Blicke über die Stadtmauern:

Hobbymaler plant Bildband über das historische Melsungen

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Pinselstriche für die Melsunger Stadtansichten: Hobbymaler Manfred Kehl aus Melsungen hat seine Heimatstadt in historischen Ansichten verewigt.

Wer genau hinsieht, kann auf manchen Bildern Emma entdecken. Dabei hat die Beagle-Hündin gar nicht im Melsungen des Spätmittelalters gelebt. Aber Manfred Kehl, ihr Herrchen und Hobbylandschaftsmaler, hat sie auf vielen Gemälden seiner Heimatstadt verewigt.

Jetzt will er 80 seiner Bilder in einem Band drucken lassen. Der Prototyp mit dem Titel „Melsungen einmal anders gesehen“ ist bereits fertig.

Die Ölbilder stehen in dichten Reihen im Atelier des Hobbymalers. In den Keller des Hauses zieht er sich abends zurück, um das Melsungen vergangener Jahrhunderte wieder aufleben zu lassen.

In der Schule sei Kunst immer sein Lieblingsfach gewesen, erzählt der 74-Jährige. Und die Mädchen wollten immer, dass er etwas in ihre Poesiealben malte. Vertieft hat er seine Malereitechniken aber erst, seitdem er als Techniker in der Fachrichtung Haustechnik im Ruhestand ist. Der Vater von zwei Kindern und zweifache Opa hat Museen besucht, alte Meister studiert und manche kopiert, zum Beispiel Carl Spitzweg, seinen Lieblingsmaler der Spätromantik und des Biedermeiers.

Melsungen anno dazumal: Die Vortoranlage des Brückentores in Melsungen.  

Kehl malt ein sauberes Melsungen: Selbst auf seinen Bildern des Spätmittelalters geht es ordentlich zu, keine Matschlöcher und Pfützen, keine Misthaufen und Dreckecken. Und doch wecken seine Bilder Ideen im Kopf, wie es früher in Melsungen ausgesehen haben könnte. Originalbilder gibt es kaum, außer einiger Kupferstiche von Merian und Dillich und Skizzen des Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1592 bis 1627). Um einen Eindruck vom Leben in Melsungen von früher zu bekommen, hat Kehl Chroniken gelesen und sich mit seinen Vereinskollegen vom Melsunger Geschichtsverein beraten.

Manfred Kehls Bilder zeigen die Drohnenperspektive und lassen Blicke über die Stadtmauern und Häuserreihen auf die Straßen und Plätze und zwischen die Tore zu. Zum Beispiel die erste Melsunger Burg um 1400 mit dem nahegelegenen Kasselertor, das Stadttor mit einer Zugbrücke, die Melsunger Schlossanlage um 1600 aus verschiedenen Blickrichtungen. Außerdem Stadtansichten, die beispielsweise die kleine Kapelle St. Georg zeigen, die um 1303 erstmals urkundlich erwähnt wurde, die St. Georgsfurt, der Kreuzungsbereich der heutigen Fritzlarer und Kasseler Straße um 1600, die verschiedenen Tore und Straßenzüge der heutigen Altstadt.

Winter in der Stadt: Der Blick ins Vordere Eisfeld in Richtung Fritzlarer Straße.

Immer wieder tauchen auch Gänse auf seinen Gemälden auf. Damit hält Kehl ein Bild aus seiner Kindheit malerisch fest: „Abends trotteten immer die Hausgänse von den Grasplätzen an der Fulda im Gänsemarsch zu ihren Besitzern zurück“, verrät er in einem der Texte, die jedes Bild begleiten, beschreiben und erklären.

Viele dieser Bilder hat er schon in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein ausgestellt. Aber weil die Ausstellungen aufwendig sind, arbeitet er seit acht Jahren an dem Bildband-Projekt. Nun ist er auf der Suche nach einem Verlag. Er hofft, dass es das Buch im Frühjahr zu kaufen gibt. Ein Teil des Erlöses will er dem Verein für ein zukunftsfähiges Melsungen stiften. " ARTIKEL UNTEN

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