Melsunger Edeka-Lädchen schließt: Kein Nachfolger in Sicht

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Ladenschluss nach 49 Jahren: Günter Voland aus Herlefeld schließt zum 31. Juli 2015 das Edeka-Lädchen in der Rotenburger Straße in Melsungen. Mit im Bild seine Frau Marita.

Melsungen. Zum 31. Juli schließt das Edeka-Lädchen in der Rotenburger Straße in Melsungen. Es ist das letzte Lebensmittelgeschäft in der Altstadt.

Geführt wurde es seit 29 Jahren von Günter Voland, der seit 1981 auch das Lädchen in Herlefeld betreibt. Dieses schließt Ende Juni.

Mit Günter Voland verlässt eine Melsunger Institution die Innenstadt: Der Kaufmann schließt zum 31. Juli sein Edeka-Lädchen an der Rotenburger Straße. Den größten Teil seines Lebens hat der gebürtige Herlefelder in dem Laden verbracht, denn Voland war 14 Jahre alt, als er bei Kaufmann Karl Hast an der Kasseler Straße die Lehre begann. Nun ist er 63, und für seine Gesundheit hat er entschieden, den Laden aufzugeben. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Der Schritt fällt ihm nicht leicht. Denn er musste seinen fünf Teilzeit-Mitarbeiterinnen kündigen, die sich nun arbeitslos melden müssen. Sie haben wie ihr Chef einen persönlichen Kontakt zu den Kunden, die wie selbstverständlich im Laden geduzt werden. Kaufmann Voland hat immer einen freundlich-flotten Spruch auf den Lippen und weiß, was den Melsungern schmeckt, denn der Großteil seiner Kunden kauft schon seit Jahrzehnten bei ihm ein.

Voland ist in einer Kaufmannsfamilie aufgewachsen: Schon sein Großvater hatte in Herlefeld einen Kolonialwarenladen. Sein Vater übernahm das Geschäft, seit 1981 ist Günter Voland dort Chef. Der Laden befindet sich in Volands Wohnhaus, ist 20 Quadratmeter groß und mittlerweile nur noch an zwei Nachmittagen in der Woche geöffnet. Er wird bereits Ende Juni geschlossen. Dann wird der Laden wieder in die Wohnung integriert, zu Volands Schlafzimmer umgebaut, und das Schaufenster wird bis auf ein Fenster zugemauert. Damit geht ein Stück Herlefelder Geschichte zuende.

Seit 1986 ist Günter Voland auch Chef des 105 Quadratmeter großen Edeka-Ladens in Melsungen. „Damals war das noch ein Supermarkt“, sagt er, „heute ist es nur noch ein Tante-Emma-Laden.“ Aber er ist der einzige in der Altstadt. Insbesondere Senioren schätzen die Lage, die persönliche Bedienung und die herzliche Art des Kaufmanns. „Ich berate die Leute gerne“, sagt Voland, „und rege auch an, mal was Neues zu probieren.“

Hinter dem kleinen Laden steckt viel Arbeit, genauer gesagt eine 70 Stunden-Woche: Morgens um 7 beginnt der Tag mit Obst- und Gemüsekisten rausstellen und auf Frische und Qualität kontrollieren. Gegen 19 Uhr endet der Tag im Laden. Zuhause, in Herlefeld, sitzt er dann wieder am Computer: Kassenbuch führen, Wochenabrechnung machen, Hauptbestellung für die nächste Woche tätigen.

Nur donnerstags ist für Voland pünktlich Schluss, denn um 20 Uhr beginnt die Chorprobe des Männergesangvereins Herlefeld. Dort singt Voland im 1. Bass - sein einziges Hobby, für das er sich Zeit nimmt.

Seit 16 Jahren hatte Voland keinen Tag Urlaub, mit seiner Frau Marita, mit der er seit 31 Jahren verheiratet ist, war er erst zwei Mal im Urlaub. Sein großer Traum ist Norwegen: „Einmal die Mitternachtssonne sehen, das war schon immer mein großer Wunsch.“ Das soll nun bald Wirklichkeit werden. Und er möchte mit seiner Frau Deutschland bereisen.

Damit ihm im Ruhestand nicht die Decke auf den Kopf fällt, will er sich wieder einen Hund anschaffen, einen Schäferhund. Mit dem kann er dann viel spazierengehen: „Länger als eine halbe Stunde im Liegestuhl ausruhen - das ist nichts für mich.“

Wie geht es mit dem Melsunger Laden weiter? Einen Nachfolger gibt es bislang nicht. Während der jüngsten Melsunger Stadtverordnetenversammlung teilte Bürgermeister Markus Boucsein mit, eine Anfrage bei Edeka Hessenring habe ergeben, dass es aufgrund der zu geringen Größe und des damit verbundenen zu geringen Umsatzes keine Ambitionen gebe, den Laden zu übernehmen. Auch bei Tegut wurde für das Konzept „Lädchens für Alles" angefragt. Auch hier gab es eine Absage.

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