In den Gruben stand das Wasser:

Verzögerter Bau des Krankenhauses: Sonnenhang-Problematik schon lange bekannt

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Dass in den Melsunger Teichwiesen mal ein Krankenhaus-Neubau stehen wird, kann sich Dieter Wallbaum nicht vorstellen. Seit vielen Monaten tut sich an der Baustelle nichts.

Es gibt dort „unerwartet starke Bodenwasservorkommen“, wie Asklepios in einer Pressemitteilung vor Monaten feststellte. Dieter Wallbaum, 72, sagt: „Alle alten Melsunger wissen, dass das ein wasserführendes Gebiet ist.“

Wallbaum ist pensionierter Oberstaatsanwalt, lebt in Lohfelden und ist in Melsungen aufgewachsen. Sein Elternhaus stand an der Kasseler Straße; 1957 entschied sein Vater, am Sonnenhang zu bauen. Der damalige Architekt Hans Tollhopf soll ihn auf das schwierige Baugelände hingewiesen haben, „und dass ordentliche Dränagen verlegt werden müssen“ , wie Wallbaum berichtet.

Dieter WallbaumMelsunger

Er war damals neun Jahre alt und kann sich noch gut an die Zeit des Hausbaus erinnern. Es war ein besonderes Grundstück, denn dort standen noch 20 Gräber mit Umfassungen und Grabsteinen. Der Friedhof wurde aber nicht mehr genutzt und im Sommer 1959 geschlossen. Der Grund steht in der Melsunger Chronik von Jürgen Schmidt: „Die alte Melsunger Bezeichnung „Faules Loch“ erweist sich als zutreffend, in den Gräbern steht das Wasser.“ Die 130 Quadratmeter große Friedhofs-Parzelle mit den Gräbern lag eingeklinkt am Rande des Wallbaumschen Grundstück am Sonnenhang. Ein Grab mit einem großen Stein stand etwas weiter links, es war das Grab von Anna Sarrazin. 

Dort stand auch eine Weide, „ein richtig riesiges Teil“, berichtet Wallbaum, „und die wächst nur dort, wo Wasser ist.“ Der Baum war so groß, dass er später Stück für Stück abgetragen werden musste. Als die Wallbaums die Grube für ihr Haus aushuben, das war im sehr heißen Sommer 1959, stand am nächsten Morgen das Wasser so tief im Loch, dass sie nur in Gummistiefeln weiterarbeiten konnten. „Das sah aus wie ein See.“

In den Teichwiesen, wo heute die Asklepios-Baugrube liegt, gab es Quellen: „Wir lauschten immer an den Brunnendeckeln und hörten das Wasser rauschen.“ Über einen solchen Hinweis aus der Bevölkerung hätte sich Asklepios damals gefreut, sagt Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch rückblickend. Mit der Stadt sei der Grundstückstausch vereinbart worden, ohne dass Asklepios die besondere Situation bekannt gewesen sei.

Allerdings hätten die Bodenuntersuchungen und Bohrungen keinerlei Hinweise auf problematisches Wasser geliefert.

Die Situation verteuere den Bau zwar, aber mittlerweile sei eine bautechnische Lösung gefunden worden, sagt Federwisch.

Gräber wurden umgebettet

Im Jahr 1919 wurde am Melsunger Sonnenhang ein Friedhof angelegt. Zwei Jahre später wurden dort die ersten Verstorbenen bestattet. Aber der Standort erwies sich als ungünstig, weil die ausgehobenen Grabgruben noch vor der Beisetzung voll Wasser standen. Die offizielle Einweihung wurde immer wieder verschoben, 1926 war es dann soweit. 

Ein Jahr später wurden die Bestattungen nach weiteren Bodenuntersuchungen endgültig eingestellt. Bis dahin gab es dort bereits 30 Beisetzungen. Die letzte Beisetzung war am 4. Juli 1926. So steht es im Grundbuch der Stadt Melsungen. 1957 wurden mehrere Gräber und Grabsteine auf den alten Friedhof am Eulenturm umgebettet. 

Auch das Grab von Anna Sarrazin wurde umgebettet. Die Frau des früheren Melsunger Kreisrats Richard Sarrazin (1920-1926) war im Alter von 31 Jahren im Oktober 1920 im Diakonissenhaus in Kassel gestorben – an den Folgen einer Geburt. Ihr umgebettetes Grab wurde 1980 eingeebnet. 1956 wurde der Friedhof am Huberg eröffnet. Erst im Sommer 1959 wurde der Sonnenhang-Friedhof offiziell geschlossen. Entwidmet wurde er jedoch erst im Jahr 1972.

Asklepios investiert 800 000 Euro in Melsunger Krankenhaus.

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