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Mut-Tour macht in Melsungen auf Depressionen aufmerksam

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Von: Helmut Wenderoth, William-Samir Abu El-Qumssan

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Halt auf dem Marktplatz machten von links Julia Grabe, Franziska Mdoczun, Andrea Roosch und Patrick Phavel. Die Tourteilnehmerin in der Mitte, mit dem Smiley vor dem Gesicht weist auf die Anonymität hin, die oft noch bei der Krankheit und den davon Betroffenen vorherrscht.
Halt auf dem Marktplatz machten von links Julia Grabe, Franziska Mdoczun, Andrea Roosch und Patrick Phavel. Die Tourteilnehmerin in der Mitte, mit dem Smiley vor dem Gesicht weist auf die Anonymität hin, die oft noch bei der Krankheit und den davon Betroffenen vorherrscht. © Helmut Wenderoth

Die Mut-Tour hat in Melsungen einen Zwischenstopp gemacht: Die Teilnehmer setzten damit ein Zeichen, um auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Melsungen – Auf ihrem Weg quer durch Deutschland hat ein Team der Mut-Tour am Sonntag auf dem Melsunger Marktplatz Station gemacht. Bereits seit zehn Jahren sind die Teams, teilweise zu Fuß, mit Pferden oder, wie am Sonntag, mit Tandem-Rädern unterwegs.

Sie setzen auf ihrer Tour durch Deutschland ein Zeichen für Offenheit, Wissen und Mut im Umgang mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen. Sie wollen Betroffenen, aber auch Angehörigen Mut machen, über ihre Krankheit zu sprechen, und sie nicht zu verstecken. Bei ihren Zwischenstationen wollen sie mit Menschen am Wegesrand in Kontakt kommen und über die offenen Gespräche Berührungsängste und Vorurteile zu der Krankheit abbauen. In diesem Jahr legen sie bei ihrer Tour besonderes Augenmerk auf die Hilfe und Unterstützung der Angehörigen von Betroffenen.

Die fünf Teilnehmer der über Melsungen führenden Etappe waren am Morgen, dick bepackt mit Zelten, Rucksäcken und Verpflegung, in Burguffeln im Landkreis Kassel mit ihren Tandems gestartet und wollten ursprünglich bis Rotenburg fahren.

Ein Regenschauer zwang sie jedoch zu einem Zwischenstopp, sodass sie erst um 17 Uhr in Melsungen ankamen. Sie beschlossen daher, ihre Zelte am Sonntagabend am Rande des Melsunger Grasbahnrennplatzes aufzuschlagen.

Jeden Tag sind sie durchschnittlich 55 Kilometer unterwegs, aber auch Tagesetappen von mehr als 70 Kilometern machen sie, wie Patrick Phavel, einer der Teilnehmer, sagte. Sie schlafen auf Sportplätzen, auf Bauernhöfen oder bei schlechtem Wetter auch in Sporthallen. Immer dabei sind ihre Tandems mit den bunt bedruckten Rucksäcken und Lenkradtaschen, mit den Hinweisen auf die Tour, die so auch für Aufmerksamkeit sorgen.

In den Gesprächen am Wegesrand rufen sie auf zu mehr Mut im Umgang mit dem Thema Depression und zu mehr Wissen über die immer weiter verbreitete Krankheit. Das Verstecken der Krankheit und Anonymisieren soll aufhören. Dazu hat eine Mitfahrerin extra einen Smiley dabei, was sie sich vor das Gesicht hält, um darauf hinzuweisen, dass immer noch viele Betroffene ihre Krankheit verbergen und sich in der Anonymität verstecken. Der offene Umgang mit dem Thema Depression und das Annehmen von Hilfe soll während der Gespräche auf der Tour gefördert werden. Und das fordert Mut, das Motto der Tour.

Drei Monate sind die Mut-Teams unterwegs – seit 18. Juni und noch bis zum 10. September. Start war im norddeutschen Aurich (Niedersachsen), enden wird die Tour in Regensburg in Bayern. Die insgesamt 15 Teams – zwölf Tandems und drei Wanderteams – sind zwischen vier und zehn Tagen am Stück unterwegs, legen aber nicht die gesamte Strecke zurück. 4250 Kilometer Gesamtstrecke werden von Teilnehmern auf der Mut-Tour zurückgelegt.

Finanziell unterstützt wird der Trägerverein Mut fördern unter anderem von den Krankenkassen DAK und Barmer, der Deutschen Rentenversicherung, der Aktion Mensch und einigen Stiftungen.

Depression ist eine unterschätzte Krankheit

Depressive Störungen gehören laut Bundesministerium für Gesundheit zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Frauen leiden etwa doppelt so häufig an Depressionen wie Männer. Außerdem sind ältere Menschen häufiger betroffen als junge. 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mal an einer Depression.

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation hat die Corona-Pandemie zu einem starken Anstieg einiger psychischer Krankheiten geführt: Die Fälle von Depressionen und Angststörungen sind weltweit im ersten Pandemiejahr um 25 Prozent gestiegen. Fast eine Milliarde Menschen sind psychisch erkrankt. Wird eine depressive Erkrankung frühzeitig erkannt, ist sie in den meisten Fällen gut behandelbar.

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