Melsunger fand alte Zeitungen mit ähnlichem Zugunglück wie in Bayern

Dramatisches Zugunglück: Der Melsunger Till Krapp entdeckte während der Abrissarbeiten am Bahnhof in einem Schuttcontainern alte Zeitungen mit Berichten zu einem dramatischem Zugunglück im Jahr 1957. Foto: Dewert

Melsungen. Zwei tragische Zugunglücke mit Parallelen: Till Krapp bewahrte zwei Ausgaben der Kasseler Zeitung und des Melsunger Tageblatts vor dem Müll. In beiden Ausgaben war am 2. Oktober 1957 der Aufmacher ein tragisches Zugunglück mit zehn Toten und dutzenden Verletzten in Bad Cannstatt bei Stuttgart.

Die Zeitungen entdeckte der Hobbyfotograf in Schuttcontainern am Melsunger Bahnhof. „Das war im Jahr 2011“, erinnert sich der 74-jährige Melsunger. Er habe damals den Abriss und den Umbau dokumentiert.

Die Bahnangestellten und Bahnhofswärter hätten auf dem Dachboden des Bahnhofsgebäudes allerhand archiviert - unter anderem die beiden Zeitungsausgaben des dramatischen Zugunglücks, das deutschlandweit ein ebenso großes Medienecho fand wie der aktuelle Zugunfall mit ebenfalls zehn Toten und vielen Verletzten.

Dramatisches Zugunglück: Der Melsunger Till Krapp entdeckte während der Abrissarbeiten am Bahnhof in einem Schuttcontainern alte Zeitungen mit Berichten zu einem dramatischem Zugunglück im Jahr 1957. Foto: Dewert

Auch damals waren zwei Züge zusammengestoßen und schoben sich im Bahnhof regelrecht ineinander. 1957 war dem Stellwerkleiter gemeldet worden, dass der Schorndorfer Zug bereits ausgefahren sei. Ein Zug von oder nach Waiblingen erhielt daher auf demselben Gleis Einfahrt. Die Züge prallten laut Zeitungsbericht mit 40 km/h aufeinander. Beide waren mit etwa 600 bis 700 Passagieren besetzt. In einem fuhren überwiegend Schüler und in dem anderen - einem Arbeiterzug - zum Großteil junge Erwerbstätige mit.

An den Bahnhöfen, also auch in Melsungen, vermutet Till Krapp, habe es damals ähnliche Signalanlagen gegeben. „Die Melsunger Bahnangestellten waren wohl so betroffen von dem Unglück, dass sie die Ausgaben aufhoben und archivierten“, sagt Krapp. So lagen die Zeitungen wohl 54 Jahre auf dem Dachboden des Melsunger Bahnhofs.

Er habe im HNA-Archiv den Fall weiter recherchiert, die Signalwärter seien im Bad Cannstatter-Fall zu Haftstrafen verurteilt worden.

Das aktuelle Unglück habe ihn sehr bewegt. Er könne sich nicht erklären, wie heutzutage eine solche Katastrophe geschehen könne, angesichts moderner Technik und Überwachung.

• Aufruf: Wir suchen Menschen, die die damaligen Bahnmitarbeiter in Melsungen kennen oder kannten. Wer weiß, wer damals die Ausgaben archiviert hat?

• Kontakt: Melsunger Allgemeine unter E-Mail melsungen@hna.de oder unter Tel. 05661/705715

Lesen Sie auch unseren Ticker zur Zugkatastrophe in Bad Aibling

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