Stadt lässt befallene Äste entfernen

Misteln schädigen Bäume in Melsungen

Mistelbefall an Apfelbäumen am Kesselberg in Melsungen
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Nicht zu übersehen: Im Winter sind die Misteln in den laubfreien Apfelbäumen am Kesselberg in Melsungen richtig gut zu sehen. Die Gemarkung ist eine beliebte Strecke zum Gassi- und Spazierengehen.

Die Stadt Melsungen geht gegen den Mistelbefall an Bäumen im Stadtgebiet vor.

Melsungen – Nicht nur Spaziergänger mögen den Weg am Kesselberg mit den alten Apfelbäumen am Wegesrand. Offensichtlich auch Vögel, insbesondere die Misteldrosseln. Sie lassen sich gerne in den oberen Zweigen der Apfelbäume nieder. Das Ergebnis: Die Äste hängen voller Mistelpflanzen. Die sehen aus wie Kugeln, manche sind groß wie Medizinbälle. Jetzt, in den Wintermonaten, sind sie in den laubfreien Obstbäumen schon von Weitem zu sehen.

Deshalb geht die Stadt Melsungen nun gegen die Misteln vor.

In Melsungen gibt es nach Auskunft von Axel Schäfer, Gartenlandschaftsbaumeister beim Melsunger Bauhof, rund 2200 Obstbäume. Er schätzt, dass rund 15 Prozent von ihnen von Misteln befallen sind. Oberhalb vom Kesselberg ist der Befall der Bäume am stärksten. Betroffen sind vor allem Apfelbäume, aber es gibt Misteln auch in Pappeln, Weiden, Birken, Buchen und Kiefern.

Ab Ende Januar sollen Misteln mitsamt des Asts, auf dem sie wachsen, aus jungen Bäumen herausgeschnitten werden, kündigt Axel Schäfer an. Wie sie dort hingekommen sind? Der Experte erklärt: Die Misteldrossel frisst Früchte der Mistel, und scheidet die klebrigen Kerne wieder aus. Diese keimen auf den Ästen. Die Wurzeln der Mistelpflänzchen dringen in den Baum ein, um an den Wasserfluss des Baumes zu gelangen und um ihm so Wasser zu entziehen. Das kann im Laufe der Jahre dazu führen, dass der Baum abstirbt.

Mit Hochentaster, Leiter und Telelader mit Arbeitskorb werden die Mitarbeiter des Bauhofs bis Ende Februar bei der Obstbaumpflege von Misteln befallene Äste abschneiden. Warum nicht lediglich die Mistelpflanzen abgeschnitten werden? „Die Misteln würden dann wieder austreiben, und nach vier, fünf Jahren wären dann wieder fußballgroße Pflanzen am Ast.“

Bei jungen Bäumen sei die Mistelpflege „sinnvoll und wirtschaftlich“, bestätigt auch Gerald Zöller aus dem Fachbereich Umweltschutz der Stadt. Als junge Bäume gelten Bäume zwischen 20 und 40 Standjahren. Stark befallene alte Apfelbäume müssen möglicherweise gefällt werden. Bei wenigen Exemplaren sei das kein Problem. Sollten es mehrere sein, werde dies natürlich mit den Naturschutzverbänden und der Unteren Naturschutzbehörde in Homberg abgesprochen. Für jeden gefällten Baum wird ein neuer gepflanzt. In der Gemarkung am Kesselberge, wo viele Bäume stark befallen sind, stehen die ältesten Apfelbäume der Stadt. Axel Schäfer sagt: „Das sind unsere Veteranen.“ Sie sind bis zu 90 Jahre alt. Säßen Misteln auf Starkästen, die daraufhin entfernt werden müssten, hätte der Baum keine Chance, sich zu wehren. „Das wäre Frevel.“ (Claudia Feser)

Nach dem Baumschnitt: Sören Käsemodel vom Bauhof mit einer großen Mistelpflanze.

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