Jetzt amtlich: Asklepios will Zentrale Notaufnahme in Melsungen schließen

Versorgungsauftrag nicht erfüllt: Schwalm-Eder-Kreis kündigt Klage gegen Klinikbetreiber Asklepios an

Asklepios Krankenhaus Melsungen
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Asklepios Krankenhaus Melsungen

Der Schwalm-Eder-Kreis will den Klinikbetreiber Asklepios verklagen. Das kündigt Jürgen Kaufmann, Gesundheitsdezernent im Landkreis an. Asklepios komme seinem Versorgungsauftrag in Melsungen nicht nach und plane auch nicht, diesen zu erfüllen.

Melsungen – Der Klinikbetreiber plant in Melsungen nur noch mit einer Fachklinik mit deutlich abgespecktem Umfang. Das wurde jetzt bekannt und Asklepios bestätigte dies erstmals gegenüber der Stadt Melsungen und dem Landkreis. Am Dienstag gelangte der Inhalt eines Gesprächs zwischen dem Hessischen Ministerium für Soziales und Gesundheit, dem Schwalm-Eder-Kreis, Asklepios und der Stadt an die Öffentlichkeit.

Jürgen Kaufmann, Gesundheitsdezernent des Landkreises

In diesem Gespräch habe der Klinikbetreiber unmissverständlich deutlich gemacht, dass in Melsungen kein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit Zentraler Notaufnahme mehr geplant sei. Demnach soll es im Neubau keine Operationssäle geben, keine stationäre chirurgische Versorgung, sondern nur ein Belegsystem und auch keine Zentrale Notaufnahme mehr. Der Neubau solle eine Fachklinik mit 110 statt mit 150 Betten beherbergen.

2006 verkaufte der Schwalm-Eder-Kreis die Kreiskliniken an den Asklepioskonzern. Im Vertrag wurde ein Versorgungsumfang vereinbart, dieser soll nun laut Asklepios nicht mehr umgesetzt werden. Ein Vertreter von Asklepios stellte sogar die aktuelle Wirksamkeit der Vereinbarung infrage. Es gebe keine fixierte Versorgungsverpflichtung, sondern nur eine bedarfsgerechte.

Das Gesundheitsministerium gab an, von all dem nichts gewusst zu haben. In Presseanfragen der HNA wurde das Ministerium indes über den Versorgungsabbau informiert.

Das Ministerium verwies auf den bestehenden Versorgungsauftrag seitens Asklepios in Melsungen. Auf Nachfrage bestätigte es, dass sowohl der Förderbescheid für den Neubau als auch der Versorgungsauftrag an eine dritte Partei übergeben werden könnten. Man stehe in vielversprechenden Gesprächen mit einem solchen Partner, der bereit sei, alle Vorgaben zu erfüllen, sagt Kaufmann.

Der Asklepioskonzern wollte sich am Dienstag nicht zu den Gesprächen äußern, bestätigte deren Inhalt aber. Für Mittwoch kündigt Asklepios eine Stellungnahme gegenüber der HNA an. Fakt ist, dass in Melsungen nur noch mit einer Geriatrie, einer Psychiatrie, einer Inneren Medizin und einer ambulanten Belegchirurgie geplant wird. Standort soll an der Kasseler Straße bleiben.

Die Stadt Melsungen kritisierte das Vorgehen am Dienstag ebenfalls in einem offenen Brief.  Darin zeigt sich Melsungens Bürgermeister Markus Boucesein irritiert darüber, dass Asklepios für die Sicherung der Baugrube an der Kasseler Straße mit Kosten in Höhe von vier Millionen Euro plane. Nach Informationen der Stadt lägen diese aber nur bei einer Million Euro. Asklepios dementierte das. (Damai D. Dewert)

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