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Melsunger Krankenhaus: Möglicher Betreiber meldet sich zu Wort

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Von: Damai Dewert

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In dieser Baugrube sollte seit Jahren ein schickes neues Krankenhaus stehen. Laut Landkreis soll dort in einigen Jahren aber immerhin ein Gesundheitszentrum entstanden sein. Archi
In dieser Baugrube sollte seit Jahren ein schickes neues Krankenhaus stehen. Laut Landkreis soll dort in einigen Jahren aber immerhin ein Gesundheitszentrum entstanden sein. Archi © Damai Dewert

Wo jetzt nur eine Baugrube zu sehen ist, sollte seit Jahren ein neues Krankenhaus stehen - die Kooperation des Landkreises mit der Klinik Hessisch Lichtenau ist noch unkonkret.

Melsungen – Die Zukunft der Melsunger Gesundheitsversorgung wird überwiegend eine ambulante sein. Falls es denn eine gibt, denn die Kooperation des Landkreises mit der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau ist offenbar nicht so konkret, wie jüngst vom Gesundheitsdezernenten Jürgen Kaufmann angepriesen.

Im Kern, so die Ausführungen von Matthias Adler, Klinik-Geschäftsführer in Hessisch Lichtenau, würde das Krankenhaus die ambulanten Angebote in Melsungen ausbauen und eine Brücke zu den stationären Angeboten in Hessisch Lichtenau schlagen wollen. Vor etwa einem Jahr hat die MVZ Lichtenau, eine Tochtergesellschaft der Orthopädischen Klinik, eine Zweigpraxis des MVZ OCP Kassel an der Fritzlarer Straße in Melsungen eröffnet. Das MVZ OCP ist Praxisklinik für Orthopädie und Chirurgie.

Matthias Adler: „Die Gespräche des Landkreises zur Zukunft des Krankenhauses Melsungen haben wir als Nachbarn und ambulanter Anbieter vor Ort in den zurückliegenden anderthalb Jahren ausschließlich aus der Presse verfolgt. So haben wir auch von den Verhandlungen mit den Kollegen in Fritzlar und Kassel erfahren.

Orthopädische Klinik hat medizinisches Portfolio in den vergangen Jahren stetig ausgebaut

Mit uns wurden bis dato keine konkreten Verhandlungen zur Übernahme der Klinik geführt.“ Daher habe und hatte die Orthopädische Klinik keinerlei Einblick in relevante Daten und Verträge. „Derzeit befinden wir uns lediglich am Anfang von sondierenden Gesprächen, um eine mögliche Unterstützung abschätzen zu können“, formuliert der Klinik-Chef zurückhaltend.

Die Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau hat ihr medizinisches Portfolio in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. Sie bietet mittlerweile weit mehr als orthopädische und chirurgische Leistungen an. Seit 2021 sei der Standort sowohl personell als strukturell weiterentwickelt worden, sagt Adler.

Das gelte insbesondere für die Geriatrie/Altersmedizin, Akut- und Notfallmedizin, die Allgemeinchirurgie und die Unfallchirurgie. Der Schwalm-Eder-Kreis sei vor einigen Wochen auf die Geschäftsführung der Orthopädischen Klinik zugekommen, um zu eruieren, wie diese zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung in Melsungen beitragen könne.

Grundsatzpapier soll Erweiterung der ambulanten Gesundheitsversorgung berücksichtigen

Dazu sei ein Grundsatzpapier erstellt worden, dass in der vergangenen Woche an die Kreisverwaltung übermittelt worden sei.

Das Grundsatzpapier berücksichtige die Erweiterung der ambulanten Gesundheitsversorgung. „Wir bitten um Verständnis, dass wir derzeit zu den Inhalten keine konkreten Angaben machen können“, sagt Matthias Adler.

Es sei noch nicht absehbar, wie die Reaktionen des hessischen Sozialministeriums der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und der Krankenkassen ausfallen würden, wie Adler sagt.

Die Zukunft kann in einem intersektoralen Gesundheitszentrum liegen

Stand sei, so sagt Gesundheitsdezernent Jürgen Kaufmann, dass die finale inhaltliche Entscheidung über die Zukunft des Melsunger Krankenhauses im Sozialministerium getroffen würde. Eine Zukunft für ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung gebe es in Melsungen seiner Meinung nach nicht. Jedenfalls nicht in der Verantwortung des Landkreises. „Wir streben eine erweiterte ambulante Gesundheitsversorgung in Melsungen an.“

In Verlautbarungen des Landkreises ist immer die Rede von einem intersektoralen Gesundheitszentrum (IGZ). In einem solchen IGZ würden Patienten nicht nur ambulant behandelt werden können. Es gibt dort auch Betten zur stationären Versorgung. Zur Kernleistung eines IGZ gehören ein allgemeinärztliches Angebot – hinzukommen internistische und weitere konservative Angebote.

Dazu können in Facharztpraxen geriatrische orthopädische, chirurgische und weitere Angebote gehören. Sämtliche Facharztstandards würden bei der Versorgung eingehalten. In einem solchen Gebäude könnten sich darüber hinaus weitere Gesundheitsanbieter wie eine Apotheke, eine Orthopädietechnik, ein Sanitätshaus, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten befinden.

Asklepios sei in den vergangenen Jahren kein verlässlicher Partner gewesen

Abhängig von den Flächen seien auch pflegerische Dienstleistungen vorstellbar wie eine Sozialstation oder eine Tagespflegeeinrichtung.

Bei einem Systemwechsel hin zu einer ambulanten Versorgung stünden die 12,5 Millionen Euro Fördergeld des Landes indes wohl nicht mehr zur Verfügung, sagt Kaufmann. Er hoffe 2023 auf einen Start im Bestandsgebäude. Dann warte viel Arbeit auf alle Beteiligten, eine Planung und Finanzierung für den Neubau zu realisieren.

Die Kritik von Asklepios-Betriebsratschef Klaus Bölling weise er zurück: Asklepios sei in den zurückliegenden Jahren kein verlässlicher Partner gewesen. Eine Fachklinik sei vielleicht intern diskutiert worden, das wisse er nicht. Fakt sei aber, dass Asklepios noch im Juli 2020 ein klares Bekenntnis zu Neubau und Umfang der Leistung gegeben habe.

Vorwürfe werden nicht stehen gelassen

Intern sei da aber beispielsweise schon längst überhaupt nicht mehr mit dem gesamten Leistungsspektrum geplant worden. Dem beliebten Chefarzt Dr. Gunter Claus sei eine Leitungsfunktion für Medizinische Versorgungszentren vorgelegt worden. „Wir haben uns nicht in diese Verantwortung gedrängt. Wir wurden von Asklepios in diese Situation gebracht“, sagt Kaufmann.

Asklepios und der Betriebsrat riefen „Haltet den Dieb“. Aber so einfach sei es nicht. Der Landkreis sei nicht der Böse. „Den Vorwurf lasse ich nicht so stehen. Wir hoffen sehr, dass wir dem Personal eine langfristige Perspektive bieten können.“ Leider könne er noch nichts Konkretes sagen, das wäre nicht seriös. Von Damai D. Dewert

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