Unglück in der Nacht zum Sonntag

Nach tödlichem Bahnunfall: Polizei warnt vor Aufenthalt nahe der Gleise

Die Unfallstelle: Am Haltepunkt Bartenwetzerbrücke wurde in der Nacht zu Sonntag ein 21-jähriger Mann von einem Zug erfasst. Unfälle wie dieser sind laut Polizei zum Glück selten. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen. Ein 21-Jähriger ist jetzt in Melsungen von einem Zug erfasst und getötet worden. Er hatte an der Bahnsteigkante gesessen und war offenbar eingeschlafen. Wir sprachen mit der Polizei über Sicherheit am Bahnsteig.

Hätte der Lokführer den tödlichen Unfall in Melsungen verhindern können? 

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Nein. „Gerade im Dunkeln fährt der Lokführer nur mit wenigen Metern Sichtweite“, erklärt Klaus Arend von der Bundespolizei in Kassel. Der Zug wird automatisch gesteuert, es gibt keine Scheinwerfer, die die vor dem Zug liegende Strecke weitläufig ausleuchten.

Als der Lokführer den jungen Mann an der Bahnsteigkante sehen konnte, war er somit nur noch wenige Meter entfernt. Damit konnte auch die Notbremsung den 21-Jährigen nicht mehr retten. Züge können nach Angaben der Deutschen Bahn auch beim Durchfahren von Bahnhöfen mit 160 Stundenkilometern unterwegs sein und haben einen Bremsweg von bis zu 1000 Metern.

Kann man Lokführer warnen, wenn sich Personen im Gleisbett aufhalten? 

Ja, Lokführer können über die Notfallleitstelle informiert werden - beispielsweise, wenn ein anderer Lokführer auf den gegenüberliegenden Gleisen Personen sichtet und Kollegen warnen möchte, die in der entgegengesetzten Richtung fahren. Auch andere Personen, die sehen, dass sich Menschen im Gleisbereich aufhalten, können die Polizei informieren - über den Notruf 110 und über die Bundespolizei in Kassel, Tel. 0561/81610.

Manche Bahnhöfe werden videoüberwacht. Wird das auch genutzt, um Lokführer vor Personen im Gleisbereich zu warnen? 

Nein. Videoüberwachung werde beispielsweise zur Abschreckung gegen Vandalismus genutzt, sagt Klaus Arend von der Bundespolizei. Sie sei aber nicht dafür gedacht, Lokführer über Personen auf den Gleisen zu informieren.

Was kann man selbst tun, um Zugunfälle zu vermeiden? 

Auf keinen Fall sollte man die Gleise betreten. Nach Angaben der Deutschen Bahn haben sich in den vergangenen fünf Jahren hunderte Unfälle ereignet, weil Personen die Gleise überquerten. „Allein das Betreten der Gleise ist eine Ordnungswidrigkeit“, erklärt Klaus Arend von der Bundespolizei. Wenn man durch das Betreten der Gleise einen Zug zum Abbremsen zwingt, gilt das als Straftat.

Nicht verboten ist es, sich nahe der Bahnsteigkante aufzuhalten. Man sollte es aber vermeiden, die Sicherheitslinie zu überschreiten - außer, man möchte in einen haltenden Zug einsteigen. Denn ein vorbeifahrender Zug könne Menschen auch erfassen, wenn sie sehr dicht an der Bahnsteigkante stehen, warnt Arend.

Bahn-Unfälle im Schwalm-Eder-Kreis: Eine Chronik

Februar 2014: Eine Regiotram erfasst am Bahnübergang zwischen Borken-Nassenerfurth und Neuental-Zimmersrode ein Auto, das auf dem Bahnübergang steht. Der Insasse, ein 18-Jähriger aus Gudensberg, kommt ums Leben.

Dezember 2013: Bei Körle wird ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis von einem ICE erfasst und getötet. Die Polizei geht von Suizid aus.

Dezember 2013: Ein 23-jähriger Mann aus Gudensberg wird am Bahnhof Wabern von einem Güterzug erfasst und getötet. Zeugen hatten gesehen, dass der Mann über die Gleise gelaufen war, aber noch versuchte, sich zu retten, als er den Zug sah.

September 2012: Ein 77-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain wird am Bahnhof in Treysa von einem ICE erfasst und getötet. Die Polizei geht von Suizid aus.

Dezember 2006: Ein 17-jähriges Mädchen aus Fritzlar wird beim Überqueren der Bahngleise in Gensungen von einem Regionalexpress erfasst und getötet.

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