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Lieferengpässe bei Apotheken im Kreisteil Melsungen

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Von: Barbara Kamisli, Damai Dewert

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Medikamente fehlen: Dr. Alexander Schröder, Inhaber der Melsunger Rosen-Apotheke, weist auf Lieferengpässe hin. Seine Empfehlung: Bei wichtigen Medikamenten nicht bis zur letzten Tablette warten.
Medikamente fehlen: Dr. Alexander Schröder, Inhaber der Melsunger Rosen-Apotheke, weist auf Lieferengpässe hin. Seine Empfehlung: Bei wichtigen Medikamenten nicht bis zur letzten Tablette warten. © Damai D. Dewert

Die Medikamente in der Region werden knapp. Apotheker schlagen Alarm. Außerdem verraten sie, was in die Hausapotheke gehört.

Melsungen – In den Apotheken der Region fehlen Medikamente: Etwa 300 verschiedene seien es aktuell, sagt Dr. Alexander Schröder, Inhaber der Melsunger Rosen-Apotheke. Betroffen sei die gesamte Bandbreite der Wirkstoffe. Psychopharmaka, Cholesterin-Senker und Magenmittel fehlten derzeit. In den kommenden Wochen könnten andere Medikamente betroffen sein. Das Problem betreffen alle deutschen Apotheken.

Schon seit Monaten ist auch Ibuprofen knapp – insbesondere die Fiebersäfte für Kinder fehlten. „Bis jetzt konnten wir den Kunden immer irgendwie helfen, es wird aber aufwendiger“, sagt Schröder.

Er mörsere auch mal Tabletten und stelle wieder mehr selbst her – so auch schon mal einen Fiebersaft. Kunden, die regelmäßig wichtige Medikamente benötigten, sollten sich momentan nicht auf den letzten Drücker versorgen. Es könne zu Lieferschwierigkeiten kommen, oder Wirkstoffe komplett fehlen. Dann wäre eine Rücksprache mit dem Arzt nötig.

Medikamentenmangel im Kreisteil Melsungen: Abhängigkeit von China

Politik und Krankenkassen hätten in den vergangenen Jahren falsche Anreize für Unternehmen gegeben. Es werde zu wenig geforscht und produziert in Europa. „Es wurde versäumt, unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Folgen der Pandemie hätten schonungslos die Abhängigkeit Europas von China offenbart. Immer weniger Firmen stellten immer mehr Grundstoffe her.

Auch Ulf Vocke von der Woelm‘schen Apotheke in Spangenberg kennt das Problem. „In diesem Ausmaß habe ich das bisher noch nicht erlebt“, sagt Vocke. Die Engpässe zögen sich durchs gesamte Sortiment. Das Problem sei, dass absolut nicht vorhersehbar sei, wann es bei welchen Präparaten zu Lieferschwierigkeiten komme.

Das gehört in die Hausapotheke

Herbst und Winter stehen vor der Tür. Tipps vom Apotheker zur Hausapotheke und -mitteln: Fiebersenker, Kohletabletten, Elektrolytlösung (keine Salzstangen und Cola). Bei Erkältung: Inhalation mit Kochsalz, Nasenspülung mit Kochsalzlösung (Emsersalz), Nasenspray (nicht lange nehmen, kann aber für den Moment lindern und Schlaf ermöglichen), sowie leichte Bewegung an frischer Luft. Außerdem sollten Pflaster, Wunddesinfektion und Verbandsmaterialien nicht fehlen.

Im Moment könne man noch auf genug Alternativen zurückgreifen, es könne aber durchaus sein, dass ein Patient nicht das gewohnte Medikament bekomme, sondern ein Ersatzpräparat. „Aber die Erkältungszeit fängt ja gerade erst an“, sagt Vocke. Auch Schröder sieht in der Unvorhersagbarkeit eine große Schwierigkeit.

Apotheken könnten keine Lagerhaltung betreiben. Häufig benötige er auch Rezepte, um Medikamente zu bestellen. Wenn jetzt Bestände zur Neige gingen, gebe es nichts mehr nachzubestellen. Seine Mitarbeiterinnen versuchten über andere Vertriebskanäle und Import an Medikamente und Grundstoffe zu kommen. (Damai D. Dewert/Barbara Kamisli)

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