Melsunger Amtsgericht für mehr Sicherheit umgebaut

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Da muss jeder durch: Amtsgerichtsdirektor Dr. Jürgen Kitzinger (vorne) geht durch den Personalscanner. Hinten von links Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Justizwachtmeister Bernd Gabel und der Präsident des Kasseler Landgerichts Albrecht Simon. Im Hintergrund rechts ist die Scheibe aus kugelsicherem Glas zu sehen, die seit dem Umbau die Justizwachtmeister im Eingangsbereich des Gerichts schützt.

Melsungen. Die Umbauten für mehr Sicherheit am Melsunger Amtsgericht sind abgeschlossen. Eine Schießerei mit zwei Toten am Frankfurter Amtsgericht Anfang 2014 war der Auslöser für die baulichen Veränderungen.

Das Hessische Justizministerium will die Sicherheit an hessischen Gerichten erhöhen. Von den Neuerungen in Melsungen überzeugte sich am Donnerstag Justizministerin Eva Kühne-Hörmann.

Die Kontrollen

Schon vor den Umbauten musste jeder Besucher am Melsunger Amtsgericht durch einen Personalscanner gehen - dieses Gerät kennt man zum Beispiel von den Passagierkontrollen am Flughafen. Es registriert, ob eine Person Metallisches am Körper trägt.

Darüber hinaus wird jeder, der das Amtsgericht betritt, von einem Justizwachtmeister mithilfe einer Sonde auf Waffen kontrolliert. Personen, die sehr häufig im Gericht ein- und ausgehen - neben den Mitarbeitern sind das zum Beispiel Rechtsanwälte - müssen allerdings nicht kontrolliert werden. Die Wachtmeister haben Listen mit den Namen dieser Personen vorliegen.

Der Notrufknopf

Bestimmte Räume - etwa der Gerichtssaal - sind mit einem Notrufknopf ausgestattet. Wenn zum Beispiel während einer Verhandlung eine bedrohliche Situation entsteht, kann der Richter diesen Knopf drücken, ohne dass die anderen Anwesenden im Raum dies bemerken. Damit wird der Justizwachtmeister alarmiert, der dann seinerseits die Polizei informieren kann.

Der Draht zur Polizei

Das Amtsgericht pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei. Wenn eine Gerichtsverhandlung problematisch werden könnte - etwa, weil es um einen Sorgerechtsstreit geht, bei dem die Emotionen schnell hochkochen - kommt es vor, dass von vorneherein Polizeibeamte im Gerichtssaal für Sicherheit sorgen.

Der Umbau

Die Umbauten am Amtsgericht Melsungen haben Anfang November begonnen. Besonders offensichtlich sind die Veränderungen im Gebäude A des Amtsgerichts. Früher befand sich der Empfangsschalter unmittelbar gegenüber der Eingangstür. Das ließ den Justizwachtmeistern kaum Zeit zum Reagieren, wenn jemand das Gebäude betrat. Jetzt sitzen die Wachtmeister in einem abgetrennten Raum, der etwas weiter nach hinten versetzt ist. Besucher müssen zunächst durch den Personalscanner gehen, dann erst kommen sie an dem Raum vorbei. Dieser ist von außen nicht zu öffnen. Durch Scheiben aus kugelsicherem Glas haben die Justizwachtmeister den Empfangsraum im Blick. Im Gebäude B des Amtsgerichts ist die wichtigste Neuerung eine Tür, die nach der Sicherheitskontrolle passiert werden muss. Diese können nur die Justizwachtmeister öffnen. Besucher können also nach der Kontrolle nicht einfach ins Gericht stürmen.

Das Melsunger Amtsgericht in Zahlen:

30 bis 50 Personen pro Gerichtsgebäude werden täglich kontrolliert.

36 Mitarbeiter sind am Amtsgericht Melsungen beschäftigt.

200 Waffen - vor allem Messer - wurden bei den Eingangskontrollen innerhalb eines Jahres gefunden. Für die Justizwachtmeister ist das Alltag: Allein am Donnerstagvormittag entdeckten sie zwei kleine Taschenmesser und ein Cuttermesser bei den Besuchern. In der letzten Zeit wird gerade bei Frauen vermehrt Pfefferspray gefunden - auch das darf nicht mit ins Gericht genommen werden.

300 Strafsachen werden pro Jahr in Melsungen verhandelt. Hinzu kommen Zivil- und Familiensachen.

45 000 Euro haben die Umbauten für mehr Sicherheit am Amtsgericht Melsungen gekostet.

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