Interview mit Landwirt Bernhard Wicke

Aus Protest mit dem Trecker nach Berlin: Körler nimmt an Demo zur Grünen Woche teil

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Bernhard Wicke aus Körle

Bei der weltweit größten Agrarmesse „Grüne Woche“ in Berlin dreht sich ab dem 18. Januar alles um Landwirtschaft und Ernährung. Bernhard Wicke aus Körle wird vor Ort sein.

Und das mitsamt seinem Trecker. Mit Zehntausenden anderen Landwirten und Verbrauchern nimmt er an der Demonstration teil, die am Samstag unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“ stattfindet. Wir sprachen mit Wicke darüber, worum es bei der Demo geht und wieso er teilnimmt.

Herr Wicke, wie beschwerlich ist eine Fahrt mit dem Traktor von Körle nach Berlin?

Diesmal hat ein Kollege einen Tieflader organisiert, auf den drei Trecker passen. Ansonsten bin ich selbst mit dem Trecker gefahren. Beim ersten Mal im Jahr 2011 bin ich 23 Stunden gefahren. In Berlin angekommen war ich fix und fertig. Am liebsten wäre ich direkt wieder heim gefahren. Die Fahrt mit dem Trecker wird mir fehlen. Die Leute in den Orten, wo wir durchgefahren sind, haben sich immer gefreut, wenn wir kamen. Es gab viele nette Kontakte.

Der Aufwand lohnt sich also?

Absolut. Die Erlebnisse bei der Demo, die Euphorie, die Energie, das ist der Wahnsinn. Und wann kann man schon mal mit dem Trecker vorm Brandenbruger Tor stehen? Da vergisst man die Fahrt.

Aber zum Spaß stehen Sie ja nicht mit dem Trecker vorm Berliner Wahrzeichen. Worum geht es dort?

Es geht uns hauptsächlich um die Verteilung des Geldes in der Agrarpolitik. Derzeit gilt hauptsächlich: Je mehr Land bewirtschaftet wird, desto mehr Subventionen der EU gibt es. Ein Großbetrieb mit zum Beispiel 1000 Hektar Fläche kann aber ohnehin effizienter arbeiten und hat geringere Prouktionskosten als ein kleiner Bauernhof. Deshalb kommen die kleinen Betriebe bei der Verteilung schlecht weg.

Das heißt, dass den großen Betrieben der Geldhahn zudreht werden sollte?

Ja, ein Modell dazu wird gerade wieder diskutiert. Die Agrarsubventionen sollen reduziert werden, sobald ein Betrieb mehr als 60 000 Euro erhält. Ab 100 000 Euro sollen sie komplett wegfallen. Ich bin noch skeptisch, ob die Änderung wirklich kommt. Es wird immer diskutiert und an der Umsetzung hapert’s dann.

Um was geht es noch?

Uns geht es auch darum, dass ökologischere Landwirtschaft mehr gefördert wird. Zum Beispiel sollten diejenigen mehr erhalten, die ihre Flächen mit einer vielfältigen Fruchtfolge bewirtschaften. Denn Monokulturen begünstigen zum Beispiel Pflanzenkrankheiten und das Insektensterben. Durch das Zusammenlegen von kleinen Flächen wird zudem die Erosionsgefahr immer größer.

Aber Landwirte, die bestimmte ökologische Auflagen erfüllen, bekommen doch schon mehr Unterstützung?

Ja, es gibt mittlerweile schon eine kleine Differenzierung. Das geht uns aber nicht weit genug. Die Politik muss mehr tun, um die kleinen Betriebe zu erhalten.

Nur die Politik? Trägt der Verbraucher nicht eine Mitschuld? Schließlich will er günstige Lebensmittel kaufen.

Die meisten kaufen dort, wo es günstig ist, ja. Nach wie vor kennen sich viele bei Lebensmitteln nicht gut aus, deshalb ist der Preis bei ihnen das hauptsächliche Kaufkriterium. Der Verbraucher braucht genauere Richtlinien. Eine Ernährungsampel wäre ein Ansatz.

Bio-Lebensmittel sind im Trend. Sogar namhafte Verbände wie Bioland vertreiben ihre Produkte jetzt im Discounter. Das spricht doch für die Nachfrage und einen Wandel im Denken der Verbraucher.

Ja, einige Verbraucher sind auch schon sensibler geworden, was gesunde Ernährung angeht. Auf der einen Seite ist es gut, wenn die Absätze von Bio-Produkten durch das Angebot in den Discountern steigen. Das regt vielleicht andere Landwirte dazu an, auch auf Bio umzustellen. Andererseits besteht die große Gefahr, dass die Discounter wieder die Preise drücken und die Landwirte am Ende die Verlierer sind.

Sie haben 1985 auf Bio umgestellt. Wieso?

Weil ich davon zu 100 Prozent überzeugt bin. Ich habe den Hof damals von meinen Eltern übernommen und dann auf Bio-Landwirtschaft umgestellt. Ich hatte einfach nie ein gutes Gefühl dabei, wenn wir die Felder mit chemikalischen Mitteln gespritzt haben.

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