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Landkreis gibt noch kein Urteil zur Zukunft der Klinik ab

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Von: Barbara Kamisli

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Pläne noch offen: Wie es mit dem Melsunger Krankenhaus weitergeht, steht offenbar noch nicht fest.
Pläne noch offen: Wie es mit dem Melsunger Krankenhaus weitergeht, steht offenbar noch nicht fest. © Damai Dewert

Die Gesundheit Nordhessen Holding widerspricht den Plänen, die kürzlich im Melsunger Stadtparlament zur Zukunft des Melsunger Krankenhauses vorgestellt wurden.  

Schwalm-Eder –  Die Idee, wie sie SPD-Chef Volker Wagner dem Melsunger Parlament vorstellte, sieht vor, dass die Stadt Melsungen Eigentümerin des Krankenhauses und die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) Betreiberin wird. Das Krankenhaus soll langfristig an die GNH vermietet werden. Von etwas mehr als 100 000 Euro Miete monatlich war bei der Vorstellung in der Stavo die Rede.

Die GNH steht im engen Austausch

Die GNH teilte jedoch auf HNA-Anfrage mit, sie stehe im engen Austausch mit dem Schwalm-Eder-Kreis zu den Plänen eines Weiterbetriebs des Melsunger Krankenhauses. Aber: „Unser gemeinsames Grundkonzept entspricht nicht dem, was veröffentlicht wurde“, sagt ein Sprecher der GNH. Die beschriebenen Überlegungen seien allerdings bekannt.

Vom Schwalm-Eder-Kreis heißt es auf die Frage, wie denn das gemeinsame Konzept aussehe: „Die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) und der Schwalm-Eder-Kreis arbeiten gemeinsam an einem nachhaltigen und zukunftsfähigen medizinischen Konzept für das Klinikum in Melsungen.“

Die Umsetzbarkeit sei dabei von verschiedenen Faktoren abhängig. GNH und Stadt wollen laut Mitteilung Vorschläge auf eine Finanzierbarkeit prüfen. „Wir haben bereits vor einiger Zeit um konkrete Konzepte gebeten. Diese liegen uns allerdings noch nicht vor“, so ein Sprecher.

Vom Kreis heißt es: Ein Konzept könne erst vorgestellt werden, wenn die Rahmenbedingungen geschaffen und die Gremienbeschlüsse gefasst seien. Bis dahin sei unter den Parteien Vertraulichkeit vereinbart. Eine für vergangenen Donnerstag geplante Sondersitzung des Kreistages, in dem es auch um das Melsunger Krankenhaus gehen sollte, fand nicht statt.

Finanzierungsbedarf von bis zu 40 Millionen

Für das neue Krankenhaus mit etwa 60 bis 80 Betten ergibt sich laut Melsunger SPD ein Finanzierungsbedarf von bis zu 40 Millionen Euro. Knapp 15 Millionen Euro kommen als Fördergeld vom Land. Den Förderbescheid gibt es bereits.

Jeweils bis zu fünf Millionen Euro sollen die Stadt Melsungen, der Schwalm-Eder-Kreis als Versorgungsbeauftragter und Asklepios als Abstand bezahlen. Weiteres Geld soll aus einer Geberkonferenz der regionalen Industrie kommen.

Die Deckungslücke – bis zu zehn Millionen Euro – müsste die Stadt Melsungen aufnehmen. Die Mietzahlungen der GNH sollen ebendiesen Kredit refinanzieren. Das Haus würde nach der Fertigstellung für einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren an die GNH vermietet werden, so sieht es das Konzept vor.

Der Schwalm-Eder-Kreis teilte auf Anfrage mit, dass er es begrüße, dass die Stadt Melsungen zum Krankenhausstandort stehe und ihrerseits auch finanzielle Verantwortung übernehmen wolle. Inwieweit sich der in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellte Plan umsetzen ließe, sei von verschiedenen Faktoren abhängig und könne vom Schwalm-Eder-Kreis daher abschließend noch nicht beurteilt werden.

Die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) will die Vorschläge von Ludwig Georg Braun (FDP) und Volker Wagner (SPD) aus dem Stadtparlament auf eine Finanzierbarkeit prüfen. „Wir haben bereits vor einiger Zeit um konkrete Konzepte gebeten. Diese liegen uns allerdings noch nicht vor“, sagt ein Sprecher.

Prinzipiell möchte sich die GNH am Versorgungsbedarf der Menschen orientieren und die wohnortnahe Grundversorgung fördern. „Das Krankenhaus in Melsungen könnte ein Teil dieser neuen Leistungsstruktur innerhalb der Region Nordhessen sein“, sagt ein GNH-Sprecher.

Medizinisch sinvoll

Dennoch gelte, dass auch bei einem möglichen Betrieb des Krankenhauses in Melsungen ein nachhaltiges Betriebsmodell umgesetzt werden müsse – und zwar medizinisch sinnvoll, mitarbeiterorientiert und ökonomisch tragfähig. Die GNH und der Schwalm-Eder-Kreis arbeiteten gemeinsam an einem nachhaltigen und zukunftsfähigen medizinischen Konzept für das Klinikum in Melsungen, heißt es weiter.

Neben Fragen der Finanzierung eines etwaigen Neubaus, sind in alle Überlegungen zur künftigen Struktur die Asklepios-Schwalm-Eder-Kliniken als gegenwärtiger Betreiber, das Hessische Sozialministerium, aber auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) einzubeziehen, heißt es vom Schwalm-Eder-Kreis weiter. Ludwig Georg Braun (FDP) sagt: Man habe mit dem Konzept rechtzeitig ein Signal senden wollen, dass die Stadt Melsungen bereit sei, sich für den Erhalt des Krankenhauses aktiv einzusetzen. Entscheiden müssten aber selbstverständlich die drei beteiligten Parteien Asklepios, der Schwalm-Eder-Kreis und die GNH.

Die Gesundheitsversorgung in der Region Nordhessen sei eine gemeinsame Aufgabe der Stadt Kassel und den umliegenden Landkreisen. Dabei spiele der Maximalversorger der Stadt Kassel mit seinem breiten Leistungsangebot eine wesentliche Rolle, heißt es von Stadt und GNH.

Ergänzt wird das Angebot durch nachhaltige medizinische Strukturen in der Region. Beispiele sind die Entwicklung des Krankenhauses in Bad Arolsen sowie der Aufbau ambulanter Strukturen innerhalb der GNH. An integrierten Modellprojekten wie diesen arbeitet die GNH gemeinsam mit dem Schwalm-Eder-Kreis.

Das primäre Ziel sollte nicht sein, Krankenhausstandorte ersatzlos aufzugeben, sondern das Leistungsgeschehen so neu zu ordnen, dass es sich am Versorgungsbedarf der Menschen orientiert. Es brauche ein Zusammenspiel der wohnortnahen Grundversorgung, Zentrenbildung und Spezialisierung.

(Barbara Kamisli)

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