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Melsungerin Gisela Witzel bekommt Ehrenbrief des Landes Hessen

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Von: Barbara Kamisli

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Seit Jahrzehnten im Einsatz: Die 87-jährige Gisela Witzel aus Melsungen wird heute für ihr Engagement mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet.
Seit Jahrzehnten im Einsatz: Die 87-jährige Gisela Witzel aus Melsungen wird heute für ihr Engagement mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet. © Barbara Kamisli

Die Melsungerin Gisela Witzel ist dafür bekannt, große Summen für Bedürftige zusammenzutragen. Dafür wird sie mit dem Landesehrenbriefausgezeichnet.

Melsungen – In der Region und darüber hinaus wird es wenige geben, die in den vergangen 40 Jahren noch nie etwas von Gisela Witzel gehört haben. Unermüdlich ist ihr ein Einsatz für Bedürftige, mal im Stillen, manchmal aber auch durchaus öffentlichkeitswirksam – aber in jedem Fall immer um deren Willen, denen es zu helfen gilt.

Ob Hochwasseropfer in ganz Deutschland, den Menschen in Koudougou, in Litauen, auf Haiti, in der Ukraine, Geflüchteten in Melsungen, aber auch Menschen aus ihrer Nachbarschaft – Gisela Witzel hat schon vielen geholfen.

Dafür hat sie bereits zahlreiche Ehrungen erhalten, am Montag (07. November 2022) kommt eine weitere hinzu: Gisela Witzel erhält den Ehrenbrief des Landes Hessen. Eine Auszeichnung des hessischen Ministerpräsidenten, die für besonderes ehrenamtliches Engagement vergeben wird. Für diese Ehrung muss der zu Ehrende vorgeschlagen werden, anschließend entscheidet ein Gremium.

Ein bisschen aufgeregt sei sie schon, sagte die 87-Jährige, die auch einige Zeit kommunalpolitisch aktiv war, vor der Verleihung. Und das obwohl sie was Auszeichnungen angeht ein „alter Hase“ ist – sie bekam bereits das Bundesverdienstkreuz, den Paul Dierichs-Preis und die Melsunger Bürgermedaille.

Wer sie für den Ehrenbrief vorgeschlagen haben könnte, das wisse sie nicht, sagt Gisela Witzel. „Ich war wirklich total überrascht.“ Sie freut sich über jede Ehrung, stellt aber auch klar: „Die sind nicht der Grund, warum ich das mache.“ An die 300 000 Euro werden es wohl gewesen sein, schätzt Gisela Witzel, die sie in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen hat. „Aber das ist ja nicht allein mein Verdienst.“

Ohne die Menschen, die spenden, die ihr das Geld anvertrauen und sie tatkräftig unterstützen, hätte nicht an so vielen Stellen geholfen werden können.

Melsunger Spendensammlerin: Gisela Witzel ist oft selbst vor Ort

„Offenbar habe ich es geschafft, dass die Menschen mir vertrauen und mittlerweile wissen, dass ich oft die Spenden selbst dort hinbringe, wo sie gebraucht werden“, sagt die 87-Jährige.

Häufig war sie nach zwei, drei Tagen selbst in den Katastrophengebieten und hat sich ein Bild gemacht, was die Menschen dort am nötigsten brauchen, ob Geld- oder Sachspenden gefragt sind. Eine komplette Einrichtung für eine Arztpraxis fand so ihren Weg nach Koudougou, Melsungens Partnerstadt.

Immer wieder versichert Gisela Witzel sich vor Ort, was mit den Spenden passiert. „Mit dem Geld anderer Leute muss man sehr sorgfältig umgehen“, sagt Witzel.

Dadurch, dass sie ständig Kontakt hält zu den Menschen, entstehen auch Freundschaften. „Mit dem Ortsbürgermeister von Schuld telefoniere ich regelmäßig“, sagt Witzel. Vergangenes Jahr war der Ort in Rheinland-Pfalz durch die Hochwasserkatastrophe schwer getroffen worden.

Ans Aufhören denkt Gisela Witzel noch lange nicht, schon bald will sie wieder nach Schuld fahren. Und gerade hat sie eine afghanische Familie unter ihre Fittiche genommen, die sie im Alltag unterstützt. „Helfen kann man nicht nur mit Geld.“

Eine Auswahl ihrer Engagements:

Koudougou: Den Grundstein für die Partnerschaft zwischen Melsungen und Koudougou in Burkina Faso legte Gisela Witzel, indem sie als erste eine Patenschaft übernahm. „Damit ging es los“, sagt die 87-Jährige. Vor zwei Jahren besorgte sie die Einrichtung einer Arztpraxis aus Wrexen für ein neues Krankenhaus in Koudougou. Über Kontakte des Partnerschaftsvereins zum Verein „Konvoi der Hoffnung“ wurde die Einrichtung nach Burkina Faso gebracht. Weitere Ideen hat Gisela Witzel schon. 

Nikolaj Gubenko: Bis zu seinem Tod im Jahr 2014 unterstützten Melsunger den Lkw-Fahrer Nikolaj Gubenko aus Minsk in Weißrussland auf Initiative von Gisela Witzel. Er hatte 1995, als an seinem Lkw die Bremsen versagten und sein Fahrzeug mit 70 Stundenkilometer in ein Haus Am Bitzen raste, durch sein umsichtiges Verhalten verhindert, dass außer ihm jemand verletzt wurde. Er verlor allerdings damals seinen Job, da ihm ein Bein amputiert werden musste. 

Hilfe für Ukrainer: Als die ersten Geflüchteten aus der Ukraine in diesem Jahr ankamen, packte sie gemeinsam mit vielen Unterstützern Beutel mit den wichtigsten Kosmetik- und Hygieneartikel für die Ankommenden. „Ohne die Hilfe vieler anderer, wäre das aber nicht möglich gewesen. So etwas macht man ja nie alleine“, sagt Witzel. 

Flut im Ahrtal: Die Bilder der verheerenden Flut im Ahrtal gingen Gisela Witzel so nahe, „da musste ich sofort etwas tun.“ Rund 63 000 Euro hat sie seitdem zusammengetragen für die Menschen in Schuld. Mehrfach hat sie sich ein Bild vor Ort gemacht und, wie so oft bei ihren Spendenaktionen, das Geld persönlich an den Bestimmungsort gebracht. Regelmäßig hält sie Kontakt zu Ortsbürgermeister Helmut Lussi.  

Die Flut 2002: Unglaubliche 100 000 Euro kamen bei der Spendenaktion für die Opfer der Flutkatastrophe im August 2002 zusammen. Auch damals war Gisela Witzel sofort klar, dass sie etwas unternehmen muss. „Es haben sich auch gleich Leute bei mir gemeldet, die wussten, dass ich eh immer etwas mache“, sagte sie damals unserer Zeitung. Denn damals hatte sie bereits seit 20 Jahren immer wieder Projekte für Bedürftige realisiert. 

Weitere Projekte: Die Liste der Projekte, die Gisela Witzel initiiert hat, ist lang. Sie hat Hilfslieferungen nach Litauen mitorganisiert, Spenden gesammelt für ein Waisenhaus in Brasilien, unterstützt seit fast 15 Jahren ein Krankenhaus in Afghanistans Hauptstadt Kabul, hat nach dem Erdbeben in Haiti Spenden für den Kauf einer Schule gesammelt und hat den Opfern des Hochwassers in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) geholfen – um nur einige Projekte zu nennen. (Barbara Kamisli)

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