Parcours gegen Mobbing: Gesamtschüler setzten sich mit schwierigem Thema auseinander

Sortieren Aussagen über Mobbing: Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Lucienne Apel mit den Schülern Emma und Andrej beim Mobbing-Barometer. Fotos: Evelyn Paul

Melsungen. Ausgegrenzte sind selbst Schuld an ihrer Situation – mit solchen Aussagen haben sich die Schüler der Gesamtschule Melsungen beschäftigt.

Bei einem Anti-Mobbing Parcours, den die Schule mit der Evangelischen Jugend Melsungen Stadt veranstaltete, wurden die Schüler des achten Jahrgangs für das Thema Mobbing sensibilisiert.

Ziel sei es, das Schweigen zu brechen, zu zeigen, dass Mobbing alle betreffe und dass Opfer nicht allein seien, fasst Gemeindereferent Tobias Schopf zusammen. 130 Schüler nahmen teil. Gefördert wurde die Aktion vom Jugendforum des Schwalm-Eder-Kreises „Gud so“. „Gegen Mobbing anzukämpfen ist eine tägliche Aufgabe“, sagte Dr. Matthias Bohn. Der Schulleiter wurde als Kind selbst gemobbt. „Ich wünsche mir, es jedem Schüler ersparen zu können.“

„Wenn behauptet wird, dass an einer Schule Mobbing nicht vorkäme, kann ich das kaum glauben“, sagt Schulleiter Bohn. Mobbing sei in jeder Jugendgruppe ein Thema. In kleinen Gruppen bis zu zehn Schülern absolvierten die Jugendlichen die Stationen des Parcours.

Beim Mobbing-Barometer wurden die Jugendlichen mit Aussagen zum Thema konfrontiert und sollten einschätzen, ob Aussagen stimmen. Die Schüler untersuchten, ob Ausgegrenzte selbst Schuld an ihrer Situation haben und ob es in Ordnung ist, Mitschülern Spitznamen zu geben. Dilara, Sumran und Elena hat diese Station gefallen. „Man konnte sich gut in die Aussagen hineinversetzen“, sagte die 13-jährige Dilara.

„Es ist wichtig, das Thema anzusprechen, damit man weiß, was man tun soll“, findet Sumran. „Die Opfer wissen dadurch, wie sie sich jemanden suchen können, der helfen kann“, sagte Elena. „Vielleicht werden die Lehrer dadurch auch auf Mobbing-Fälle aufmerksam“, hofft Sumran.

Bei den weiteren Stationen wurden Kurzfilme gezeigt und die Schüler gestalteten Postkarten selbst. Ein soziales Experiment machten die Schüler bei der fünften Station mit Tobias Schopf. Ein Teil der Jugendlichen wurde zu Bewohnern eines Bergdorfes. Die Einwohner sollten ein Fest für ihr Dorf planen und bekamen dafür besondere Verhaltensregeln und Codewörter. Andere Schüler kamen dann dazu und sollten sich ins Dorf integrieren.

Da sie aber die besonderen Verhaltensmuster nicht kannten, konnte sie sich nicht in die Gruppe einfügen.

Dass Gruppen eine eigene Sprache und Regeln entwickeln, sei normal, erklärte Tobias Schopf. Wichtig sei es, sich dessen bewusst zu sein und Neuankömmlingen die Möglichkeit zu geben, die Regeln zu verstehen. Der Parcours könne kein Mobbing verhindern.

Die Hoffnung der Veranstalter ist aber, dass die Fälle von Mobbing langfristig abnehmen, wenn offen darüber gesprochen wird.

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