Öffnungszeiten deutlich zu verkürzen. „Ich gucke mir das nächste Woche noch ein, zwei Tage an, und dann werde ich entscheiden.“ Die Kunden, die ins Geschäft kommen, hätten großen Gesprächsbedarf, sagt Hofer. „Man merkt deutlich, dass ihnen der Kontakt zu anderen Menschen fehlt.“

Leder Lingenberg

Auch ins Ledergeschäft Lingenberg nach Melsungen kommen derzeit deutlich weniger Kunden als noch vor der Coronakrise, sagt Birgit Hempel.

Die Kunden, die ins Geschäft kommen, hätten ein gezieltes Kaufinteresse. „Bummelkunden haben wir derzeit gar nicht“, sagt Hempel. Sechs Kunden dürfen gleichzeitig mit einer Verkäuferin im Geschäft sein. Dass jemand vor der Tür warten müsse, komme aber derzeit nicht vor. So groß sei der Ansturm nicht.

Insgesamt würden die Kunden viel Verständnis für die Hygienemaßnahmen zeigen.

Schmuck Köhler

„Von Euphorie ist keine Spur“, sagt Juwelier Bernd Köhler. Es sei in den ersten Tagen wenig los gewesen, „aber wir hatten uns darauf eingestellt“. In der Werkstatt sei einiges zu tun gewesen an Reparaturen und Servicearbeiten, „aber die Leute haben jetzt anderes zu tun als Schmuck zu kaufen“.

Auf die Ladenöffnung in Coronazeiten habe sich das Juwelier-Geschäft eingestellt: Mehr als zwei Personen dürfen nicht ins Geschäft, sie müssen außen klingeln, es gibt einen Wartebereich, und einen Kreisverkehr im Geschäft, sodass die Kunden immer genügend Abstand haben. Köhler und seine Mitarbeiter bedienen natürlich mit Masken und hinter Schutzglas.

Teehaus Melsungen

Im Teehaus in Melsungen sei das Geschäft indes wieder ganz gut angelaufen, erzählt Inhaberin Ilona Schmettke. „Mit jedem Tag kommen mehr Kunden. Ich hoffe, dass es jetzt so weitergeht.“ Man dürfe ja auch nicht erwarten, dass es von heute auf morgen wieder so sei wie vor den Geschäftsschließungen.

Mehr als ein Kunde darf nicht ins kleine Teegeschäft an der Kasseler Straße. Deshalb hat die Inhaberin draußen zum Warten Tisch und Stühle aufgestellt. „Die Leute sind sehr verständnisvoll, gucken auch immer erst durch die Scheibe, ob schon ein Kunde im Laden ist.“

Schuhhaus Gibhardt

Ebenfalls ein positives erstes Fazit zieht Gunter Gibhardt, Inhaber vom Schuhhaus Gibhardt in Melsungen. Insbesondere in den ersten beiden Tagen seien viele Kunden gekommen, um Kinderschuhe zu kaufen. „Wir hoffen sehr, dass es jetzt so weitergeht.“ Aber Kunden, die sich nur mal die neuesten Schuhmodelle anschauen wollten, kämen so gut wie keine. „Es läuft schon alles sehr zielorientiert ab.“

Um die Schuhe bei Kindern anzupassen, bleibe es allerdings nicht aus, auch mal am Kinderfuß zu fühlen, ob er denn richtig sitzt. „Das geht nicht anders. Aber dafür tragen wir ja auch einen Mundschutz und Handschuhe.“ Er dankt besonders B. Braun für die Ausstattung mit Desinfektionsmittel und Schutzkleidung. Der Medizintechnikhersteller hatte dies den Geschäften für die Wiedereröffnung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Modepalette by Jung

Das Modegeschäft Modepalette by Jung in Felsberg hat seit Mittwoch wieder geöffnet. Zunächst hatte Inhaber Thomas Jung geplant, erst am 4. Mai zu öffnen. „Dann hat sich die Sache mit der Ladengröße aber regeln können“, sagt er. Er hat etwas mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Einen Teil der Verkaufsfläche hat er deshalb abgesperrt.

Bislang sei Jung in Anbetracht der ganzen Umstände zufrieden mit dem Verkauf. „Aber es ist natürlich ein völlig anderes Kaufverhalten.“ Die Mitarbeiter müssen die Kunden nun anders beraten. „Da müsse man dann auf Distanz nach der passenden Jeans schauen“, erklärt er. Egal ob Kunde oder Mitarbeiter – die Situation sei zunächst für alle etwas befremdlich. Daran müsse man sich gewöhnen.

Am Eingang stehen nun Körbe, damit die Anzahl der Kunden im Laden gezählt werden können. Nach jedem Kunden werden diese dann desinfiziert. Schilder weisen auf den geforderten Sicherheitsabstand hin. „Zudem tragen wir alle Gesichtsmasken“, sagt er.

Zunächst hat das Geschäft noch zu den bekannten Zeiten geöffnet. „Wie werden abwarten und sehen, wie es läuft, eventuell entscheiden wir dann am 2. Mai, ob sich die Zeiten ändern.“

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