Nachbarschaft

Platz an den drei Eichen: Bewohner der Gisbertzstraße in Melsungen treffen sich seit über 50 Jahren

Einige Organisatoren der Straßenfeste: (von links) Karin Freitag-Pietsch, Jürgen Proll, Walter Schmidt, Bärbel Proll und Björn Westphal.
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Einige Organisatoren der Straßenfeste: (von links) Karin Freitag-Pietsch, Jürgen Proll, Walter Schmidt, Bärbel Proll und Björn Westphal.

Ein gutes oder freundschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn zu haben, ist heutzutage eine Besonderheit. Bei den Bewohnern der Gisbertzstraße in Melsungen ist das ganz anders.

Melsungen – „Hier hilft man sich. Wir sind eine richtig tolle Gemeinschaft“, erzählt Walter Schmidt, der seit 1966 an der Gisbertzstraße lebt.

Die Bewohner sind mehr als nur Nachbarn: regelmäßig feiern sie Straßenfeste, treffen sich auf ein Bier und pflegen den „Platz an den drei Eichen“. Der liegt hinter der Gisbertzstraße – direkt am Wald. Eine kleine Fläche mit Holzbänken und einem selbst gebauten Spielgerät für Kinder zieren den Platz, den die Bewohner seit den 1980er-Jahren hüten. Dort finden auch die legendären Straßenfeste statt.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

„Im Sommer treffen wir uns einmal im Monat zum Arbeitseinsatz. Das heißt, wir mähen die Fläche, entfernen das Laub und tun das, was noch so anliegt“, sagt Karin Freitag-Pietsch, die 2012 mit ihrem Mann in die Gisbertzstraße gezogen ist und direkt herzlich aufgenommen wurde. „Nach getaner Arbeit laden wir die restlichen Bewohner zum Grillen ein. Das ist immer schön“, fügt Walter Schmidt hinzu. Und einmal im Jahr gibt es dann auch ein Straßenfest mit allem, was dazu gehört. „Wir grillen, lachen und auch die Kinder werden bespaßt“, sagt Bärbel Proll, die seit ihrem sechsten Lebensjahr an der Gisbertzstraße wohnt.

Doch auch im Winter gab es schon Nachbarschaftstreffen. Nikolausfeiern und Glühweintrinken gehören für die Nachbarn in den kalten Monaten dazu. „Da wählen wir dann auch die Glühweinkönigin“, erzählt Karin Freitag-Pietsch lachend. „Bei uns ist jeder willkommen, egal ob jung oder alt“, fügt Jürgen Proll hinzu.

„Ich finde es wichtig, dass man den Kontakt zu seinen Nachbarn pflegt“, betont der 82-jährige Walter Schmidt, der schon vor vielen Jahren zu Nachbarschaftstreffen einlud. „Den Zusammenhalt in der Nachbarschaft gab es schon früher. Da hat man sich gegenseitig beim Hausbau geholfen“, erinnert er sich.

Corona machte es der Nachbarschaft nicht leicht

Und auch heute arbeitet man in der Gisbertzstraße Hand in Hand und trifft sich gerne im Garten auf ein kleines Schwätzchen. „Für Arbeiten vor dem Haus muss man immer eine Stunde mehr einplanen, weil man hier mit allen ins Gespräch kommt“, erzählt Freitag-Pietsch. In der Coronazeit haben sich die 50 bis 60 Nachbarn nicht getroffen. „Wir haben uns natürlich an die Kontaktbeschränkungen gehalten“, sagt Bärbel Proll.

„Als wir uns dann dieses Jahr wieder zum ersten Mal gesehen haben, waren ganz viele da“, erzählt Karin Freitag-Pietsch. Daran habe man gemerkt, wie sehr der Kontakt gefehlt habe. „Corona hat uns noch mal dichter zusammengebracht“, sagt Jürgen Proll. Der Platz an den drei Eichen ist mittlerweile zu einem Treffpunkt geworden.

Nicht nur für die Bewohner, die ihn pflegen, sondern auch für Wanderer, Spaziergänger und den Kindergarten, der ab und zu dort Rast macht. Den nächsten Arbeitseinsatz mit Grillen hat das Team der Gisbertzstraße für heute geplant. (Clara Pinto)

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