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Nach Brand in Melsungen: Gerettete sprechen über dramatische Nacht

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Von: Helmut Wenderoth

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Vier der geretteten Bewohner im Vordergrund von links: Stephanie Zoch, Karen Fricke, Natalia Schugaev und Jenifer Schugaev. Dahinter ein Teil der 180 Einsatzkräfte, die bei dem Großbrand eingesetzt waren.
Vier der geretteten Bewohner im Vordergrund von links: Stephanie Zoch, Karen Fricke, Natalia Schugaev und Jenifer Schugaev. Dahinter ein Teil der 180 Einsatzkräfte, die bei dem Großbrand eingesetzt waren. © Helmut Wenderoth

Neun Menschen wurden aus einem brennenden Wohnhaus in Melsungen gerettet. Jetzt trafen vier der Geretteten auf die Einsatzkräfte.

Melsungen – Die bei dem Großbrand in der Nacht zum Samstag geretteten Hausbewohner und die Einsatzkräfte der Melsunger Feuerwehren trafen sich am Montagabend im Feuerwehrstützpunkt in Melsungen.

Eigentlich hätte für einige Wehren Ausbildungsdienst auf dem Dienstplan gestanden. Aber die Führung der Melsungern Wehren hatte gemeinsam mit der Wehrleitung beschlossen, mit allen Einsatzkräften in ruhiger Atmosphäre über das bei dem Großbrand Erlebte zu sprechen. Zu dramatisch waren die Ereignisse gewesen, um einfach zur Tagesordnung überzugehen.

Die gleichzeitige Rettung von neun Menschen aus einem brennenden Gebäude haben selbst die meisten Feuerwehrleute mit langjährigen Einsatzerfahrungen noch nicht erlebt. Viele Feuerwehrleute waren Stolz auf ihre Leistung, die sie in der Nacht gebracht haben. Aber viele sagten auch, dass ihnen, wenn sie an den Einsatz denken, immer noch kalte Schauer über den Rücken laufen.

Brand in Melsungen: Schreie im Flur wecken Bewohnerin

Besonders freute es die Feuerwehrleute, dass vier der Geretteten auch der Einladung gefolgt waren. In vielen persönlichen Gesprächen bedankten sie sich bei ihren Rettern. Karen Fricke, die eine der Wohnung auf der nicht so schwer betroffenen linken Gebäudeseite bewohnte, schilderte gegenüber unserer Zeitung ihre Erlebnisse in der Brandnacht: „Ich wurde wach, da hörte ich plötzlich Klopfen und Schreie im Flur. Ich vermute, da haben andere Bewohner ihre Nachbarn gewarnt. Als ich die Wohnungstür einen Spalt breit öffnete, sah ich, dass der Flur voller Rauch war.“

Schnell habe sie die Tür geschlossen und nasse Tücher davor gelegt. Aber das hab nicht viel geholfen, der Rauch drang durch alle Ritzen. „Dann lief ich an das Fenster und machte mich bemerkbar, denn ich hörte vor dem Haus Stimmen“, berichtet Fricke weiter. „Dort standen Personen, die riefen, dass es brennt. Auf meine Frage, ob schon jemand die Feuerwehr gerufen hat, antwortete mir niemand. Daraufhin habe ich die 112 gewählt.“

Die wenigen Minuten kamen der Frau wie Stunden vor. „Meine Angst wurde immer größer. Es war für mich wie eine Erlösung, als ich die Martinshörner hörte und die blitzenden Blaulichter der Einsatzfahrzeuge vor dem Haus anhielten. Ich wusste: Jetzt ist Hilfe da. Jetzt werden wir gerettet.“

Dann liefen auch schon Feuerwehrleute mit Leitern zum Gebäude und retteten Nachbarn, die an den Fenstern um Hilfe gerufen hatten. Fricke habe nur ihren Geldbeutel mit den wichtigsten Papieren gepackt, dann wurde auch sie mit der Drehleiter aus dem Wohnungsfenster geholt. „Erst im Rettungswagen wurde mir bewusst, was gerade passiert war“.

Brand in Melsungen: Bewohnerin flüchtet in Badezimmer

Auch Jenifer Schugaev, die eine Wohnung auf der rechten Gebäudeseite, bewohnte, berichtete von den Ereignissen: „Ich habe tierische Angst bekommen, als ich bemerkte, wie schnell sich das Feuer von Etage zu Etage ausbreitete. Ich kam mir wie eingesperrt vor“, sagt sie, die auf der Seite wohnte, auf der das Feuer stark wütete.

„Im Flur brannte es lichterloh, da gab es keinen Weg mehr durch. Nur mein Badezimmer war noch rauchfrei. Da habe ich mich rein geflüchtet. Von hier wurde ich auch über die Drehleiter gerettet.“ Für sie war nicht daran zu denken, etwas mitzunehmen. In die Wohnung kann sie nicht mehr. Es besteht Einsturzgefahr.

„Wir haben aber schon große Hilfe bekommen. Die Unterstützung hier in Melsungen ist enorm. Es wurde auch ein Spendenkonto für uns eingerichtet. Wir sind den Feuerwehrleuten unendlich dankbar für ihre Hilfe. Ohne ihren Einsatz würden wir wahrscheinlich heute nicht hier stehen“, sagt Schugaev.

Brand in Melsungen: Lob für Rettungskräfte

Wehrführer Joshua Görlschilderte die Gefühle eines Feuerwehrmannes, der zu solch einer Einsatzsituation kommt: „Es muss alles ganz schnell gehen. Die Leute warten auf Rettung. Hinter ihnen wüten schon die Flammen. Aber auch die Gesundheit unserer Einsatzkräfte muss im Auge behalten werden. Unter jedem Helm steckt ein Mensch.“

Stadtbrandinspektor Patrick Metz lobte die gute Zusammenarbeit der Wehren und Rettungskräfte: „Die Nacht hat gezeigt, dass wir auch riesige Anforderungen gemeinsam schaffen können. Unsere Mitbewohner können sich auf ihre Feuerwehren verlassen“. Erste Stadträtin Ulrike Hund dankte für den lebensrettenden Einsatz, bei dem auch die eigene Gesundheit hintenangestellt wurde – „zum Wohl der Mitbürger“. (Helmut Wenderoth)

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