Gebäude wird saniert

Melsunger Stadtkirche ist ab sofort geschlossen

Pfarrer Sigurd Sadowski auf der Empore in der Melsunger Stadtkirche
+
Pfarrer Sigurd Sadowski auf der Empore der Melsunger Stadtkirche: Im Hintergrund sind die verdreckten Ecken an den Wänden gut zu erkennen.

Die Melsunger Stadtkirche wird saniert – und bleibt deshalb bis voraussichtlich Ende dieses Jahres geschlossen.

Melsungen – Die beiden Gottesdienste am Ostersonntag waren die vorerst letzten in der Melsunger Stadtkirche. Das liegt ausnahmsweise mal nicht an Corona, sondern an den bevorstehenden Bauarbeiten. Denn die Stadtkirche wird umfangreich saniert, und zwar in drei Bereichen: Innenanstrich, Beleuchtung und Orgel. Deshalb ist sie ab Dienstag,6. April geschlossen – bis Ende des Jahres.

Innenraum
An Wänden und Decken ziehen sich schwarze Schatten über die Flächen und entlang der Ecken und Giebel. Die kommen von der Lüftungsanlage. „Zuerst dachten wir, dass es vielleicht an unseren Kerzen liegen könnte“, berichtet Pfarrer Sigurd Sadowski. Aber in der Stadtkirche werden nur gering rußende und speziell für Kirchen entwickelte Kerzen abgebrannt. Dann wurde klar: Es liegt an der Heizungsluft, die durch die Lüftungsgitter im Boden des Kirchenraums verwirbelt wird.

Im Sommer hält der Kirchenraum eine angenehme Temperatur, aber auch die Feuchtigkeit, und die sammelt den Dreck, der sich dann dunkel an den Wänden absetzt. Während der Bauarbeiten soll ein modernes Lüftungs- und Heizsystem in die Heizungsanlage installiert werden.

Alle Wände und Decken werden gereinigt und gestrichen. Hierzu wird ein großes Gerüst im Innenraum aufgestellt. Hubwagen passen nämlich nicht durch die Kirchentür, außerdem reichen sie nicht bis in die obersten Spitzen der dreischiffigen Hallenkirche.

Beleuchtung
Im Zuge dessen soll die Beleuchtung modernisiert werden. Die Lampen bleiben hängen, aber sie werden mit neuen Leuchtmitteln ausgestattet. Außerdem wird es neue Möglichkeiten geben: „Zurzeit werden die Spitzbögen und Schlusssteine in der Kirche mit Beleuchtung nicht in Szene gesetzt, wie es mit den Mitteln der Zeit möglich wäre“, sagt Pfarrer Sadowski. „Künftig kann dann der Kirchenraum eine Predigt in Szene setzen.“

Orgel
Die Orgel ist 52 Jahre alt und muss gereinigt werden. Außerdem ist sie noch auf dem technischen Stand der 1960er-Jahre, und die Registrierelektrik muss erneuert werden. Bezirkskantorin Kornelia Kupski erklärt, warum: „Wenn man beim Spielen schnell zwischen den Registern hin- und herwechseln will, funktioniert das nicht immer zuverlässig.“ Die Register springen teilweise nicht an, und das ist ein Manko für den Organisten und die Zuhörer.

Damit der Klang künftig „noch farbenreicher“ wird, soll ein drittes Manual eingebaut werden. Das war beim Bau der Orgel 1969 bereits eingeplant, wurde aber nicht umgesetzt. Nun soll es über die beiden bestehenden Manuale eingebaut werden. Damit kommen 56 Tasten, 13 weitere Register und ein Drittel mehr Pfeifen hinzu. Dann hat die Orgel knapp 3000 Pfeifen. Hinzu kommt ein externes Schwellwerk, das rechts von der Orgel stehen wird und mit klingenden Pfeifen umfasst sein wird. Mit dem Schwellwerk kann die Orgel mit einem schwebenden Klang gespielt werden.

Für Bezirkskantorin Kupski gibt es noch einen weiteren Vorteil: „Wir können künftig auch Werke aus der Romantik und der neueren Musik spielen.“ Das Instrument des des Rotenburger Orgelbauers Dieter Noeske sei als neobarocke Orgel konzipiert, auf der man gut Stücke aus dem Frühbarock und dem Barock spielen könne, die sehr schillernd und helltönig seien.

Kosten
Die Sanierung der Melsunger Stadtkirche ist mit 570 000 Euro veranschlagt. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei 119 000 Euro. Über viele Monate wurde das Geld mithilfe von Spenden und vielen Aktionen zugunsten der Kirchen- und Orgelsanierung gesammelt. Der Kirchenerhaltungsfonds hat diese Summe verdoppelt. Außerdem gibt es Geld der Landeskirche. (Claudia Feser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.