Coronavirus

Mitarbeiter von mobilen Pflegediensten: „Gespräche sind sehr wichtig“: 

Wichtige Ansprechpartner: Die Mitarbeiter von mobilen Pflegediensten sind während der kontaktarmen Zeit der Coronakrise wichtige Bezugspersonen für die Senioren. Foto: Werner Krueper/dpa

Guxhagen – Die Mitarbeiter von mobilen Pflegediensten stehen in der Coronakrise vor mehreren Herausforderungen.

So gehört der enge Körperkontakt mit den Patienten zu ihrem Alltag. Und die Patienten gehören mit ihrem hohen Alter allesamt zur Risikogruppe. Beispielhaft haben wir mit Andrea Graßhoff gesprochen. Die 47-Jährige ist Inhaberin des Pflegedienstes Wagner in Guxhagen.

Die ohnehin schon hohen Hygienestandards in der mobilen Pflege seien Anfang März noch einmal angepasst worden, erläutert Graßhoff. Vor und nach dem Besuch eines Kunden desinfizieren sich die Mitarbeiter die Hände, Maske und Handschuhe sind außerdem Pflicht. Meetings der Mitarbeiter im Büro gebe es derzeit nicht. „Aber die Pflege an sich läuft weiter wie bisher“, sagt Graßhoff. 150 Patienten in Guxhagen und den Ortsteilen betreuen die 27 Mitarbeiter des Pflegedienstes.

Andrea GraßhoffPflegedienst Wagner

Zusätzlich gibt es Angebote für Gruppen. Seit Mitte März finden diese Gruppentreffen, bei denen die Senioren zuhause abgeholt werden, nicht mehr statt. „Die Kunden haben zwar Verständnis dafür, aber für viele ist das doch schwer“, sagt die 47-Jährige. Denn der überwiegende Teil derer, die die Gruppenangebote nutzen, seien Alleinstehende. Und denen fehle das gemeinsame Kaffeetrinken, das Basteln oder das gemeinsame Spazieren gehen – insbesondere auch deshalb, weil die Angehörigen zurzeit Distanz wahren, um die Senioren zu schützen. „Deswegen betreiben wir derzeit gezielt Telefonseelsorge.“ Graßhoff telefoniert jede Woche mit allen Kunden. „Ich frage, wie es ihnen geht, was ihre Sorgen sind.“ Die Mitarbeiter des Pflegedienstes seien derzeit wichtige Ansprechpartner. „Und wir sind auch eine Informationsquelle“, sagt Graßhoff. Immer, wenn es etwas Neues gebe, beispielsweise wenn neue Vorschriften gelten, reden sie mit den Kunden darüber. „Die Gespräche sind sehr sehr wichtig.“ Bevor die Mitarbeiter das erste Mal einen Mundschutz beim Hausbesuch trugen, informierte Graßhoff am Telefon darüber. „Denn sonst denken die Leute womöglich noch, dass die Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt sind.“

Seit zwei Wochen müssen auch die Betreuten selbst eine Maske tragen, wenn die Mitarbeiter des Pflegedienstes kommen. „Das machen alle ganz toll mit“, lobt Graßhoff. Überhaupt seien alle Kunden voller Hoffnung. „Die sagen, das ziehen wir jetzt gemeinsam durch und in ein paar Wochen sei es auch wieder vorbei.“ Beim Besuch der Kunden würden die Pflegedienst-Mitarbeiter gezielt darauf achten, ob die Senioren mögliche Symptome aufweisen. „Wir fragen auch immer, ob sie jemand besucht hat.“

Schutzkleidung sei mittlerweile ausreichend vorhanden, sagt Graßhoff. Unter anderem sei vom Katastrophenschutz eine Lieferung gekommen.

Auch der Arbeitgeberverband kümmere sich. „Und wir erfahren derzeit eine enorme Hilfsbereitschaft“, sagt Graßhoff. Ein Malerbetrieb habe dem Pflegeteam Schutzkleidung zur Verfügung gestellt, Mitarbeiter kleiner Geschäfte hätten ihren Vorrat an Einweghandschuhen vorbeigebracht. Und die Alten Herren des Tuspo haben für die Senioren Osterüberraschungen gebastelt. „Die Hilfsbereitschaft ist wirklich faszinierend.“

archivFoto: Manfred Schaake

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