Mehr Straftaten vom Sofa aus

Hartmut Konze ist neuer Leiter der Polizeidirektion im Schwalm-Eder-Kreis

Hartmut Konze Kriminaldirektor
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Hartmut Konze ist der neue Leiter der Polizeidirektion Schwalm-Eder.

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder hat einen neuen Leiter: Der 51-jährige Hartmut Konze folgt auf Hubertus Hannappel. Hannappel leitete die Direktion seit Oktober 2014.

Herr Konze, was wissen Sie denn schon alles über den Schwalm-Eder-Kreis?

Die Vielfalt des Schwalm-Eder-Kreises ist so groß, dass ich bisher bestimmt erst über einen kleinen Teil Kenntnis habe. Mir ist aber sofort die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, mit denen ich bisher zu tun hatte, aufgefallen. Das gilt sowohl innerhalb als auch außerhalb der Polizei. Darüber hinaus sind mir natürlich die allgemeinen Daten und Fakten bekannt.

Das vergangene Jahr war für uns alle neu und stand im Zeichen der Pandemie. Mit welchen neuen Situationen waren Sie beruflich konfrontiert?

Es hat sich für uns ganz sicher ein neues Spannungsfeld ergeben: Wir mussten die Versammlungsfreiheit mit den Coronaschutzbestimmungen in Bezug auf Abstandsregeln, Zusammenkünfte größerer Menschenmengen sowie das Tragen von Nase-Mund-Schutz gewährleisten. Das war eine große Herausforderung für die Polizei.

Warum?

Es war und ist für große Teile der Bevölkerung nur schwer zu ertragen, dass sie sich kaum mit ihren Freunden oder gar Familienangehörigen treffen können, während gleichzeitig hunderte und tausende von Menschen ihrer Versammlungsfreiheit nachkamen. Aber die gesetzlich garantierte, zum Teil durch Entscheide der Verwaltungsgerichte bestätigte, Versammlungsfreiheit ist eines der höchsten Freiheits- und Grundrechte in unserer Demokratie. Dies muss, bei Beachtung aller Auflagen, eine funktionierende Demokratie aushalten können.

Wie haben Sie das Coronajahr privat erlebt?

Ich habe durch die Auswirkungen erhebliche Einschränkungen in der persönlichen Freiheit erlebt, die insbesondere den Mannschaftssport, das Reisen und das gesellschaftliche Leben betreffen. Ich konnte aber auch erfahren, dass der nachbarschaftliche Zusammenhalt größer geworden ist. Wir haben als Familie in unserer Umgebung neue und schöne Flecke in der Natur wiederentdeckt.

Die Pandemie hat sich auch auf die Kriminalität und die Straftaten ausgewirkt. Wo besonders?

Bei den klassischen Straftaten ist es ruhiger geworden. Aber in anderen Bereichen, wie den Betrugsdelikten, die man vom Sofa aus begehen kann, ist schon eine neue Nische seitens der Straftäter gefunden worden.

Ist die Polizei darauf vorbereitet gewesen oder muss sie sich bei Cyberkriminalität und Onlinebetrügereien anders aufstellen?

Die genannten Delikte stellen nur einen Teil der gesamten Palette dar. Sicherlich kann man immer mehr tun. Jedoch fühlen sich die Täter gerade bei diesen Delikten noch sicher, nicht so leicht entdeckt zu werden. Das Entdeckungsrisiko war in der Vergangenheit wahrscheinlich auch noch nicht so hoch. Aber die Polizei reagiert auf diese Phänomene mit zunehmender Geschwindigkeit, sodass sich kein Straftäter zu sicher sein sollte.

Wie beurteilen Sie das Phänomen der Coronaleugner und die Zunahme antidemokratischer Tendenzen in Teilen der Bevölkerung?

Ich finde diese Entwicklung traurig und bedenklich. Aber es nutzt nichts, diese Menschen einfach als Spinner abzutun und den Kontakt abzubrechen. Es gilt vielmehr, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und den Dialog zu suchen. Man wird damit nicht jeden erreichen. Jedoch sehe ich in der Aufklärung das einzig nachhaltig effektive Mittel, wieder für die Demokratie zu begeistern. Nicht nur die Politik und die Behörden, sondern auch jeder Einzelne muss für den Schutz der Demokratie eintreten. Erwähnenswert ist das Projekt des Landkreises „Demokratie leben!“, welches das zivile Engagement fördert.

Inwiefern wirkt sich diese Entwicklung auch beruflich aus?

Viele Kollegen der Polizeidirektion sind im alltäglichen Dienst Beschimpfungen und Körperverletzungen ausgesetzt. Hierzu gehören Coronaleugner und nur Menschen, die gegen die aktuell gültigen Coronabestimmungen verstoßen. Ich kann verstehen, wenn bei Menschen die Frustration deutlich ansteigt. Aber bei dieser großen Herausforderung muss man manchmal seine eigenen Interessen hinter die der Allgemeinheit zurückstellen. Seitens der Polizei setzen wir in erster Linie auf Kommunikation. Erst wenn dieser Weg nicht weiterführt, werden sich auch Sanktionen nicht vermeiden lassen.

Hartmut Konze ist der neue Leiter der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Der 51-jährige Kriminaldirektor folgt auf Hubertus Hannappel. Konze trat im Oktober 1986 in die Hessische Polizei ein. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. (Von Damai D. Dewert)

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