„War die Tat eines Einzelnen“

Melsunger Islamgemeinde DITIB stellt antisemitische Inhalte ins Netz

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Nur noch ein Platzhalter: Die Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen ist seit Dienstag offline.

Auf der Internetseite der türkisch-islamischen Moscheegemeinde Melsungen (DITIB) war bis gestern eine Sammlung judenfeindlicher Zitate zu lesen. Der Landesverband distanziert sich.

Unter der Überschrift Yahudiler (Juden) wurde auf der Website ein Lehrtext für die Gemeindemitglieder in türkischer Sprache veröffentlicht, der klar antisemitischen Inhalt hatte. Am Dienstagmittag wurde die Internetseite der Gemeinde komplett offline genommen. Besagte Zitatesammlung war bereits seit Montagabend nicht mehr erreichbar. Auch der Facebook-Auftritt wurde gelöscht.

Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, hat die Sammlung noch gelesen: „In dieser unkommentierten Form dienten die Aussagen nur dazu, den Judenhass zu befeuern.“ Dort waren alle historischen, bösartigen Vorurteile aufgeführt.

„Das war die Tat eines Einzelnen“, sagt dazu der Theologe Selçuk Dogruer vom DITIB-Landesverband Hessen. „Wir distanzieren uns als DITIB Hessen von dieser irrigen Zitatensammlung.“ Die ganze Internetseite sei aus dem Ruder gelaufen und daher offline genommen worden, sagt Dogruer weiter.

Der verantwortliche Webmaster, der auch der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde Melsungen ist, musste umgehend seinen Rücktritt erklären. Die anderen Vorstandsmitglieder hätten von der Seite nichts gewusst.

Mitteilung des DITIB Landesverbandes Hessen (Pdf)

„Der Mann hat unverantwortlich und eigenständig gehandelt. Für religiöse Inhalte ist ausschließlich der Imam zuständig“, sagt Dogruer. Angesichts der angespannten politischen Lage müsse besonders umsichtig kommuniziert werden.

„Wir wollen friedensstiftend agieren und den religiösen Austausch fördern. Wir haben intensiven Kontakt mit anderen Religionen.“ Erst jüngst habe es eine gemeinsame Mahnwache mit der jüdischen Gemeinde in Frankfurt gegeben, sagt der Theologe.

Der Internetauftritt der Melsunger Gemeinde sei leider an anderer Stelle von Netzaktivisten wieder aktiviert worden. DITIB sei aktuell wegen dieser Seite das Ziel verschiedener Scharfmacher aus dem Lager von Rechtspopulisten, sagt Dogruer. Das polarisiere weiter und sei dem friedlichen Dialog nicht zuträglich. „Wir müssen alle Diskussionen versachlichen.“ Der Vorfall sei für jede Annäherung kontraproduktiv.

Der Artikel wurde aktualisiert um 17 Uhr.

Internet-Aktivist Ferdi Azadi war auf die Textsammlung aufmerksam geworden, das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel machte sie dann öffentlich. Der Mainzer FDP-Politiker Tobias Huch kündigte auf seiner Facebook-Seite eine Anzeige gegen die Ditib-Gemeinde an. 

Jonas Dörge vom Bündnis sieht die Nähe der DITIB zum türkischen Staat und der Regierungspartei AKP kritisch. Die DITIB unterstehe dem Präsidium für religiöse Angelegenheiten des türkischen Staats. Das negative Verhältnis von Staatschef Recep Erdogan zu Israel sei bekannt. Das bestätigt Daniel Neumann vom Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden: Die Tiraden von Erdogan kämen via TV – quasi als Heimatfernsehen – nach Deutschland. Dabei seien die Konflikte im Nahen Osten nicht die Konflikte in Deutschland.

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