Melsungerin ist seit 29 Jahren Grüne Dame im Klinikum

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Geht von Bett zu Bett: Gudrun Meurer ist Grüne Dame im Melsunger Klinikum. Sie bietet Patienten Gespräche und Hilfe an. Obwohl Gerhard Zeebe und Franz Lankau (von links) nichts auf dem Herzen hatten, freuten sie sich über Gudrun Meurers Besuch.

Melsungen. Die Melsungerin Gudrun Meurer ist ehrenamtliche Grüne Dame im Melsunger Klinikum. Sie ist Seelsorgerin und Gesprächspartnerin für die Patienten.

Grelles, gelbes Licht aus Neonröhren leuchtet von der Decke des Keller im Melsunger Krankenhaus. Es ist kalt und leise. Unbelegte Krankenbetten, die in den menschenleeren Gängen des Kellers abgestellt wurden, sind mit durchsichtiger Folie abgedeckt. Gudrun Meurer geht selbstsicher an den Betten vorbei. Sie bahnt sich den Weg zum Raum der Grünen Damen. Ein heller, freundlicher Raum, mitten in dem dunklen Keller.

Darin warten Erika Wittig und Ute Briggs. Gemeinsam mit Gudrun Meurer ziehen die beiden Frauen sich einen hellblauen Kittel an. So beginnt ihr Dienst - der Dienst der Grünen Damen in Blau. „Wir kümmern uns um Patienten, suchen das Gespräch, bieten unsere Hilfe an“, erklären sie.

Die Stationen des Krankenhauses haben die drei ehrenamtlichen Seelsorgerinnen untereinander aufgeteilt. Gudrun Meurer läuft durch die Gänge zur Station 3, der chirurgischen Station. Zwischendurch hält sie immer wieder an, begrüßt lächelnd Patienten, deren Namen sie schon immer zu kennen scheint.

Grün war vergeben

Gudrun Meurer fällt auf. Nicht nur wegen ihres sauberen blauen Kittels und den strahlend weißen Haaren. Ihre Ausstrahlung steht im Kontrast zu den Schmerzen und dem Leid, das die Menschen, die in den Betten liegen, durchleben.

„Wir tragen blau, weil die Farbe grün schon vergeben war“, erklärt die 74-jährige Meurer. „Putzpersonal und die Menschen im OP tragen grün, deshalb haben wir blau“, ergänzt sie. Meurer klopft an eine Zimmertür an und geht in das Zimmer hinein. „Hallo, ich bin Gudrun Meurer von den Grünen Damen“, stellt sie sich den drei Patienten vor. „Sagt ihnen der Begriff Grüne Dame etwas?“, fragt sie die drei Männer. Nacheinander geht sie von Bett zu Bett, spricht mit jeden der Patienten persönlich. „Wo kommen Sie her, warum sind Sie hier, haben Sie Angehörige? “

Tränen gehören dazu 

Die Patienten, die sie antrifft, reagieren ganz unterschiedlich auf den Besuch. Manche beantworten die Fragen mit Ja und Nein, andere fangen an zu erzählen - von ihren Enkeln oder Erlebnissen in der Vergangenheit.Einer Patientin stehen beim Besuch von Gudrun Meurer die Tränen in den Augen. Die emotionale Anspannung durch den Krankenhausaufenthalt ist ihr anzusehen. Gudrun Meurer nimmt ihre Hand und sagt selbstsicher: „Sie werden das hier durchstehen.“ In diesem Moment trifft der Begriff der Seelsorgerin seine wahre Bedeutung.

Zurück auf dem Gang, erzählt Meurer von den vergangenen 29 Jahre als Grüne Dame. „Manchmal fragt man sich wirklich, wie viel Leid ein Mensch ertragen kann“, sagt sie. Auch ihr stehen in der Erinnerung an besonders tragische Schicksale die Tränen in den Augen.

Mitfühlen, aber nicht leiden 

„Man darf sich nicht mit einem Eisenmantel umgeben, sonst kann man sich nicht auf die Menschen einlassen. Andererseits ist es besser mitzufühlen als mit den Menschen mitzuleiden“, sagt sie. Wenn sie nach einer emotionalen Erfahrung aus einem Krankenzimmer komme, helfe ihr es, erst einmal tief durchzuatmen.

Trotz aller Schicksalsschläge, die sie miterlebt, möchte die 74-Jährige den Dienst noch lange nicht aufgeben. „Mit 80 endet der Dienst der Grünen Damen, das ist vorgeschrieben“, erklärt Meurer - fast mit Wehmut in der Stimme.

Zur Person : Gudrun Meurer wurde am 14. November 1941 im Homberger Stadtteil Hülsa geboren. Die Apothekerin lebte mit ihrer Familie einige Zeit in der Nähe von Köln, 1985 zogen sie nach Melsungen, da ihr Mann Direktor des Melsunger Klinikums wurde. Zwei Jahre später war Meurer Mitbegründerin der Grünen Damen im Klinikum. 29 Jahre übt sie ihr Ehrenamt aus. Bis zum 80. Lebensjahr möchte sie es gern fortführen. Sie wohnt noch heute gemeinsam mit ihrem Mann in Melsungen. Die beiden haben drei Töchter und sechs Enkelkinder.

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