Erbschein fehlte - deswegen keine Abrechnung möglich

Nach Tod des Zahnarztes: Witwe kämpft für Praxis in Melsungen

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Probleme mit der Praxis: Lars Neudam war Zahnarzt in Melsungen - jetzt hat seine Witwe Ärger mit Behandlungsabrechungen, da sie keinen Erbschein hatte. 20.000 Euro kostet der Betrieb der Praxis in Melsungen pro Monat über den Daumen gepeilt. Bei diesem Motiv handelt es sich um ein Symbolbild.

Als der Melsunger Zahnarzt Lars Neudam völlig überraschend starb, wusste niemand, wie es weitergehen soll. Weil der Erbschein fehlte, kam die Witwe in Schwierigkeiten.

Aktualisiert um 11.39 Uhr - Neudam starb Ende Oktober 2018 im Alter von 68 Jahren. Weder seine vier Angestellten noch seine vielen Patienten wussten, wie es weitergehen soll. Am allerschlimmsten war es für seine Witwe Waltraut, die nun plötzlich die Verantwortung für die Zahnarztpraxis hatte. Sie ist aber keine Zahnärztin, sondern Studienrätin. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung drehte ihr dann noch den Geldhahn zu, kritisiert sie. Und es gab noch weitere Hürden – Zeit für Trauer blieb kaum.

Zahnarzt-Behandlung darf nicht ohne Erbschein abgerechnet werden

Als Witwe durfte Waltraut Neudam zwar die Praxis geschäftlich fortführen. Kollegen ihres Mannes übernahmen stundenweise Termine („Wir waren bis Weihnachten mit Terminen voll.“). Aber: Geld für die Behandlungen durfte Waltraut Neudam mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung nicht abrechnen, weil sie keinen Erbschein hatte.

Diesen konnte sie erst im November 2018 beantragen, das Amtsgericht teilte ihr mit, dass der Antrag nicht vor Ende Januar 2019 bearbeitet werden könne. „Mir wurde finanziell der Hahn abgedreht.“ Dabei liefen Praxismiete, Nebenkosten und Personalkosten weiter. Drei Monate habe sie die Praxis vorfinanzieren müssen, erst kürzlich habe sie den Erbschein erhalten.

Kosten für Zahnarztpraxis bei 20.000 Euro im Monat

Die Kosten der Praxis belaufen sich monatlich auf rund 20.000 Euro, sagt Waltraut Neudam, die Mutter einer erwachsenen Tochter ist. „Ohne Erspartes hätte ich ganz schön blöd dagestanden.“ Eigentlich wollte ihr Mann die Praxis zum Jahresende 2019 abgeben und sich im Laufe des Jahres um eine Nachfolgeregelung kümmern. Dazu kam es aber nicht mehr. Deshalb musste seine hinterbliebene Ehefrau Waltraut das übernehmen. „Das hat mir viele schlaflose Nächte bereitet“, gesteht sie. Schließlich wurde eine Nachfolgerin gefunden: Dr. Julia Carli, 36, aus Treysa.

Es geht weiter: Auch wenn die Hürden hoch waren nach dem plötzlichen Tod des Melsunger Zahnarztes Lars Neudam, geht es in der Praxis weit. Im Bild von links Waltraut Neudam, Claudia Sondermann, Christiane Roß, Natalie Jung, Katja Pucelik-Speier und Zahnärztin Dr. Julia Carli.

Diese war zuletzt in Kassel angestellt und hat noch keine kassenärztliche Zulassung für Melsungen. Denn das zuständige Gremium tagt nur vier Mal im Jahr. Die junge Zahnärztin hofft, dass sie ab 1. April 2019 die Praxis eigenverantwortlich in Melsungen führen kann.

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Honoraransprüche und Erbschein

Um laufende Honoraransprüche mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen sowie noch ausstehende Honorarforderungen gegenüber den Erben erfüllen zu können, sei die Vorlage eines Erbscheines erforderlich. Das teilt Anna Wilker von der Presseabteilung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen (KZV) mit. In Melsungen gibt es sieben niedergelassene Zahnärzte; im Schwalm-Eder-Kreis sind es 90 (Stand Februar 2019). Hinzu kommen noch angestellte Zahnärzte. Nach Mitteilung der KZV kommen auf einen niedergelassenen Zahnarzt etwa als 1680 Einwohner im Schwalm-Eder-Kreis.

Mehr Informationen gibt es in diesem Text: Wissenswertes zur Erbschaftsteuer

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