Coronavirus

Mit Abstand und ohne Gesang: Gottesdienste im Altkreis Melsungen starten wieder 

Bald wieder Gottesdienste in der Kirche: Dekan Norbert Mecke freut sich, dass wieder Gottesdienste erlaubt sind – in der Stadtkirche wieder ab 10. Mai. Archivfoto: Lorenz Grugel

Melsungen – Ab Sonntag dürfen im Schwalm-Eder-Kreis wieder Gottesdienste in den Kirchen aller Konfessionen stattfinden. Das hat die Hessische Landesregierung beschlossen.

 Für alle gilt die Einhaltung der Hygienevorschriften und des Mindestabstands. Aber es wird unterschiedlich gehandhabt, wie eine kleine Umfrage gezeigt hat.

Dekanat Melsungen

In den Kirchen des Dekanats Melsungen finden erst ab Sonntag, 10. Mai, Gottesdienste statt. Das haben die Pfarrer gestern während eines Pfarrkonvents besprochen. Denn zunächst müssen alle Kirchenvorstände beschließen, wie viele Personen unter den Auflagen in den jeweiligen Kirchen erlaubt sind.

Dabei sind die Unterschiede groß, teilt Dekan Norbert Mecke mit. Eine der kleinsten Kirchen ist die in Metzebach, dort sind aller Voraussicht nach maximal acht Gottesdienstbesucher möglich. Die größte Kirche ist die Melsunger Stadtkirche, in der höchstens 45 erlaubt sein könnten. Fakt ist, dass es keine Gottesdienste wie vor dem 15. März geben werde. „Aber wir freuen uns auch über kleine Schritte“, sagt Dekan Mecke. Es wird kein gemeinsames Singen geben.

Welche Auswirkungen die Erlaubnis für besondere Gottesdienste wie Taufen, Hochzeiten oder Konfirmationen haben wird, steht noch nicht fest.

SELK Melsungen

Pfarrer Jörg Ackermann ist von der Entscheidung der Landesregierung überrascht worden: „Ich hatte erst in der kommenden Woche damit gerechnet.“ Aber er freue sich, wieder einen Gottesdienst in der Christuskirche in Melsungen feiern zu könne. Vielleicht sogar gleich zwei Mal hintereinander, wenn mehr als 22 Leute kommen. Denn nur so viele haben in der Kirche Platz, in der nur maximal zwei Personen auf jeder zweiten Bank sitzen dürfen. „Nach dem ersten Gottesdienst würden wir durchlüften, und nach 45 Minuten könnte dann ein zweiter Gottesdienst stattfinden.“

Seit dem Gottesdienst-Verbot hat Pfarrer Ackermann mehrere Videobotschaften an die Gläubigen ins Internet gestellt: Vom Kameraaufbau über die Aufnahme, das Schneiden und Onlinestellen hat er alles alleine gemacht. „Nur bei der Musik wurden mir Dateien zugeschickt.“

Mariae Namen

Acht Video-Gottesdienste hat Georg Braun, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Mariae Namen aus Gensungen, in den vergangenen Wochen produziert. Zu Beginn sei er skeptisch gewesen, ob das funktioniere, weil das Angebot auch im Fernsehen groß sei. „Aber für die Menschen ist es etwas anderes, etwas aus der eigenen Kirche und den eigenen Pfarrer zu sehen.“ Ein Gottesdienst sei sogar rund 700 Mal angeklickt worden. Am morgigen 1. Mai feiert Pfarrer Braun um 9 Uhr wieder einen realen Gottesdienst in der Kirche – mit markierten Plätzen und Einbahnverkehr, damit die Besucher den Sicherheitsabstand einhalten können.

Es gibt die Überlegung, die nächsten Gottesdienste künftig per Live-Stream ins Internet zu übertragen. „Dann können auch die Menschen, die das Haus nicht verlassen können oder in Corona-Zeiten nicht dürfen, mit uns Gottesdienst feiern.“

Ditib Melsungen

Ob morgen wieder ein gemeinsames Freitagsgebet im Melsunger Gebetsraum der Ditib Türkisch-Islamischen Gemeinde in der Kasseler Straße stattfinden kann, ist noch unklar.

Nach einer Auskunft des Gemeindevorstehers Emrullah Kara muss der Vorstand noch darüber beraten. In der Regel kommen mehr als 100 Gläubige zu einem Freitagsgebet. „Wenn wegen der Auflagen aber nur 15 kommen dürfen, könnte das schwierig sein.“

Das Freitagsgebet mehrfach hintereinander stattfinden zu lassen, sei für die Moslems keine Option. Denn die Gläubigen müssen sich an die vorgegebenen Gebetszeiten halten: „Das Freitagsgebet am 1. Mai muss um 13.24 Uhr beginnen“, sagt Emrullah Kara. Eine Entscheidung wird den Gemeindegliedern voraussichtlich heute per WhatsApp mitgeteilt.

Jüdische Gemeinde

In der jüdischen Gemeinde Emet we Schalom wird es erst Ende Mai einen Gottesdienst im Veranstaltungsraum geben. Das teilt Christopher Willing, Gründungsmitglied, mit.

Seit dem allgemeinen Gottesdienst-Verbot bietet die jüdische Gemeinde freitagabends Gottesdienste per Videoplattform Zoom an. Meist ein Dutzend Gläubige schalten sich dann zu, teilweise mit Familien. „Das ist eine andere Art des Gottesdienstes“, sagt Willing, „aber das klappt gut.“

Er geht davon aus, dass bis zum nächsten realen Gottesdienst Ende Mai auch wieder gemeinsam gesungen werden darf, wenn auch mit Nase-Mund-Schutz. „Auch wenn das klanglich nicht so wie sonst ist.“

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