Melsungen

Melsunger Kaufmann und Karnevalist Wilhelm Gleim ist gestorben

Er war ein Bartenwetzer: Wilhelm Gleim aus Melsungen ist im Alter von 99 Jahren gestorben.
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Er war ein Bartenwetzer: Wilhelm Gleim aus Melsungen ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

Wilhelm Gleim war ein Melsunger Original. Der Kaufmann und Karnevalist war am Marktplatz zuhause: Er wurde Am Markt 12 geboren und ist kürzlich im Alter von 99 Jahren gestorben.

Melsungen – Egal, wen man fragt: Jeder erinnert sich an Wilhelm Gleims fröhliche Art – als waschechter Bartenwetzer, als Geschäftsmann, als Vereinsmitglied. Zuallererst schlug sein Herz für die Familie. Mit seiner Frau Adelheid, die im vergangenen Jahr im Alter von 91 Jahren starb, hat er zwei Töchter. Die beiden hatten sechs Enkel. Seine zweite Liebe aber galt dem Karneval.

Vor 50 Jahren wurde Gleim Mitglied im Melsunger Karnevalsverein (MKC) und sofort Mitglied im Elferrat. Dort saß er dann mehr als 40 Jahre lang bei jeder Gala- und Prunksitzung auf der Bühne – mit blinkender Fliege. „Die war sein Markenzeichen“, sagt Herbert Losleben, der viele Jahre Vorsitzender des MKC war und wie alle anderen auch mit Fliege im Elferrat saß. „Aber Wilhelm Gleim war der Einzige mit blinkenden Birnchen an der Fliege.“

Die blinkende Fliege war sein Markenzeichen

2012 wurde Gleim zum Alterspräsidenten ernannt und eröffnete fortan die Sitzungen mit humorvollen Versen. Denn Gleim reimte für sein Leben gerne. Er war mit Leib und Seele Karnevalist, bis ins hohe Alter. „Oldie war sein liebevoller Spitzname“, sagt Losleben. Selbst als es Wilhelm Gleim gesundheitlich nicht mehr so gut ging, verfolgte er die Rathausstürme und Karnevalsumzüge von seinem Haus am Marktplatz. „Dann hat er den Karnevalisten vom Fenster aus zugewinkt – dazu trug er Elferratsjacke, Narrenkappe und blinkende Fliege.“

„Bleib’ daheim, kauf’ bei Gleim“

Als Kaufmann hat sich Wilhelm Gleim in der Region einen Namen gemacht. Seinen Geschäftsslogan reimte er selbst, und vielen Melsungern ist er immer noch im Gedächtnis: „Bleib’ daheim, kauf’ bei Gleim“. Das Geschäft hat er von der Pike auf gelernt. In der Tuchfabrik seiner Onkel lernte Gleim Kaufmann und übernahm später den väterlichen Betrieb in der Melsunger Innenstadt. Er entwickelte ihn zum renommierten Bekleidungsgeschäft „und zum besten Haus am Platz“, wie Bürgermeister Markus Boucsein sagt.

„Ich habe meine Hosen nur bei ihm gekauft“, erinnert sich Herbert Losleben. Wenn er in jungen Jahren ins Geschäft kam, habe Wilhelm Gleim ihn angeschaut und gesagt: ‘Du brauchst Größe 52’. „Und die haben immer gepasst.“ Wilhelm Gleim hatte einfach einen Blick für die Menschen.

Lästerbänke für die Stadt Melsungen

2012 stiftete Wilhelm Gleim mit seiner Frau Adelheid die Bänke am Rathaus, die offiziell Lästerbänke heißen, so steht es auf den Täfelchen an den Rückenlehnen. Auf den Bänken saßen dann gerne die waschechten Melsunger und schnuddelten über die Neuigkeiten in der Stadt.

Mittlerweile werden es immer weniger Melsunger Originale, die sich dort auf den Lästerbänken treffen. Mit dem 99-jährigen Wilhelm Gleim ist nun einer der ältesten Melsunger Einwohner gestorben.

Karnevalistenfreund Herbert Losleben sagt: „Das Schönste, was man hinterlassen kann, ist ein Lächeln beim Erinnern.“ Und mit seiner fröhlichen Art und weil er immer einen Scherz auf den Lippen hatte, wird Wilhelm Gleim als Melsunger Original immer in Erinnerung bleiben. (Claudia Feser)

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