1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Melsungen

Schwalm-Eder-Kreis will nahtlosen Übergang für Melsunger Klinik und Mitarbeiter

Erstellt:

Von: Damai Dewert

Kommentare

Asklepios Krankenhaus Melsungen Baugrube Baustelle Klinik GNH
Asklepios Krankenhaus Melsungen © Damai Dewert

Der Asklepiosklinik in Melsungen droht die Schließung. Der Schwalm-Eder-Kreis will das Krankenhaus nicht übernehmen, arbeitet aber an einer Lösung.

Melsungen – Der Landkreis und die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) werden die Melsunger Asklepiosklinik nicht übernehmen. Diese Nachricht habe für eine große Verunsicherung in der Belegschaft gesorgt, kritisierte am Montag Betriebsratsvorsitzender Klaus Bölling. Vor allem, da der Landkreis angesichts einer drohenden Schließung der Klinik keinen zeitlichen Horizont für die eigenen Pläne vorstellte.

„Wir bestehen mit dem hessischen Sozialministerium darauf, dass Asklepios seinen Versorgungsauftrag erfüllt“, sagt der kritisierte Gesundheitsdezernent Jürgen Kaufmann. Das Ministerium lasse auch nicht zu, dass die Klinik geschlossen werde. Parallel arbeite der Landkreis mit Hochdruck an der angestrebten Lösung eines integrierten Gesundheitszentrums.

„Ich glaube, dass Melsungen eine gute Zukunft haben kann. Mit einem nahtlosen Übergang“, sagt Kaufmann. Auch ein kleiner Neubau würde mindestens zwei Jahre dauern. Daher müsse für den Übergang auch im Bestandsgebäude geplant werden. Ganz sicher ist sich Kaufmann, dass die Notfallversorgung lückenlos erfüllt werde.

Klinik in Melsungen: „Wollen die Versorgungssicherheit für Menschen im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis“

„Wir wollen die Versorgungssicherheit für die Menschen im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis und natürlich eine Perspektive für die Mitarbeiter in Melsungen“, sagt Kaufmann. Für diese Neuausrichtung würden mit Hochdruck Gespräche geführt werden – das schließe die Kassenärztliche Vereinigung, das Sozialministerium und natürlich mögliche Betreiber mit ein. Eine künftige Kooperation beim Gesundheitszentrum mit Asklepios sei den Menschen im Kreisteil jedoch nicht vermittelbar, so seine Meinung.

Der Kritik, dass der Kreis zu lange gezögert und die Lösung mit einer Fachklinik verschleppt habe, widerspricht Kaufmann. Vielmehr sei es so gewesen, dass die Asklepios-Geschäftsführung bis zum Juli 2020 bei allen Gesprächen beteuert habe, den Versorgungsauftrag erfüllen zu wollen – mit einer Grund- und Regelversorgung.

Intern sei indes längst die kleine Lösung diskutiert worden, sagt Kaufmann. Dem Landkreis gegenüber sei dieser Vorschlag nicht gemacht worden. Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch stand am Dienstag für eine Stellungnahme zu diesem Vorwurf aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung.

Drohende Klinikschließung in Melsungen: So ist die Versorgung geregelt

Die medizinische Versorgung in Hessen ist unter anderem im Krankenhausplan geregelt. Der wird regelmäßig fortgeschrieben. Aktuell stammt er aus dem Jahr 2020. Jedes Krankenhaus erhält laut hessischem Sozialministerium in einem Feststellungsbescheid mitgeteilt, in welchem Umfang es an der stationären Versorgung mitwirkt.

Dieser Bescheid könne nicht einseitig gekündigt werden, da er neben der Berechtigung zum Betrieb eines Krankenhauses auch eine Verpflichtung beinhaltet, heißt es aus dem Ministerium in Wiesbaden. Das Krankenhaus müsste den Antrag auf Änderung des Feststellungsbescheides stellen. Nach dem geltenden Feststellungsbescheid ist es zur Versorgung verpflichtet. Dies schließt auch die Notfallversorgung ein. Der Krankenhausplan gelte, bis er geändert werde.

Schwalm-Eder-Kreis: Bewilligtes Fördergeld für Neubau der Klinik steht weiterhin zur Verfügung

Das für den Neubau des Krankenhauses in Melsungen bewilligte Fördergeld steht – abzüglich des bereits ausgegebenen Geldes – nach wie vor zur Verfügung. Laut Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch sind noch etwa 12,7 der 15 Millionen Euro übrig. Das Fördergeld sei für akutstationäre Zwecke zu verwenden, unabhängig davon unter welchem Namen die Gesundheitseinrichtung firmiert, teilt das Ministerium weiter mit. (Damai Dewert)

Kommentar: HNA-Redakteur Damai D. Dewert zur geplatzten Übernahme der Melsunger Klinik

Das Aus für die Melsunger Klinik ist wohl unabwendbar. Die Nachricht hat gestern viele Melsunger hart getroffen. Auch mich. Bis zuletzt hatten die Einwohner und wohl auch die Verantwortlichen beim Landkreis auf eine andere Lösung gehofft. Auch Asklepios hätte die unrentable Klinik gerne abgegeben.

Als der Kreistag 2006 in der Hauptsache mit Stimmen von SPD und FWG dem Verkauf an Asklepios zustimmte, hätte er das aktuelle Szenario wohl nicht erwartet, verantwortet es aber mit. Damals gab der Landkreis das Zugriffsrecht aus der Hand. Jetzt ist er zu spät aufgewacht.

Und Asklepios macht, was ein privater Betreiber eben macht: Der Konzern rechnet.

Medizinische Versorgung ist Daseinsvorsorge. Wer das nicht akzeptiert, muss damit leben, dass eine OP und eine Geburt rentabel sein müssen. Daseinsvorsorge kostet Geld – wie Straßen und der ÖPNV Geld kosten. (ddd@hna.de)     

Auch interessant

Kommentare