INTERVIEW mit Ärztin Susanne Schachtrupp

Melsunger Ärzte im Corona-Einsatz: So lief das Impfen im Dr.-Horst-Schmidt-Haus

Am Samstag war ein mobiles Impfteam im Dr.-Horst-Schmidt-Haus in Melsungen im Einsatz. Die Melsunger Ärztin Susanne Schachtrupp impfte auch Heimmitarbeiterin Nathalie Belz.
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Am Samstag war ein mobiles Impfteam im Dr.-Horst-Schmidt-Haus in Melsungen im Einsatz. Die Melsunger Ärztin Susanne Schachtrupp impfte auch Heimmitarbeiterin Nathalie Belz.

Mobile Teams sind derzeit in ganz Deutschland unterwegs, um Senioren und Pflegekräfte in Altenheimen gegen das Coronavirus zu impfen. In Melsungen war am Samstag ein Team um die Melsunger Allgemeinmediziner Elmar Holle und Susanne Schachtrupp im Einsatz.

Melsungen - Sie impften mehr als 180 Bewohner und Mitarbeiter des Awo-Altenzentrums Dr.-Horst-Schmidt-Haus. Die Aktion dauerte fünfeinhalb Stunden.

Frau Schachtrupp, wie wurden Sie von den Bewohnern und dem Team im Seniorenheim empfangen?

Es herrschte eine gute und fröhliche Stimmung. Alle zeigten sich sehr aufgeschlossen. Die Heimleitung hatte alles hervorragend vorbereitet, sodass die Aktion wirklich schnell und problemlos lief. Ein Aufenthaltsraum diente als Impfraum.

Äußerten die Bewohner Sorgen wegen der Impfung?

Nein, überhaupt nicht. Es kam mal eine Frage auf wegen einer Allergie oder wegen der Einnahme von Blutverdünnern, aber Angst vor der Impfung äußerte niemand. Wobei man aber auch sagen muss, dass für einen großen Teil der Bewohner Corona als solches gar nicht präsent ist. Für viele hat ein Betreuer über die Impfung entschieden.

Ließen sich alle Mitarbeiter im Seniorenheim impfen?

Nein, leider nicht. Wir haben 61 Mitarbeiter geimpft, beschäftigt sind 100. Meiner Ansicht nach ist das zu wenig. Mit einigen habe ich nach der Aktion noch sprechen können. Einige wollen lieber noch abwarten. Manche haben danach aber auch gesagt, dass sie es bereuen, sich nicht haben impfen zu lassen. Ich hoffe sehr, dass sich der eine oder andere noch zu einer Impfung entschließt.

Können Sie nachvollziehen, dass sich so viele Mitarbeiter in Pflegeberufen nicht impfen lassen?

Ich kann die Sorgen zwar verstehen, aber richtig nachvollziehbar ist das für mich nicht. Es sind auch nicht nur die Pflegeberufe, ich kenne das auch aus dem ärztlichen Bereich. Eigentlich müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, sich impfen zu lassen, weil wir es in unseren Berufen mit Schutzbefohlenen zu tun haben. Ich lasse mich auch gegen Grippe impfen. Nicht, weil ich Angst habe, besonders schwer zu erkranken, sondern weil ich niemanden anstecken möchte. Ich glaube, wenn die Coronaimpfung mehr zur Routine geworden ist, werden sich noch mehr impfen lassen.

Wer gehörte noch zum Impfteam am Samstag?

Zum Team gehörten drei Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz, die auch den Impfstoff mitgebracht haben, vier Mitarbeiter aus Apotheken, die den Impfstoff vorbereiteten und die Spritzen aufzogen und mein Kollege, Dr. Elmar Holle, zwei unserer Mitarbeiterinnen aus der Praxis und ich.

In drei Wochen folgt mit der Gabe der zweiten Impfdosis die zweite Aktion im Dr. Horst-Schmidt-Haus. Was wünschen Sie sich dafür?

Dass alles wieder genauso toll organisiert ist und reibungslos abläuft wie beim ersten Mal. Ein bisschen aufgehalten hat diesmal noch, dass jeder, der geimpft wurde, vier Seiten an Formularen mitbringen musste. Dazu gehören unter anderem eine Datenschutzerklärung und die unterschriebene Impfaufklärung. Die Formulare mussten immer alle durchgesehen werden. Aber das soll beim nächsten Mal in digitaler Form vorliegen. Das spart uns Zeit.

Wie fühlen Sie sich selbst nach der Aktion?

Ich bin sehr erleichtert, dass alles so problemlos verlief. Auch, dass es keine Komplikationen gab. Direkte Impfreaktionen sind in der Zeit, in der wir dort waren, bei keinem der Geimpften aufgetreten. (Carolin Hartung)

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