Mann will in Wohnung bleiben

Nach überstandener Corona-Erkrankung: Mann aus Melsungen wird die Wohnung gekündigt

Wohnung ohne Wasser: Yurij Kuzmin wurden Strom und Wasser abgestellt. Damit will die Vermieterin, die Melsunger Wohnungsbaugesellschaft, die Kündigung forcieren. Unser Bild entstand in der Küche. Wasser leiht er sich vom Nachbarn.
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Wohnung ohne Wasser: Yurij Kuzmin wurden Strom und Wasser abgestellt. Damit will die Vermieterin, die Melsunger Wohnungsbaugesellschaft, die Kündigung forcieren. Unser Bild entstand in der Küche. Wasser leiht er sich vom Nachbarn.

In Melsungen wird einem Mann nach überstandener Corona-Infektion die Wohnung gekündigt. Grund ist ein Wasserschaden, der nach Monaten nicht behoben wurde.

Melsungen - Als Yurij Kuzmin nach überstandener Corona-Erkrankung und Wochen in Kliniken entlassen wurde, kam er in ein Zuhause, das möglicherweise bald nicht mehr sein Zuhause sein wird. Den 62-jährigen Alleinstehenden erwartete eine Wohnungskündigung.

Eine, die sich abgezeichnet hat, sagt der Anwalt des Vermieters, der Melsunger Wohnungsbaugesellschaft. Eine, die unverständlich ist, sagt der Sohn von Yurij Kuzmin. Was steckt dahinter?

Melsungen: Wasserschaden trat auf, als Yurij Kuzmin mit Corona-Infektion im Krankenhaus lag

Während des strengen Frosts im Februar gab es in der Wohnung einen Wasserschaden, den Yurij Kuzmin nicht bemerkt hatte. Zu der Zeit kämpften die Ärzte im Krankenhaus um sein Leben. Am 18. Februar hatte ein Mitarbeiter der Hausverwaltung FIB Wasserflecken an der Hausfassade bemerkt, unterhalb von Kuzmins Badezimmerfenster. Außerdem tropfte Wasser an der Fassade herab, und die Fenster der Erdgeschosswohnung waren beschlagen.

Weil die Wohnung während des Frosts nicht beheizt wurde, waren der Durchlauferhitzer im Bad und der Wasseraufbereiter in der Küche aufgefroren beziehungsweise geplatzt. In sämtlichen Zimmern der 52-Quadratmeter-Wohnung stand fünf Zentimeter Wasser, im darunter liegende Keller sogar zehn Zentimeter, berichtet die FIB auf HNA-Nachfrage. Yurij Kuzmin wurde daraufhin mehrfach postalisch aufgefordert, die Wohnung leer zu räumen, damit die Räume mit Geräten getrocknet werden können. Briefe gingen auch an seinen anwaltlichen Vertreter sowie seinen Sohn Jakob Maier, 22, der mit seiner vom Vater geschiedenen Mutter ebenfalls in Melsungen lebt.

Nach Corona-Infektion: Mann baute sich zweiten Ofen ein - Vermieter aus Melsungen wusste von nichts

Da kein Zutritt gewährt wurde, verschaffte sich die FIB nach HNA-Informationen zusammen mit Ordnungsamt und Schornsteinfeger Zutritt zur Wohnung, indem das Schloss ausgebaut wurde.

Dort stellten sie fest, dass der Mieter einen zweiten Ofen – die Wohnung wird mit Holzbrandofen beheizt – eigenmächtig, also ohne Erlaubnis des Vermieters, eingebaut und an den Schornsteinzug des vorhandenen Ofens angeschlossen hatte. Eine Brandsicherung gab es nicht. Der Schornsteinfeger legte diesen Ofen sofort still, aus Sicherheitsgründen, „denn es bestand Gefahr für Leib und Leben Dritter“, wie Rechtsanwalt Joachim Dittmer gegenüber der HNA versicherte. Er vertritt die Wohnungsgesellschaft anwaltlich.

Wohnung des Corona-Genesenen in Melsungen sei zu „75 Prozent“ zugemüllt

Die Versicherung wurde eingeschaltet. Aber eine Beseitigung des Schadens sei nicht möglich, heißt es in einem Schreiben, das der HNA vorliegt: „Die Wohnung ist zu 75 Prozent zugemüllt.“ Yurij Kuzmin wurde aufgefordert, Müll und Unrat zu beseitigen, weil dies nicht geschah, folgten weitere schriftliche Aufforderungen.

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Mitte April antwortete Sohn Jakob Maier per Mail: „Danke, wir wissen Bescheid.“ Ein Zutritt zu der Wohnung wurde dennoch nicht gewährt, teilt Anwalt Dittmer mit. Bis heute nicht, also knapp drei Monate nach dem Wasserschaden.

Melsungen: Mann will nach überstandener Corona-Infektion in Wohnung bleiben - trotz Schäden

Bevor die Trocknungsarbeiten beginnen können, muss ein Gutachter den Schaden beurteilen. Mehrere Termine wurden abgesagt, unter anderem weil Yurij Kuzmin wiederholt wegen Coronafolgen im Krankenhaus behandelt werden musste, berichtet sein Sohn oder der Gutachter im Urlaub war.

Nun droht, dass Mieter Kuzmin den entstandenen Schaden zahlen muss, weil eine Regulierung über die Gebäudeversicherung nicht mehr erfolgen könne: Die Sparkassenversicherung hatte bereits am 9. März geschrieben, dass sie die weiteren höheren Schäden, die durch den so lange nicht behobenen Wasserschaden entstanden sind, ablehnt.

Seit Wochen lebt Yurij Kuzmin nun ohne Strom und Wasser in der Wohnung, für die er 251 Euro warm bezahlt. Nach eigenen Angaben schläft er oft bei Freunden, weil er dann sein Beatmungsgerät laufen lassen kann, das er im Schlaf benötige. Wasser borge er sich von Nachbarn, Toilettengänge erledige er auf öffentlichen Toiletten. Und wie geht es weiter? „Ich möchte hier wohnen bleiben, es ist mein Zuhause.“ (Claudia Feser)

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