Serie „Arbeitszeit“

Mehr als nur Knöllchen: Markus Grziwa ist Ordnungspolizist der Stadt Melsungen

So sieht man ihn am häufigsten: Markus Grziwa ist Ordnungspolizist der Stadt Melsungen und verteilt Knöllchen. Aber er leistet auch Amtshilfe für Behörden und kontrolliert Maskenpflicht und nächtliche Ausgangssperren.
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So sieht man ihn am häufigsten: Markus Grziwa ist Ordnungspolizist der Stadt Melsungen und verteilt Knöllchen. Aber er leistet auch Amtshilfe für Behörden und kontrolliert Maskenpflicht und nächtliche Ausgangssperren.

Markus Grziwa, 51, ist Ordnungspolizist der Stadt Melsungen und kontrolliert den ruhenden Verkehr im Ordnungsamtsbezirk Melsungen.

Melsungen – Er verteilt in Melsungen, Felsberg, Spangenberg, Malsfeld und Morschen Knöllchen fürs Falschparken – und ist damit einer, dem man nicht so gern begegnet. Es gibt einen Satz, den hört Markus Grziwa aus Melsungen fast jeden Tag: „Ich wollte nur mal eben ganz kurz“.

Was viele nicht wissen: Ordnungspolizisten machen viel mehr, als nur Knöllchen verteilen. Sie sind als Zeuge bei Hausdurchsuchungen der Kripo und Zwangsräumungen dabei („Da lernt man alle menschlichen Abgründe kennen, selbst hier in Melsungen“) und müssen illegale Müllablagerungen kontrollieren.

Corona verändert seine Arbeit

Durch Corona sind viele Aufgaben für ihn und seine Kollegen hinzugekommen. Sie überprüfen beispielsweise die Maskenpflicht während des Melsunger Wochenmarktes oder am Skatepark. Sie erinnern, ermahnen und dürfen auch Platzverweise aussprechen. Sie dürfen Personen kontrollieren und die Ausweise verlangen.

Sie mussten zeitweise auch die nächtliche Ausgangssperre überprüfen oder Amtshilfe leisten, etwa wenn das Gesundheitsamt des Schwalm-Eder-Kreises einen coronapositiv Getesteten telefonisch nicht erreichen kann. Dann muss Ordnungspolizist Grziwa hinfahren. „Jeder Tag bringt neue Situationen“, sagt Grziwa, und das gefällt ihm gut.

Seit zwei Jahren ist der Vater von vier Kindern nun als Ordnungspolizist unterwegs. Einer seiner ersten Einsätze war auch einer der kuriosesten: Im März 2020 krempelte er kurzerhand die Hosenbeine hoch und watete durchs Hochwasser der Fulda, um das abgesoffene HNA-Mobil vom überfluteten Wohnmobilstellplatz zu bergen.

„Menschlichkeit ist wichtig“

Die Arbeit als Ordnungspolizist ist so ganz anders als das, was er vorher gearbeitet hat. Grziwa hat Industriekaufmann gelernt und war zuletzt bei Schreckhase in Spangenberg im Versand beschäftigt. „Menschlichkeit ist ganz wichtig“, sagt Grziwa über seine jetzige Arbeit.

Außerdem Gradlinigkeit, Feingefühl, Menschenkenntnis, Lebenserfahrung. „Ich muss zuhören können und Verständnis haben.“

Neben der blauen Uniform trägt er als Ordnungspolizist auch Handschellen, Schlagstock und Pfefferspray. Das sei nur zur Selbstverteidigung, und er habe es noch nicht einsetzen müssen. „Unsere stärkste Waffe ist die Kommunikation.“

Ja, er brauche auch ein dickes Fell, schließlich müsse er sich oft Sprüche und Beleidigungen der Menschen anhören, die er bei Fehlern wie Falschparken ertappt habe. „Ich weiß, dass sie sich ärgern, weil sie etwas falsch gemacht haben, und sie wissen es, und sie sind dabei noch erwischt worden – dann lassen sie immer ihren Frust an dem ab, der ihn erwischt hat.“ Deshalb nehme er das nicht persönlich.

Den ruhenden Verkehr kontrollieren

70 Prozent seiner Arbeit ist er mit dem Kontrollieren des ruhenden Verkehrs beschäftigt. Die meisten Knöllchen gibt’s in Melsungen. In Spangenberg etwa steht zwar kein Parkautomat, „aber dort schaffen es manche nicht, die Parkscheibe hinter die Frontscheibe zu legen.“ Dann wird ein Knöllchen fällig: 20 Euro. Wer auf dem Gehweg parkt, muss 55 Euro zahlen.

„In meinem Beruf kann man sich leicht unbeliebt machen.“ Und dann hört Ordnungspolizist Grziwa ihn wieder, diesen Satz, den die Fahrer sagen, wenn sie zu den Autos kommen während Grziwa gerade die Kennzeichen notiert und Beweisfotos von deren Verstößen macht: „Ich wollte doch nur mal eben ganz kurz.“ (Claudia Feser)

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