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Der Melsunger Autor Rolf Jaene berichtet im Interview vom Gedichteschreiben

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Von: Fabian Becker

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Autor Rolf Jaene (94) aus Melsungen hat seine Gedichte für seine Kinder auf einer Schreibmaschine abgetippt.
Autor Rolf Jaene (94) aus Melsungen hat seine Gedichte für seine Kinder auf einer Schreibmaschine abgetippt. © Fabian Becker

Was Rolf Jaene aus Melsungen früher nur zu bestimmten Anlässen machte, ist im Ruhestand seine Leidenschaft geworden. Er schreibt Gedichte.

Melsungen – Einige davon sind nun in drei Büchern erschienen. Im Interview spricht der 94-jährige Melsunger darüber, ob Gedichte noch in die Zeit passen, woher er seine Ideen bekommt und was er angehenden Dichtern rät.

Herr Jaene, sind Gedichte noch zeitgemäß?

Ja. Ich merke das an den Reaktionen von Lesern. Da gibt es einige, die sagen, dass sie zwei, drei Gedichte am Tag lesen und sich daran erfreuen.

Haben Gedichte eine besondere Bedeutung in der Weihnachtszeit?

Weihnachtsgedichte sind etwas für besondere Situationen. Ich schreibe eher Gedichte, die Stimmung im Alltag machen sollen. Weihnachtsgedichte habe ich nur wenige geschrieben.

Woher kommen Ihre Ideen?

Oft sind das eigene Erlebnisse oder Erzählungen. Neulich rief mich zum Beispiel eine Tochter an und erzählte mir von einer Frau, die bei Regen mit ihrem Hund raus musste. Da trifft sie eine andere Frau, die ohne Hund unterwegs ist und fragt: Warum bist du bei dem schlechten Wetter draußen, obwohl du keinen Hund hast? Da sagt die andere Frau: Ich führe meinen inneren Schweinehund aus. Daraus habe ich ein Gedicht gemacht.

Wie sind Sie zum Schreiben von Gedichten gekommen?

Als ich noch Lehrer war, habe ich das nur für besondere Anlässe gemacht. Erst im Ruhestand habe ich viele Gedichte geschrieben. Anfangs nur mit der Hand, später habe ich sie mit der Schreibmaschine abgetippt und für jedes meiner Kinder selbst gebunden. Meine Töchter meinten dann, wir müssten das richtig drucken lassen und veröffentlichen.

War es schwierig, das Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen?

Wir haben jemanden beauftragt, der das gemacht hat. Der hat alles organisiert und sich um das Layout gekümmert. Zuerst musste er alle Gedichte abtippen lassen, damit sie digital verfügbar sind.

Sind Ihnen Ihre Gedichte alle gleich wichtig oder haben Sie auch Lieblinge?

Ich habe auch Lieblingsgedichte. Die ersten sind mir zum Beispiel besonders wichtig.

In Ihren Büchern gibt es Zeichnungen zu den Gedichten. Wie sind die entstanden?

Da gab es zunächst Schwierigkeiten. Meine Tochter kannte eine Illustratorin und hat sie gefragt. Die Illustratorin hatte keine Zeit, sagte aber, ihr Sohn könnte das machen. Das hat er dann auch – mit nur 15 Jahren.

Was raten Sie Menschen, die mit dem Schreiben von Gedichten anfangen wollen?

Es geht nicht nur um Reime. Wenn mir Freunde ihre Gedichte zeigen, sage ich manchmal, die hoppeln, weil die Reihenfolge der Wörter nicht stimmt. Es gehört nämlich ein Gefühl für Rhythmus und Melodie dazu. (Fabian Becker)

Das ist Rolf Jaene

Rolf Jaene (94) arbeitete vor seinem Ruhestand als Lehrer. Er unterrichtete unter anderem die Fächer Deutsch, Erdkunde und Biologie. Zuletzt war der Pensionär bis ins Jahr 1991 an der Gesamtschule Melsungen tätig. Anschließend begann er damit, Gedichte zu schreiben. Rolf Jaene hat vier Töchter, zehn Enkel und acht Urenkel. Der 94-jährige Witwer wohnt in Melsungen. Er hat bisher drei Bücher veröffentlicht.

Diese Bücher hat Rolf Jaene veröffentlicht

Wer Gedichte des Melsungers Rolf Jaene lesen möchte, kann die illustrierten Bände für zehn Euro pro Buch kaufen. Sie sind in Melsungen in der Brückenbuchhandlung und im Kurhessen-Lädchen erhältlich. Insgesamt hat der 94-Jährige drei Bücher in der Reihe „Gedichte aus’m Leben“ veröffentlicht. Sie heißen „Freitag der Dreizehnte“, „Ein Teller Haferbrei“ und „Wo ist denn nur die Zeit geblieben?“.

Ein Gedicht von Rolf Jaene: Heißes Wasser

Zwei saßen zusammen, und der eine sprach:
„Ich hab’ eine gute Idee.
Ich setze mal eben Wasser auf,
und wir kochen uns einen Tee.“ –
Gesagt getan! Und der andre sagt:
„Schau her! Dann siehst du es ja.
Hier in dem Kocher ist von vorhin
noch viel heißes Wasser da.“
„Ach, wie gut“, meint der Erste ganz entzückt,
das kann uns noch nützlich sein.
Heißes Wasser braucht man immer mal.
Weißt du was? – Wir frieren es ein!“

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