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Nach Überfall: Beide Täter gestehen räuberische Erpressung in Melsungen

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Von: Manfred Schaake

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Täter gefasst: Diese Melsunger Tankstelle an der Kasseler Straße war im Januar von zwei Tätern überfallen worden – die stehen jetzt vor Gericht. Archivfoto: William Abu El-Qumssan
Täter gefasst: Diese Melsunger Tankstelle an der Kasseler Straße war im Januar von zwei Tätern überfallen worden – die stehen jetzt vor Gericht. Archivfoto: William Abu El-Qumssan ©  William Abu El-Qumssan

Wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung in Melsungen müssen sich zwei Männer im Alter von 27 und 28 Jahren vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Kassel verantworten.

Melsungen – Der Überfall auf eine Tankstelle war am 5. Januar dieses Jahres verübt worden. Zwei Tage später waren die Täter in Melsungen festgenommen worden.

Seit diesem Tag sitzen sie in Untersuchungshaft. Beide sind – wie sie zugaben – drogenabhängig.

Mit Pistole bedroht

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft stehen die Männer im Verdacht, eine Tankstelle aufgesucht und aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes die Angestellte unter Vorhalten einer Pistole aufgefordert zu haben, ihnen die Tageseinnahmen auszuhändigen. Die Täter erbeuteten 700 Euro sowie 40 Packungen Zigaretten. Festgenommen wurden sie in einer Melsunger Pension, in der sie sich vorübergehend einquartiert hatten.

Zum Auftakt des Prozesses mit drei weiteren Verhandlungstagen bis zum 19. September zeigten die Angeklagten Reue und entschuldigten sich mehrfach. „Es tut mir leid, ich erkenne mich selbst nicht wieder,“ sagte der 28-Jährige gleich nach dem Verlesen der Anklageschrift. Nach der Trennung von seiner Freundin sei er in ein Loch gefallen.

Drogenkonsum in Unmengen

Nach einer Therapie in einer Klinik sei ihm das Geld für Drogen ausgegangen. Auf die Frage nach dem Drogenkonsum antwortete er: „Unmengen.“ Zu der überfallenen Frau sagte er: „Ich entschuldige mich dafür, was ich Ihnen angetan habe. Es tut mir unheimlich, von ganzem Herzen leid.“

Der Mitangeklagte gab ebenfalls sein Drogenproblem zu. Nach einer Entgiftung sei er „recht stabil“ gewesen. Er habe von Arbeitslosengeld gelebt und sei dann rückfällig geworden. Danach sei es „nur noch bergab“ gegangen, es habe sich „den Drogen völlig hingegeben.“ Es sei eine bescheuerte Idee gewesen, in der Tankstelle „schnelles Geld zu machen, ich wollte niemanden verletzten“ Er habe die Schreckschusspistole gehalten, gab er zu. Diese sei aber nicht geladen gewesen. Es war, wie er formulierte, „eine beschissene Idee“, er habe „im Rausch gelebt“.

Im Zusammenhang mit der Erpressung der Angestellten sagte er, er bedauere die Tat, er werde den Schaden wieder gutmachen. Dies unterstrich auch seine Anwältin, die noch während der Verhandlung mit der Tankstellen-Angestellten und deren Anwalt sprach.

Frau leidet seit der Tat an Angstzuständen

Es gehe ihr schlecht, sagte die 45-Jährige als erste Zeugin. Sie habe schlaflose Nächte, leide unter Angstzuständen und Unruhe. „Angst, reine Angst“ - das antwortete sie auf die Frage der Staatsanwältin, was sie empfinde. Und: „Ich habe Angst davor, dass es wieder passieren könnte.“ Auch der Anwalt des Angeklagten bat um Entschuldigung und betonte: „Die Waffe war nicht geladen.“ Was sich während der Beweisaufnahme bestätigte.

Allerdings wurde später bei der Festnahme Munition für die Gaspistole sichergestellt, berichtete ein Polizeibeamter. Eine zweite Waffe sei auseinandergeschraubt gewesen. Bei der Festnahme habe einer der Männer „deutlich unter Betäubungsmitteln gestanden, er stand neben sich“. Der Mittäter sei vitaler gewesen, habe aber auch deutlich unter Drogeneinfluss gestanden.

Insgesamt sechs Zeugen wurden bisher vernommen. Vermieter und Nachbarn des Hauses, in dem die Beschuldigten vorübergehend wohnten, schilderten Auffälligkeiten. Einer der beiden Verdächtigen sei eingesperrt gewesen. Man habe sich gedacht, so ein Zeuge, „das könnten die sein, die die Tankstelle überfallen haben“. Festgenommen wurden sie, als einer gerade in ein Taxi einsteigen wollte.

Handy-Auswertungen der Polizei ergaben, so schilderte ein Schutzmann, dass die Beschuldigten mehrere Tankstellen-Standorte gegoogelt hatten, man habe vorgehabt, Betäubungsmittel zu kaufen und Zigaretten zu verkaufen. Eine hohe Anzahl von Tabletten und auch Marihuana seien in der Wohnung sichergestellt worden. (Manfred Schaake)

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