Mangel an Beweisen

Spangenberger soll Freundin misshandelt und bedroht haben - wird freigesprochen

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25-Jähriger aus Spangenberg stand wegen Misshandlung der Freundin vor Gericht.

Die Misshandlung konnte dem 25-Jährigen vor Gericht nicht nachgewiesen werden. Kurz nach der Tat war die Frau schwanger. 

Im Zweifel für den Angeklagten. Diese uralte Regel sorgte vor dem Amtsgericht Melsungen für den Freispruch eines 25-jährigen Mannes, der wegen dreifacher Körperverletzung angeklagt war, in zwei Fällen auch wegen Bedrohung. Aus Mangel an Beweisen wurde er freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. 

23-Jährige ist jetzt im achten Monat schwanger

Die 23-jährige Frau, die er laut Anklage der Staatsanwaltschaft im Februar dieses Jahres geschlagen, getreten und bedroht hatte, ist jetzt seine Verlobte. Zwei Wochen nach der Tat sei sie von dem Beschuldigten schwanger geworden, jetzt sei sie im achten Monat, erklärte sie vor Gericht. Nach arabischem Recht seien sie verheiratet, nach deutschem Recht verlobt.

In gemeinsamen Wohnung soll Angeklagter seine Freundin misshandelt haben

Nunmehr wollten sie auch offiziell heiraten. Der Angeklagte erklärte, es sei Ingenieur. Er sei Asylbewerber und warte auf die Anerkennung, in Deutschland bleiben und als Ingenieur arbeiten zu dürfen. Vor sechs Jahren sei er aus dem Irak nach Deutschland gekommen. 

In der Anklage war dem Mann unter anderem vorgeworfen worden, seine damalige Freundin in der gemeinsamen Wohnung in Spangenberg dreimal mit der Hand geschlagen, ihr beide Zeigefinger in den Mund gesteckt zu haben, so dass die Mundwinkel einrissen. 

Verletzungen durch ärztliche Atteste bestätigt

Ferner soll er sie mit der Faust auf den Rücken und mit dem Fuß in den Bauch- und Brustbereich getreten und bedroht haben. Faustschläge gegen den Kopf, Würgen und Bisse in Arm und Schulter sind weitere Vorwürfe der Anklage, die sich auf die Strafanzeige der Frau beziehen. Die Verletzungen wurden durch Atteste bestätigt, hieß es vor Gericht. 

„Sei still, oder ich bringe Dich sofort um”

Allerdings sage die Bescheinigung nichts darüber aus, von wem die Verletzungen stammen, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. „Sei still, oder ich bringe Dich sofort um”, hat der Beschuldigte der Anklage zufolge zu seiner Freundin gesagt. Und: „Du bist meine Frau, Du kannst nicht Schluss machen mit mir. Wenn Du Schluss machst, werde ich Dich mit meiner Waffe umbringen.” 

Angeklagter und Opfer machten von ihrem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch – sie sagten zu der Auseinandersetzung gar nichts. Ein Polizeibeamter berichtete, die Frau habe erklärt, von ihrem Freund geschlagen und gewürgt worden zu sein. Es habe Stress zwischen der Familie der Frau und dem Angeklagten gegeben. 

Taten können nicht nachgewiesen werden - Attest reicht nicht

Die Frau habe sich bei der Polizei gemeldet. Sie sei im Bad eingeschlossen worden. „Die Taten können Ihnen nicht nachgewiesen werden”, sagte Richter Heidelbach bei der Urteilsverkündung zum Beschuldigten. Das ärztliche Attest reiche nicht aus, um ihm die Schuld zu beweisen. Die schriftlichen Angaben der Freundin bei der Polizei könnten nicht verwendet werden. 

„Es ist Ihre Verantwortung, Sie müssen damit leben, das müssen Sie untereinander klären”, redete der Richter dem Beschuldigten mit Blick auf die geplante Ehe ins Gewissen. Und: „Auch Frauen haben ihre Rechte. Die Basis einer Ehe ist das Vertrauen. Ich möchte Sie hier nicht nochmal sehen.”

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