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Neue Chefin für Psychiatrie in Melsungen

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Von: Damai Dewert

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Ausgang für Patienten: Die neue kommissarische Chefärztin der Psychiatrie in Melsungen Violeta Andra Carausu. Das Bild entstand im kleinen Innenhof für die Patienten der geschlossenen Abteilung.
Ausgang für Patienten: Die neue kommissarische Chefärztin der Psychiatrie in Melsungen Violeta Andra Carausu. Das Bild entstand im kleinen Innenhof für die Patienten der geschlossenen Abteilung. © Damai Dewert

Violeta Carausu übernimmt bei Asklepios in Melsungen die kommissarische Leitung der psychiatrischen Abteilung.

Melsungen – Violeta Andra Carausu kennt sich aus auf den beiden psychiatrischen Abteilungen des Melsunger Krankenhauses: Die 34-Jährige ist quasi von Anfang an dabei. Nach dem Wechsel von Chefarzt Peter Wulf übernimmt sie vorerst kommissarisch die Leitung.

Wie es langfristig weitergehe, werde noch entschieden, sagt Asklepios-Klinikmanager Alexander Zietzsch. Wulf war knapp zwei Jahre Chefarzt, er wechselte aus Schwalmstadt nach Melsungen. Er führt jetzt als Chefarzt die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Eichhof Krankenhaus in Lauterbach im Vogelsbergkreis.

Wulf hat sich unter anderem mit der Anwendung der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) – oder auch Elektrokrampftherapie – einen Namen gemacht. Nur eine überschaubare Anzahl von Krankenhäusern bietet diese Therapie in Deutschland an. Die EKT dient der Behandlung therapieresistenter und schwerer depressiver Störungen.

Die EKT werde sie weiterführen, sagt Carausu. Sie habe in der Zusammenarbeit mit Wulf viel Erfahrung gesammelt. Die Patienten in Melsungen profitierten sehr von der Elektrokonvulsionstherapie. Schon aus Gründen der Kontinuität sei es wichtig, die Therapien der Patienten fortzuführen. Teil der Therapie sei es, über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren in Intervallen Erhaltungs-EKTs anzuwenden.

In Melsungen schätze sie die sehr familiäre Atmosphäre: „Wir haben ein tolles Klima, ich fühle mich sehr wohl“, sagt Carausu. Das habe ihr die Entscheidung leicht gemacht, als sie gefragt wurde, die Leitung zu übernehmen. Die gebürtige Rumänin lebt mit ihrem Mann und ihrer vor wenigen Monaten geborenen Tochter in Kassel.

Carausu studierte in Rumäniens Hauptstadt Bukarest Medizin. Seit 2013 ist sie in Deutschland und qualifizierte sich in Heilbronn zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

„Wir sind sehr froh, die vakante Position mit Violeta Carausu – einer Ärztin aus den eigenen Reihen – besetzt zu haben“, sagt Klinikmanager Zietzsch. Nachdem es vor einigen Monaten Engpässe auf ärztlicher Seite gegeben hat, ist die psychiatrische Abteilung jetzt im Soll: Die Hintergrunddienste seien abgedeckt, der Betrieb laufe einwandfrei, sagt Zietzsch.

Zwei Fachärzte, zwei Assistenzärzte und zwei Psychologen betreuen die Patienten auf den beiden Stationen. Hinzukommen natürlich Pfleger. In diesem Bereich gebe es durchaus noch Bedarf. Interessierte könnten sich auch gerne melden. Grundsätzlich ist die Situation aber sehr gut, sagt Carausu. „Wir sind in der komfortablen Situation, jeden Patienten einmal wöchentlich für 45 Minuten zu sehen, das sei sehr gut.

Im Krankenhaus gibt es neben der Allgemeinpsychiatrischen Abteilung, eine psychiatrische Institutsambulanz und eine geschlossene Abteilung. Dort würden Patienten behandelt, denen die Krankheitseinsicht fehle, sie würden also unfreiwillig behandelt. Die Einweisung erfolge daher üblicherweise durch einen Richter. Zehn Betten hat die geschlossene Abteilung. Die Station ist ausbruchssicher, auf den Fluren kameraüberwacht und verfügt sogar über einen kleinen Hof mit Sitzgelegenheiten.

In der Allgemeinpsychiatrischen Abteilung werden Patienten mit allen Formen psychischer Erkrankungen behandelt – von Angstzuständen über Depressionen bis zu demenziellen Erkrankungen.

Im Asklepios-Gebäude betreibt Vitos Kurhessen als Mieter eine Tagesklinik für psychiatrische Ambulanz. Die Zusammenarbeit bezeichnet Carausu als sehr gut. Die psychiatrische Versorgung im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis sei ebenfalls sehr gut. Es gebe jedoch auch in der Melsunger Psychiatrie Wartezeiten in der Ambulanz von bis zu zwei Wochen: „Die Zahl von Menschen, die psychiatrische Hilfe benötigten, nimmt kontinuierlich stark zu“, sagt Carausu.

Sie bedauere die langen Wartezeiten in der Psychiatrie sehr. Den Menschen müsse oft schnell geholfen werden. Daher laute ihr Rat auch, sich unbedingt ärztlichen Rat zu suchen, die Ambulanzen seien notfallmäßig immer ein guter Anlaufpunkt. „Es ist ganz wichtig, dass der Hilferuf eines Patienten immer irgendwo gehört wird.“ Notfalls sollten sich Menschen an seelsorgerische Stelle wenden.

Kontakt: für offene Stellen bei Asklepios, Elizabeth Brandenstein unter Tel. 0 56 61/77 73 60 und Telefonseelsorge kostenfrei unter Tel. 08 00/111 0 111. (Damai Dewert)

Alexander Zietzsch Klinikmanager
Alexander Zietzsch Klinikmanager © Dewert, Damai D.

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