Abfallwirtschaft zieht positives Fazit nach Einführung

Noch Luft in den Tonnen: Zehn Kilogramm Biomüll entsorgt jeder im Schwalm-Eder-Kreis monatlich

Die Biotonne gibt es im Schwalm-Eder-Kreis seit Juli. Sie werde gut angenommen, heißt es von der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda.
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Die Biotonne gibt es im Schwalm-Eder-Kreis seit Juli. Sie werde gut angenommen, heißt es von der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda.

Schwalm-Eder – Seit Juli dieses Jahres gibt es im Schwalm-Eder-Kreis die Biotonne. Die Tonne werde zwar überraschend gut angenommen, heißt es von der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda, jedoch ist noch deutlich Luft nach oben.

Der Pro-Kopf-Müll

Das fällt insbesondere auf, wenn man die Pro-Kopf-Mengen Biomüll im Schwalm-Eder-Kreis mit denen aus dem Landkreis Kassel vergleicht. Dort wurden bereits im Jahr 1992 die ersten Biotonnen eingeführt, fünf Jahre später folgte der Anschluss aller Gemeinden, teilt der Sprecher des Landkreises Kassel, Harald Kühlborn, auf HNA-Anfrage mit. Von August bis November dieses Jahres hat ein Bewohner im Landkreis Kassel pro Monat durchschnittlich 15 Kilogramm Müll in die Biotonne geworfen. Im Schwalm-Eder-Kreis liegt die Pro-Kopf-Müllmenge für den Vergleichszeitraum bei zehn Kilogramm, also ein Drittel weniger.

Trotzdem: Das sei ein guter Start für die Biotonne, resümiert Linda Schmitz, die bei der Abfallwirtschaft unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Mit den Mengen, die wir jetzt erreichen, hätten wir eigentlich erst im kommenden Jahr gerechnet.“

Mit mehr als 1900 Tonnen Biomüll war der September der Monat mit der größten Menge. Im Oktober waren es 1650 Tonnen und im November 1750 Tonnen Biomüll.

Der Hausmüll

Die Einführung der Biotonne macht sich übrigens auch an den Hausmüllmengen bemerkbar. Denn vieles, was zuvor in der schwarzen Tonne gelandet ist, gehört jetzt in den Biomüll. Wurden im September 2019 noch gut 2800 Tonnen Hausmüll eingesammelt, waren es im September dieses Jahres noch 2200 Tonnen.

Die Hausmüllmengen des vorigen Jahres könne man mit diesem Jahr schlecht vergleichen, sagt Schmitz. Denn wegen der Coronapandemie gab es im Jahr 2020 ohnehin einen Anstieg beim Hausmüll. 3000 Tonnen wurden im September vorigen Jahres eingesammelt. Da seit Einführung der Biotonne weniger Hausmüll anfällt, wird dieser seitdem auch nur noch alle drei statt zwei Wochen abgeholt.

Die Verwertung

Der Müll landet nach der Abholung durch die Firma RMG zunächst in der Bioabfallumschlaghalle. Diese befindet sich auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Schwalm-Eder (EZS). Anschließend wird er von der Abfallentsorgungsfirma Gemes aus Thüringen abgeholt. Gemes verarbeitet den Biomüll in Kompostierungsanlagen und stellt beispielsweise Erden und Substrate daraus her, die sie weiter vermarkten.

Um zu gewährleisten, dass später keine Plastikreste in Blumenerde oder auf dem Feld landen, sei es sehr wichtig, dass der Biomüll frei von Plastik ist, sagt Schmitz. Da sei man auf die gewissenhafte Trennung der Einwohner angewiesen. „Insgesamt sind wir mit der Trennleistung hier im Schwalm-Eder-Kreis zufrieden, aber plastikfrei ist der Biomüll leider nicht.“

Häufig befänden sich im Müll Blumentöpfe aus Plastik. Auch Plastiktüten und Windeln tauchten immer wieder auf – wenn auch seltener als die Blumentöpfe. Tierkadaver gehören ebenfalls nicht in den Biomüll, sagt Schmitz.

Im Schwalm-Eder-Kreis ist es außerdem nicht erlaubt, Bio-Plastikbeutel für den Biomüll zu verwenden. Auch, wenn diese als „kompostierbar“ angepriesen werden. Denn: „Die brauchen in der Anlage einfach viel zu lange, bis sie kompostiert sind.“ Dasselbe gilt für Kaffeekapseln. Die Hersteller erfänden ständig neue Produkte, um für ihre Umweltfreundlichkeit zu werben, „aber wir müssen ganz häufig gegensteuern“, sagt Linda Schmitz.

Denn auch, wenn die Kaffeekapseln biologisch abbaubar seien, dauere dieser Prozess bei solchen Produkten einfach viel länger als beispielsweise bei Obst- und Gemüseresten oder bei Baumschnitt. Dies führe dazu, dass Teile der Kapseln oder der Biobeutel unkompostiert auf den Feldern landen. Denn es sei einfach nicht möglich, den Biomüll so feinsäuberlich auszusortieren.

Tipps für den Winter

Die Biotonne sollte im Winter möglichst an einem frostfreien Platz stehen. Wenn die Leerung ansteht, die Tonne am besten erst am selben Morgen rausstellen, damit der Inhalt nicht über Nacht gefriert. Feuchte Abfälle sollten am besten in Zeitungspapier eingewickelt werden, auch Bio-Beutel aus Papier dürfen verwendet werden. (Carolin Hartung)

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