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Fachkräftemangel in der Region: Florist schloss Filiale in Melsungen wegen Fachkräftemangels

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Von: Fabian Becker

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Zu verkaufen: Die ehemalige Filiale von Florist Walter Salzmann an der Kasseler Straße 3 in der Melsunger Innenstadt steht heute leer.
Zu verkaufen: Die ehemalige Filiale von Florist Walter Salzmann an der Kasseler Straße 3 in der Melsunger Innenstadt steht heute leer. © Damai D. Dewert

Immer mehr Betrieben fehlen Fachkräfte und Auszubildende. Mit unserer Serie „Ein Thema eine Woche“ beleuchten wir das Problem aus verschiedenen Perspektiven. Heute: die Floristen.

Melsungen – Nicht nur Betriebe, auch Kunden leiden unter fehlenden Fachkräften und Auszubildenden. Das ist zum Beispiel beim Melsunger Florist Walter Salzmann zu sehen. Er hat seine Filiale an der Kasseler Straße geschlossen, weil er nicht mehr genug Personal fand. Der Weg zu seiner anderen Filiale an der Grünen Straße ist für viele Kunden nun deutlich länger. „Für die, die nicht gut zu Fuß sind und nicht Autofahren können, tut es mir leid“, sagt er. „Für diese Menschen bieten wir daher einen Lieferservice an.“

Zwei Jahre hat Salzmann vergebens nach Auszubildenden gesucht. Zwar gab es ein paar Bewerber, doch sie hätten den Anforderungen nicht entsprochen: zumindest einen Hauptschulabschluss haben, Grundrechenarten beherrschen, Kreativität mitbringen und freundlich mit Kunden umgehen können. Das sei nötig, um den Aufgaben eines Floristen gerecht zu werden. „Dazu gehört zum Beispiel schöne Sträuße für ein vorgegebenes Budget binden sowie Blumen verkaufen und pflegen“, sagt Salzmann. Haupt- und Realschüler würden darin in der Regel drei Jahre ausgebildet, Abiturienten nur zwei Jahre.

Ist endlich fündig geworden: Florist Walter Salzmann hat nach zwei Jahren Suche wieder eine Auszubildende.
Ist endlich fündig geworden: Florist Walter Salzmann hat nach zwei Jahren Suche wieder eine Auszubildende. © Fabian Becker

Doch Auszubildende zu finden, ist nicht nur wegen der Anforderungen ein Problem: „Die Bewerberzahlen gehen seit etwa 2016 immer weiter zurück“, sagt der Florist. „Seitdem die geburtenschwachen Jahrgänge die Schulen abschließen.“ Viele mögliche Bewerber entschieden sich wegen der vergleichsweise niedrigen Löhne und den Arbeitszeiten für andere Berufe. „Wir machen unser Hauptgeschäft am Samstag, doch die Wochenendarbeit schreckt viele ab.“ Abzubildende verdienten 580 bis 750 Euro brutto, Floristen, die in Vollzeit arbeiten, etwa 2100 Euro brutto. „Die Industrie bietet deutlich mehr.“

So kam es, dass Salzmann nach und nach die Fachkräfte ausgingen. Neue Floristen fand er nicht. In der Pandemie reichte das Personal dann nicht mehr für zwei Filialen. Zwei zusätzliche Vollzeitfloristen und eine Aushilfe wären dafür nötig gewesen. „Ich habe dann die Filiale in der Innenstadt geschlossen, da dort in der Pandemie zu wenig los war“, sagt der Florist. Das Geschäft mit den Kunden am verbliebenen Standort habe sich nun eingespielt. „Es gibt mehr Parkplätze, das kommt uns entgegen, da Blumen oft mit dem Auto transportiert werden.“

Und vor Kurzem gab es einen Hoffnungsschimmer: Salzmann hat eine Auszubildende gefunden, die im August startet. Sie habe sich in einem Praktikum und bei einem Ferienjob für die Arbeit als Floristin begeistert. (Fabian Becker)

Mehr zur Serie „Fachkräftemangel in der Region“

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Ein Thema eine Woche: Fachkräftemangel in der Region“. Mehr zum Thema gibt es in weiteren Teilen.

Wie Migration dem Fachkräfte- und Auszubildenenmangel entgegenwirken kann, lesen Sie hier.

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