Post von der Brieftaube

Melsunger findet Brief aus dem Ersten Weltkrieg

Brief aus dem Ersten Weltkrieg
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Ein Brief aus dem Krieg: Till Krapp aus Melsungen fand die Nachricht von 1916 bei einer verstorbenen Verwandten und will das Dokument jetzt an ein Museum spenden.

Bei der Haushaltsauflösung einer Verwandten machte der Melsunger Till Krapp (79) jetzt einen besonderen Fund. Ihm fiel eine Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg in die Hände.

Melsungen – In einem kleinen Aluminiumröhrchen wurde der Brief per Brieftaube 1916 nach Melle in Niedersachsen verschickt. Absender war Carl Matthesius, der von 1914 bis 1918 als Hauptmann und Bataillonskommandeur diente. In dem Brief an seine Frau Elisabeth Luise Matthesius schrieb er: „Mein geliebter Schatz, heute ist der letzte Tag in Stellung, denn in dieser Nacht werden wir abgelöst, und dann geht es erst nach hinten in Ruhe. Wir freuen uns alle, dass wir hier fortkommen. Die nächsten beiden Tage marschieren wir, dann folgt Brief.“

Krapp ließ den Text, der in Sütterlinschrift verfasst wurde, von einem Mitglied des Melsunger Geschichtsverein übersetzen. Gefunden hat er den Brief bei der Haushaltsauflösung von Marie-Luise Roth, der Tochter von Carl und Elisabeth Luise Matthesius. Sie war die Cousine von Krapps Mutter und lebte in Bad Homburg. Versteckt in einem kleinen Umschlag mit der Aufschrift einer Apotheke, erkannte Krapp zuerst nicht die Bedeutung dessen, was er in den Händen hielt: „Ich dachte, in dem Umschlag sei nichts Besonderes drin. Zum Glück öffnete ich ihn“, erzählt er. Dabei lag ein Zettel: „Dies Briefchen schickte Vati mit 1 Brieftaube aus dem 1. Weltkrieg nach Melle“, geschrieben von Roth.

Till Krapp aus Melsungen fand einen Brief aus dem Ersten Weltkrieg.

Zusätzlich fand er zwei Aluminiumhülsen, in denen die Briefe mit Brieftauben verschickt worden waren. In einem steckt noch immer das andere identische Exemplar des Briefes. Damit der Brief auch ankommt, wurde er doppelt verschickt: „Falls eine Taube vom Falken geholt wird“, sagt Krapp.

Wie selten der Fund sei, könne man nicht einschätzen, sagt Siegfried Pietrzak, Vorsitzender des Melsunger Geschichtsvereins. Die Feldpost geht in den nächsten Tagen an das Museum für Kommunikation in Berlin. Denn dort habe man noch keine Post von einer Brieftaube aus dem Ersten Weltkrieg. (ter)

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