Leichtathletik

Diskuswerfer Alwin Wagner wird 70: Mehr Zeit für die Enkelin

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Den Diskus im Blick: Der Melsunger Alwin Wagner, einst ein Topathlet mit der Wurfscheibe, feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Alwin Wagner zählte einmal zu den besten nationalen Diskuswerfern und spielte auch international eine gute Rolle. Heute wird der Sportler und Trainer aus Melsungen 70 Jahre alt.

Melsungen - Von 1981 bis 1985 war er fünfmal in Folge deutscher Meister und war in seiner Hochzeit bei allen Europa- und Weltmeisterschaften dabei, dazu 1984 in Los Angeles bei den Olympischen Spielen. Heute feiert der Melsunger seinen 70. Geburtstag. Anlass mit Wagner einmal über den Rand der zwei Kilogramm schweren Scheibe hinauszugucken und über Glanzpunkte, Enttäuschungen oder die Gesundheit zu reden.

Die Anfänge

„Zwei Ereignisse, die auf meinen Geburtstag fielen, haben meine Aufmerksamkeit auf das Diskuswerfen gelenkt“, sagt Wagner. Am 11. August 1961 warf der Amerikaner Jay Silvester mit 60,56 Metern in Frankfurt Weltrekord, am 11. August 1966 Detlef Thorith in Berlin mit 61,30 deutschen Rekord (damals DDR-Rekord). „Nicht, dass ich damals gleich gesagt habe, ich will Diskus werfen, aber ich bin auf diese Disziplin aufmerksam geworden.“

Die Hochzeit

Krönung waren die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles. „Als wir mit der deutschen Mannschaft ins Stadion einmarschierten, da jubelten uns 80 000 Zuschauer zu, da ist es mir eiskalt den Rücken runter gelaufen“, sagt Wagner. In den Jahren davor war der Melsunger durchweg bei internationalen Veranstaltungen vom deutschen Verband gesetzt. „1978 bei den deutschen Titelkämpfen in Köln bin ich in der Qualifikation ausgeschieden, trotzdem wurde ich für die EM nominiert“, erinnert sich Wagner. In Prag wurde er mit 62,70 m Sechster.

Die Enttäuschung

„1988 war ich in den Top-Ten der Weltliste und wurde nicht für die Spiele in Seoul nominiert“, sagt Wagner. „Das war sicher die größte Enttäuschung meiner Laufbahn.“ Offiziell hieß es damals, dass der Nordhesse nach einer Operation wegen eines Gehirn-Tumors nicht richtig fit sei. Doch dürfte seine Nicht-Berücksichtigung eher auf seine zuvor öffentlich gemachten Aussagen bezüglich Dopings der Grund gewesen sein.

Die Gesundheit

Alwin Wagner hat im Laufe der Zeit einige gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen. Sie konnten ihn zwar kurzzeitig bremsen, aber nicht wirklich stoppen. „Zum einen habe ich es bestimmt auch meiner guten körperlichen Konstitution zu verdanken, dass ich immer wieder auf die Beine gekommen bin“, sagt Wagner. „Aber bestimmt auch meinem positiven Denken, meiner festen Verwurzlung im katholischen Glaube und dem Wissen, meine Familie hinter mir zu haben.“ Überhaupt habe er ohne die Unterstützung von Ehefrau Beate und der Familie seinen Sport nie so intensiv ausüben können.

Der Unbequeme

„Ich habe immer gesagt, was ich denke, auch in Sachen Doping. Das ist nicht immer gut angekommen“, sagt Alwin Wagner. „Das war im Sport, im Dienst bei der Polizei und im privaten Umfeld so. Vor allem Ungerechtigkeiten konnte ich überhaupt nicht haben. Und ich habe zu dem, was ich gesagt habe, auch gestanden und habe es selbst so praktiziert.“

Der Trainer

Alwin Wagner hat schon ab Oktober 1970 sein auf Lehrgängen erworbenes Wissen an andere Leichtathleten weitergegeben. Die Liste der von ihm trainierten erfolgreichen Werfer, Springer oder Läufer wäre an dieser Stelle zu lang. Doch in diesem Herbst soll Schluss ein. „Da bin ich dann 50 Jahre Trainer, das muss reichen“, sagt Wagner Und denkt dabei an eigene Gesundheit und Enkelin Carlotta, die gestern zwei Jahre alt wurde. „Als meine Kinder klein waren, war ich oft bei Wettkämpfen“, sagt er. „Jetzt will ich möglichst viel von meiner Enkelin mitbekommen.“

Zur Person

Alwin Josef Wagner, verheiratet mit Beate (geb. Schwarz), vier Kinder, eine Enkelin, MT Melsungen, LG Kassel-Großenritte, ASC Darmstadt, Quelle Fürth, USC Mainz, LGA Rotenburg, PSV Grün-Weiß Kassel, MT Melsungen, 44 Länderkämpfe, Olympische Spiele 1984 (Sechster mit 64,72 m), EM-Sechster 1978 (62,70), zweimal beim Europacup, zweimal Zweiter, Deutscher Meister von 1981 bis 1985, Weltrekordhalter im Schleuderballwurf mit 86,92 m (21. August 1982 in Lohfelden) fri

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