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Mitarbeiterin der Melsunger Klinik spricht über die Schließung

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Von: Damai Dewert

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Haltestelle Krankenhaus Melsungen
Bald muss ein neuer Name für die Haltestelle her: Das Aus für das Melsunger Krankenhaus steht offenbar fest. © William Abu El-Qumssan

Das Aus für die Klinik in Melsungen steht fest. Eine Mitarbeiterin berichtet, dass die Belegschaft gerne geblieben wäre.

Melsungen – Heidi Sostmann fuhr bislang bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit. Ihre Arbeit, das war das Melsunger Krankenhaus. Das wird es ab Januar nicht mehr geben. Die 57-jährige Melsungerin fährt dann nach Bad Wildungen – mit dem Auto. Das sind jeweils etwa 45 Minuten hin und wieder zurück. Auch für Tausende Patienten aus dem Kreisteil werden die Wege künftig deutlich länger.

Über die Möglichkeit, in Bad Wildungen zu arbeiten, möchte sie sich nicht beschweren, sagt die Mutter von vier Kindern. Die Jobgarantie von Asklepios wäre in den Wochen der Verunsicherung schon beruhigend gewesen. Es werde aktuell auch über eine Besitzstandswahrung diskutiert. Für sie als Stationsleiterin der Inneren in Melsungen sei das schon ein Punkt. Es sei aber so, dass erfahrene Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt sind.

Melsunger Klinik: 50 Prozent der Mitarbeiter haben gekündigt

Asklepios könne mit den Melsunger Kollegen also Löcher in Schwalmstadt und Bad Wildungen stopfen. Für viele der knapp 100 Beschäftigten ist aber schon länger Schluss: Sie schätzt, dass etwa 50 Prozent der Mitarbeiter gekündigt hätten und sich beispielsweise Richtung Kassel und Rotenburg orientiert hätten. Hart treffe es die ausländischen Kolleginnen, die über Aktionen angeworben wurden. Darunter seien welche ohne eigenes Auto und mit jungen Kindern. Deren Option sei höchstens ein Umzug. Dieser Tage ein sehr teurer Spaß.

„Viele in der Melsunger Belegschaft haben jahrelang zusammengearbeitet. Das Klima war sehr familiär.“ Die Kollegen seien sehr betroffen. „Wir hätten hier gerne weitergearbeitet. Fakt ist aber auch, dass wir einen großen Investitionsstau hatten.“ Das sei hart an der Zumutbarkeitsgrenze für Mitarbeiter und Patienten gewesen.

Wegen des ständig verschobenen Baubeginns seien Investitionen eben ausgeblieben. „Mit der Grundsteinlegung 2018 haben aber alle einen richtigen Schub bekommen. Wir waren richtig motiviert.“

Heidi Sostmann Mitarbeiterin
Heidi Sostmann arbeitet im Melsunger Krankenhaus. © Asklepios

Die unsichere Zukunft für Melsungen habe sich rumgesprochen: „Zum Schluss sind trotz des enormen Bedarfs überhaupt keine Bewerbungen mehr reingekommen. Das war schon traurig.“

Seit dem 8. Dezember gebe es einen Aufnahmestopp. „Wir betreuen jetzt die verbliebenen Patienten bis zum 23. Dezember und sehen dann weiter.“ Sie habe zwischen den Jahren Dienst, wann und wie es dann im neuen Jahr für sie weitergehe, wisse sie im Detail noch nicht.

Melsunger Klinik: Zentrale Notaufnahme wird fehlen

Auch noch in den vergangenen Tagen und Wochen hätten sich alle reingehängt und einen tollen Job gemacht. Leistenbrüche, Gallen-Ops und handchirurgische Operationen hätten noch stattgefunden. Das Spektrum sei mit dem Weggang von Dr. Gunter Aurand aber klein geworden. Besonders die zentrale Notaufnahme (ZNA) werde in Melsungen fehlen.

Behandelt wurde bis zum Schluss ja ein breites Spektrum: In die ZNA kamen Patienten mit einer Bluthochdruck-Krise, regelmäßig Menschen mit Alkoholintoxikation oder Herz- und Kreislaufproblemen, Menschen mit großen Schnittverletzungen, die genäht werden mussten, dehydrierte Menschen aus Pflegeheimen, Menschen mit akuten Durchfallerkrankungen und viele mehr. All diese Angebote werde es aber ab dem kommenden Jahr nicht mehr geben, das bedauere sie wirklich sehr. (Damai D. Dewert)

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