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Regina Hammerschmidt schließt nach 33 Jahren ihre Melsunger Tierarztpraxis

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Waren am letzten Tag nochmal für die Tiere da: Tiermedizinische Fachangestellte Lisa Finster (links) und Tierärztin Regina Hammerschmidt vor der Praxis in der Melsunger Dreuxallee.
Waren am letzten Tag nochmal für die Tiere da: Tiermedizinische Fachangestellte Lisa Finster (links) und Tierärztin Regina Hammerschmidt vor der Praxis in der Melsunger Dreuxallee. © William Abu El-Qumssan

Dass Regina Hammerschmidt dieser Schritt schwer gefallen ist, ist ihr deutlich anzumerken: Am vergangenen Freitag hat sie die Melsunger Tierarztpraxis Korthaus nach 33 Jahren geschlossen.

Melsungen – In einem Facebook-Beitrag und auf der Homepage der Praxis hatte die 60-Jährige bereits im Vorfeld über die Schließung informiert. Sie nennt gesundheitliche Gründe für die Entscheidung. Allmählich fühle sie sich ausgelaugt und weniger belastbar – das Selbstständigsein forderte wohl auf Dauer zu viel von der Tierärztin. „Eine Praxis zu leiten erfordert weit mehr, als die Versorgung der Tiere“, sagt Regina Hammerschmidt. „Da kommen viel Organisation und Administratives hinzu.“

Außerdem würden die besorgten Tierbesitzer zu jeder Tages- und Nachtzeit klingeln. „Und ich kann da viel zu selten Nein sagen.“ Auch daran ist Hammerschmidt anzumerken, dass der Beruf für sie auch eine Berufung war.

Was auch Hammerschmidt selbst ein wenig überrascht hat: Sie stumpfte mit der Zeit kein bisschen ab in ihrem Job. Ganz im Gegenteil: „Ich reagiere sensibler auf das Leid der Tiere.“ Wenn Tiere eingeschläfert werden müssen, fühle sie sehr stark mit der Emotionalität der Tierbesitzer. Von ihren Kunden erhielt sie immer wieder liebe Worte für ihre Einfühlsamkeit. Da sie selbst zwei Hunde besitzt, versteht sie die Sorgen der Tierbesitzer. „Meine Hunde sind für mich wie meine Kinder“, sagt sie und lacht.

Durch ihre Kinder ist die Tierärztin bei einem Urlaub auch auf die Tierwelt von Costa Rica aufmerksam geworden. Sie berichtet schwärmend von einer Dschungelkulisse mit Affenrufen und Papageiengeträller. Dabei entging ihr der liebevolle Umgang mit den Tieren in Costa Rica nicht. Sichtlich beeindruckt berichtet sie von der Tierliebe und dem aus ihrer Sicht vorbildlich geleisteten Naturschutz.

„Die Menschen machen dort wirklich viel für die Tiere.“ Fast so exotisch ging es auch hin und wieder in ihrer Praxis zu. Zwar seien Hunde und Katzen sowie Kanischen und Meerschweinchen die gängigsten Patienten gewesen. Hin und wieder war aber auch mal eine Echse oder ein exotischer Vogel dabei. „Gerade bei den Echsen habe ich häufig im Frankfurter Zoo angerufen, die konnte mir gut helfen“, sagt die Tierärztin.

An der Schließung der Praxis hängt aber auch die Zukunft der Mitarbeiter. Darunter auch Lisa Finster, die vor neun Jahren ihre Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten bei Regina Hammerschmidt gemacht hat. Sie war auch bei der letzten Sprechstunde mit ihrer Chefin in der Praxis. „Wir sind hier wie eine Familie“, sagt Lisa Finster. Sie wollte schon früher immer etwas mit Tieren machen, ein Praktikum in der Tierarztpraxis habe sie davon überzeugt, dass das Richtige ist. Sie werde erstmal nicht in einer anderen Tierarztpraxis arbeiten.

Regina Hammerschmidt hat nun entschieden, dass es für sie das Beste ist, in Rente zu gehen. Trotz intensiver Suche hat sich für die Praxis kein Nachfolger gefunden. „Wenn man ins Deutsche Tierärzteblatt schaut, sieht man unzählige Inserate“, sagt die 60-Jährige. Natürlich habe sie sich gewünscht, dass an dem Standort an der Dreuxallee ein Tierarzt erhalten bleibt.

Für Regina Hammerschmidt geht es nun erstmal in den Urlaub, um den emotionalen Abschied sacken zu lassen.

(Emily Naatz und William Abu El-Qumssan)

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